Markt Herbrechtingen seit 20 Jahren Vorreiter für den Landkreis

Sind jeden Freitag in der Brückenstraße präsent: die Macher des Herbrechtinger Bauernmarkts.
Sind jeden Freitag in der Brückenstraße präsent: die Macher des Herbrechtinger Bauernmarkts. © Foto: Oliver Vogel
Herbrechtingen / MICHAEL BRENDEL 26.09.2016
Er war der erste seiner Art im Kreis Heidenheim: In Herbrechtingen gibt es seit 20 Jahren einen Bauernmarkt. Am Freitag wird gefeiert.

Am Anfang stand eine Umfrage: Woran mangelt es in Herbrechtingen am meisten. Das wollte eine Beratungsfirma aus München Mitte der 1990er-Jahre von den Bürgern wissen, um im Auftrag der Verwaltung die ganzheitliche Entwicklung der Stadt voranzubringen. Diese hatte der Gemeinderat zuvor als erstrebenswertes Ziel benannt.

Heraus kam ein bunter Strauß an Kritikpunkten aber auch konkreten Verbesserungsvorschlägen. Zuallererst vermissten die 350 Befragten Atmosphäre im Stadtgebiet. Bummeln wollten sie in der als wenig heimelig empfundenen City daher wenig. Das brachte ebenso einen großen Kaufkraftverlust mit sich wie der ins Feld geführte Mangel an interessanten Geschäften. Als weitere Defizite waren rasch der Zustand des öffentlichen Nahverkehrs, das Rad- und Fußwegenetz sowie das mit den Attributen „unattraktiv“ und „hässlich“ versehene Stadtbild ausgemacht.

Was also tun? Die Auswertung der Fragebögen brachte etliche konkrete Ideen mit sich: eine Verkehrsumgehung für die Stadt, eine Fußgängerzone, die Sanierung der Altstadt und – hört, hört – ein Bauernmarkt. Offene Türen rannten die Bürger damit beim 1995 als Nachfolger von Peter Kiefner zum Bürgermeister gewählten Dr. Bernd Sipple ein. Der hatte sich schon unmittelbar nach seinem Amtsantritt zum Fürsprecher eines solchen Angebots gemacht und unterstützte die Idee denn auch entschieden.

Konsequenz: Am 21. Juni 1996 wurde in Herbrechtingen der erste Bauernmarkt im ganzen Landkreis abgehalten. Schauplatz der Premiere war die Mühlstraße, wohin zur Feier des Tages auch Gerdi Staiblin kam, damals baden-württembergische Ministerin für Ernährung und Ländlichen Raum.

Einige Hundert Meter entfernt, im Bereich Buigen-Center Ost, ging bereits seit 1981 regelmäßig ein Wochenmarkt über die Bühne. Fast zwangsläufig kam irgendwann die Idee auf, beide Veranstaltungen zusammenzulegen. Möglich machte es schließlich der Ausbau der Brückenstraße zwischen Stadion und Schulzentrum.

Und die Kombination kam gut an: Als im Juni 2006 ein Doppeljubiläum gefeiert wurde – 25 Jahre Wochenmarkt, zehn Jahre Bauernmarkt –, zeigte sich Sipple zufrieden mit der Entscheidung, die „Marktmächte“ am neuen Standort gebündelt zu haben. „Nicht mehr wegzudenken“, pflichtete Wilhelm Wiedenmann bei, der Vorsitzende des Bauernmarktvereins

Christian Ziegler, Chef des Kreisbauernverbands, würdigte die mutige Entscheidung einiger Landwirte, „in eine Nische zu investieren“. Und Dr. Josef Habelt vom Fachbereich Landwirtschaft im Landratsamt betonte, dass die Behörde sehr großen Wert auf die Direktvermarktung lege.

Heute hat der Bauernmarkt längst seinen festen Platz im städtischen Veranstaltungskalender gefunden. Außer an Feiertagen findet er jeweils freitags von 11 bis 16 Uhr statt. Rund 300 Kunden kommen Woche für Woche nach Herbrechtingen. „Wir sind zufrieden“, sagt Rainer Bihlmaier, Sprecher der derzeit fünf Anbieter. Zwei von ihnen kommen aus dem Alb-Donau-Kreis, einer aus Dillingen, was einst eine Satzungsänderung erforderlich machte.

Feilgeboten wird ein breites Sortiment von Wurst-, Fleisch- und Backwaren über Eier, Obst, Geflügel und Käse bis zu Honig, Säften und Schnaps. Einmal pro Monat ist zudem griechisches Olivenöl erhältlich.

Sämtliche Beschicker werden auch am kommenden Freitag, 30. September, wie gewohnt vor Ort sein. Von 11 bis 16 Uhr warten sie dann nicht nur mit ihrem üblichen Angebot auf, sondern auch mit einem umfangreichen Begleitprogramm. Dazu gehören unter anderem Kürbisschnitzen, Tretfahrzeuge, eine Tierschau, Mittagessen, Kaffee und Kuchen sowie zwischen 13 und 15 Uhr Kutschfahrten.