Kunst Herbrechtingen erinnert an Künstlerin Ruth Häcker

Herbrechtingen / günter trittner 15.10.2015
Das Kindergarten-Seminar: Es war ihr Leben gewesen. 35 Jahre lang hat Ruth Häcker an der Eselsburger Straße angehende Kindergärtnerinnen ausgebildet. Die gesamte musische Ausbildung lag in ihren Händen. Häcker war eine nimmermüde Schaffende. Was ihr an Kunst gelang, ist bis 29. Oktober im Bürgersaal des Rathauses zu sehen.

Die Ausstellung ist so ungewöhnlich wie die 1991 verstorbene Ruth Häcker war. Hochmusikalisch, versiert auf verschiedenen Instrumenten und sogar im Instrumentenbau, überzog sie gleichsam ihre Umgebung mit Malerei, verzierte Einladungskarten, gestaltete die Repräsentationsräume der heutigen Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik, legte großformatige Mosaike für deren Gartenbereich, illustrierte Bücher, knüpfte Wandteppiche, bemalte Türen und Schränke. Hauptmotiv ihrer ungezählten Bilder: Kinder. Zu einem Gesamtkunstwerk wurden ihre jährlichen Aufführungen mit den Schülerinnen, welche sie inszenierte und wofür sie Texte und Lieder schrieb. Beate Sorg-Pleitner, heute Leiterin der Fachschule, interpretierte Häckers Malerei als „Sehnsuchtsbilder“ vom verlorenen Paradies, von einer fernen Heimat.

Martina Häcker-Locher, welche etliche Exponate für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hatte, berichtete bei der Vernissage am Mittwochabend aus dem Leben ihrer Tante, welche mit ihrer ehemaligen Kollegin und „Lebensgefährtin“ Lina Zeiner, ihren Ruhestand in Radelstetten zugebracht hatte. „Tante Ruth lebte ganz für die Schule, sie ging darin auf und war auch ein Stück von ihr.“ Nur gute Erinnerungen hat Martina Häcker-Locher an ihre Tage bei Ruth Häcker, an Tage voller Musik, Herzlichkeit und Lachen.“

Ruth Häckers Bilder sind naiv in der Auffassung, ohne Vordergrund, ohne Perspektive. Bilder mit den Augen eines Kindes gemalt“, meinte Sorg-Pleitner. Aber sie haben auch Raffinesse und einen ganz eigenen Stil. Auffällig sind die weichen, mit Licht durchzogenen Farben, welche die Bilder einnehmen, welche aber den Betrachter nicht überrumpeln. Sorg-Pleitner hatte sich kundig gemacht. Für diesen Effekt hatte Häcker die Bilder nach dem Farbauftrag immer wieder abgewaschen. Die Leichtigkeit paarte Häcker mit geometrischer Ordnung. Ihre gemalten Gärten haben eine klare Struktur und auch die Kindergruppen sind fest formiert. Es sind in gewissem Sinne auch didaktische Bilder. Zu diesen Zeiten, so Sorg Pleitner, hatte die musische Pädagogik das Ziel, die Kinder zum Nachahmen eines guten Beispiels zu animieren. Und was wäre nachahmenswerter als „Engele aus dem Paradies“, wie ein Bildtitel von Häcker lautet?

Pfarrer in Ruhestand Hans-Ulrich Götz hatte ein Instrument von Ruth Häcker mitgebracht, auf das sie „mit ihrer einmaligen und schönen Schrift“ zudem ein Gedicht geschrieben hatte. Und Götz brachte auch Erinnerungen an die stadtbekannte Frau mit, an magische, musikalische Inszenierungen im Eselsburger Tal und auf dem Buigen.

In ihrem Altersruhesitz in Radelstetten hatte Häcker mit den dortigen Landfrauen für eine szenische Krippe die Figuren gefertigte, welche in schwäbischer Trach eingekleidet wurden. Seit 1982 wird die weithin bekannte Trachtenkrippe jährlich zur Weihnachtszeit in der Nikolauskirche in Seißen (bei Blaubeuren) gezeigt. Einige Figuren sind nun auch in der Ausstellung zu sehen. „Es ist etwas Besonderes, diese Ausstellung“, animierte Stadtrat Martin Müller als Vertreter der Stadtverwaltung zu deren Besuch. Die Senioren der Musikschule begleiteten die Vernissage unter anderem mit der „Ruth-Häcker-Polka“.

Die Idee für die Ausstellung hatte Stadtbibliothekar Thomas Jentsch. Sein Haus hat die Ausstellung auch organisiert und kuratiert. Wesentliche Unterstützun gewährte Martina Häcker-Locher.

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