Kreis Heidenheim Die heißesten Jobs im Kreis Heidenheim

Bei etwa 50 Grad auf der Ofenbühne ist das Arbeiten in der Gießerei der SHW CT in Königsbronn im Sommer besonders anstrengend. Weitere Fotos gibt es auf hz.de
Bei etwa 50 Grad auf der Ofenbühne ist das Arbeiten in der Gießerei der SHW CT in Königsbronn im Sommer besonders anstrengend. Weitere Fotos gibt es auf hz.de © Foto: Christian Thumm
Kreis Heidenheim / Christine Weinschenk 06.08.2018
Schuften in der Hitze – das gilt momentan für die meisten Arbeitnehmer. In der Gießerei und auf dem Bau sind die Bedingungen aber besonders hart. Ein Besuch.

Funken sprühen. Schwarzer Rauch steigt auf. Und es riecht, als würde man 1000 Wunderkerzen auf einmal anzünden, wenn das flüssige Eisen wie Lava in die Gießpfanne fließt. „Sie riechen Phosphor und Schwefel“, erklärt Bastian Riede, Gießerei-Ingenieur bei der SHW CT in Königsbronn. Der Geruch ist gar nicht so unangenehm. Aber die Hitze. „Im Sommer steht hier die Luft, auf der Ofenbühne haben wir etwa 50 Grad.“

Und je näher man einem der sechs Schmelzaggregate kommt, desto drückender wird es. Kein Wunder. Das geschmolzene Eisen ist gut 1500 Grad heiß. Massimo Martina zuckt gelassen mit den Schultern. „Man gewöhnt sich daran.“ Seit 28 Jahren arbeitet er als Schmelzer. Genauso sein Kollege Arnold Korol: „Nur im Sommer ist es etwas kritisch. Aber nach einer kalten Dusche ist alles wieder ok.“

Hitzewasser gibt es in der Gießerei in diesen heißen Tagen. Was sich technisch anhört, heißt aber nur, dass die Mitarbeiter kostenlos ihren Durst stillen können. Ansonsten ist alles genau so wie immer, nur eben noch heißer. Im Dreischichtbetrieb arbeiten elf Mann in der Gießerei. Am Schmelzofen müssen sie einen Schutzanzug tragen. „So verbrennt man sich nicht, aber im Anzug ist es heißer als in jeder Sauna“, sagt Martina. Wie hält man die Temperaturen aus? „Viel trinken und gut ernähren. Ich komme aus dem Süden Italiens und vertrage das gut.“

Ein Knochenjob

Trotzdem. Ein Knochenjob. Aber die Stimmung in der Gießerei ist heiter, es wird gewitzelt und gelacht – und wohl weniger unter der Hitze geächzt als in manchem Büro. „Wir mögen unsere Arbeit“, sagt Arnold Korol. „Wir sind stolz darauf, dass unsere Walzen auf der ganzen Welt laufen und wir in der ältesten Hütte Deutschlands arbeiten.“ Man habe im Unternehmen viel mitgemacht die vergangenen Jahre, schickt er nach und meint die Insolvenzen und vielen Monate der Unsicherheit. „Wir sind froh, dass wir unseren Arbeitsplatz haben und hoffen, dass das auch so bleibt.“

Auch in Gussenstadt wird zur Zeit schwer geschuftet. Allerdings open air. Hier zeigt das Thermometer „nur“ 30 Grad, dafür brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Gleich zwei Bautrupps sind an Kirch- und Fabrikstraße im Einsatz. Letztere wurde gerade frisch asphaltiert. „Die Mischung hat 160 Grad, wenn sie aufgetragen wird. Beim Walzen kühlt es runter auf 100 Grad. Das ist wirklich grenzwertig“, sagt Harald Baur, Polier beim Bauunternehmen Leonhard Weiss aus Günzburg. „Fünf oder sechs Liter trinkt man da weg wie nichts, aber natürlich kein Bier.“

Lichtschutzfaktor 50

Wasser bekommen auch sie vom Arbeitgeber kostenlos. Genauso wie Sonnencreme. Lichtschutzfaktor 50. „Oben ohne gibt es auf dem Bau so gut wie nicht mehr“, sagt Baur. „Erstens erlaubt das unsere Berufsgenossenschaft nicht, weil die Hautkrebsfälle zunehmen, und zweitens will das auch kaum noch einer. Die Sonne ist dafür in den letzten Jahren viel zu aggressiv geworden.“ Theoretisch könnte man bei der Hitze vom Arbeitgeber aus auch früher Feierabend machen. „Aber die Personaldecke ist dünn und da würde uns die Zeit davonlaufen.“

Baur, das betont er und man merkt es, macht seine Arbeit gern. Mehr als gern. Sein Alter möchte er nicht in der Zeitung lesen, aber er verrät, dass er schon Jahrzehnte auf dem Bau arbeitet. Was ist das Schöne? „Wind und Wetter“, antwortet er lachend. Auch das Wetter der letzten Wochen? „Bei der Arbeit macht mir das nichts aus. Aber zwei Wochen bei so einer Hitze am Strand liegen, das wäre für mich die Höchststrafe.“

Das Tiefbauunternehmen Holzäpfel und Hille aus Altheim ist in der Kirchstraße zugange. Man habe das Nahwärme- und Glasfasernetz der Energiegenossenschaft aufgebaut, sagt Vorarbeiter Wilhelm Brand. Auch jetzt sind die Männer damit beschäftigt, Gräben zu graben, um Leitungen und Hausanschlüsse zu verlegen. „Im Bagger gibt es zum Glück eine Klimaanlage, sonst würde man es nicht aushalten.“ Brand trägt Strohhut und Sonnenschutzfaktor 30. „Manchmal vergisst man das Eincremen auch.“ Das Trinken eher nicht. „In den letzten Tagen war der Sprudel aber so warm, dass man einen Teebeutel hätte reinhängen können.“ Jetzt steht eine Kühlbox in seinem Auto.

Winter ist noch schlimmer

Den Kopf kühlt die Box allerdings nicht. „Dieses Jahr ist es wirklich extrem, irgendwann kann man nicht mehr richtig denken“, sagt Kabelmonteur Ralf Kaiser. Leider gebe es kein Hitzefrei auf dem Bau. „Aber der Sommer ist besser als der Winter, wenn alles so schmierig ist. Frühjahr und Herbst sind die besten Zeiten.“ Bekommt man denn wenigstens Mitgefühl von den Passanten? „Eher weniger. Meistens schimpfen die Leute, weil sie nicht durchfahren können oder woanders parken müssen.“ Zur Ehrrettung der Gussenstadter schaltet sich eine Anwohnerin ein: „Natürlich haben wir Mitgefühl! Wer will schon bei so einer Hitze schaffen? Wir unterstützen die Männer mit Kaffee und Sonnenschirmen.“ Das, so Kaiser, sei leider die absolute Ausnahme.

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