Bauen Haus aus Stroh: Hofgemeinschaft Biotal feiert Richtfest

Günter Trittner 27.09.2016
Das Werk lobt den Meister. Insofern musste beim Richtfest der Hofgemeinschaft Biotal nicht viel gesprochen werden. Die Hofgemeinschaft Biotal feierte jetzt Richtfest am neuen Strohhaus.

Eine große Pfanne Paella wartete dafür auf die Mitarbeiter und vielen Helfer, die in den vergangenen Monaten mit Hand angelegt hatten, um ein in der Region einzigartiges Gebäude aufzurichten. Einen Hofladen aus Stroh, einfach und klein, hatte Landwirt Hans Bosch vor Jahren auf seinen Wunschzettel notiert zur besseren Vermarktung der Bio-Produkte.

Das jetzt am Brenzufer stehende Haus bietet nicht nur die dreifache Nutzfläche, es ragt auch architektonisch weit über den Standard hinaus. Das ist einerseits dem Baumaterial Stroh geschuldet: 60 Tonnen wiegen die dicht gepressten Ballen mit denen die Wände aufgerichtet wurden.

Andererseits hat der auf Strohhäuser spezialisierte Architekt Werner Schmidt hat eine eigentümlich Form für das Gebäude gefunden, die überaus effektvoll ist: Von außen betrachtet schmiegt sich das Gebäude mit seinem gewölbten Dach trotz seiner Mächtigkeit gleichsam in sein Umfeld, innen öffnet sich der Raum nach oben luftig wie in einer Kirche.

Schwere entrindete Fichtenstämme und zentral eine Esche tragen das Dach, das seinerseits aus penibel Seite an Seite verlegten Rundhölzern besteht. Zur Dachkonstruktion waren allein an die 100 Fichtenstämme nötig.

1500 Fichtenstangen hat Hans Bosch in den letzten Jahren aus den umliegenden Wäldern mit seinem Traktor zur Baustelle angefahren. Mindestens 70 Prozent aller Baumaterialien sollen aus maximal 30 Kilometer Entfernung stammen – auch dies ist neben der Wahl vorrangig nachhaltiger Baumaterialien eine Prämisse der Hofgemeinschaft bestehend aus den Familien Bosch, Schlumpberger und Esslinger.

Im März 2015 wurde mit dem Bau begonnen, der neben dem Hofladen später auch Platz für ein Hofcafé direkt am Brenzufer haben wird. Der verregnete Frühsommer hat das Arbeiten dieses Jahr nicht leichter gemacht. Ungezählte Stunden hat allein das Abnehmen der Planen und erneute Verhängen des Hauses verschlungen, damit das Stroh nicht von Nässe durchdrungen wird. Noch im Herbst wollen sich die Biotaler an das noch fehlende Vordach vor dem Eingang machen. Dann kann auch passgenau die wurzeldichte Dachfolie verlegt werden, auf welche dann das Substrat für ein grünes Dach aufgebracht wird.

Verputzt werden die Wände außen wie innen mit Lehm. Damit die Strohballen trotzdem sichtbar bleiben, wird es in den tiefen Schalungen der Fenster Einblicke auf die „Mauer“ geben. Auf ein Jahr noch schätzt Hans Bosch die anstehenden Arbeiten, bis der neue Hofladen eingeweiht werden kann. Auf eine Zeitvorgabe will sich momentan kein Biotaler einlassen.

Geschafft wird, wenn der Hof dafür die Zeit lässt. „Es ist fast alles pure Handarbeit“, sagt Hans Bosch. Zum Richtfest war auch Architekt Werner Schmidt aus Graubünden angereist, der selbst beim ersten Setzen der Strohballen tüchtig mitgeholfen hat.