Herbrechtingen / Elena Kretschmer  Uhr
Neben zahlreichen Showkämpfen wurden bei der Kampfsportgala eine deutsche und eine Europameisterschaft ausgetragen. Etwa 500 Zuschauer verfolgten das Spektakel.

Dreimal klopft der Hammer aufs Holz. Zehn Sekunden vergehen. Dreimal ertönt die Glocke. Wieder eine Runde vorbei. Wenige Augenblicke später darf Ringsprecher Udo Paul wieder sein R rollen: „Rrrrring frei für Rrrrunde drei.“

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Und weiter ging das Spektakel – die wohl treffendste Beschreibung für die Kampfsportgala „Face 2 Face“ am Wochenende in der alten Bibrishalle. Die K1-, (Kick-)Box- und Sambo-Showkämpfe waren gleichermaßen imposant, besonders großen Eindruck hinterließen allerdings die Muay-Thai-Kämpfe.

Als die Kämpfer mit ihrem traditionellen Stirnband, dem Mongkon, zu ihrem selbst gewählten Musiktitel einliefen und im Ring zu Flöten- und Trommelklängen ihre Rituale vollzogen, hatte das schon etwas Faszinierendes. Zunächst umrundete jeder Fighter den Ring, wobei die rechte Hand, im Boxhandschuh verpackt, über das oberste Seil glitt. In jeder Ecke hielt er kurz inne, verneigte sich. Anschließend kniete er in der Mitte des Rings nieder, den Blick in die eigene Ecke gerichtet. Mit rhythmischen, wippenden Bewegungen wärmte er noch einmal seine Muskeln etwas auf und besann sich auf den Kampf. Zum Schluss nahm ihm der Trainer das Stirnband ab und der Wettkampf konnte beginnen.

Bildergalerie Face to Face: Kampfsportgala in der Bibrishalle

Über eine Großleinwand konnten die rund 500 Zuschauer das Geschehen im Ring und die Entscheidungen der Ringrichter aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden genau verfolgen. Dabei ging es alles andere als zimperlich zu. Denn das Thaiboxen, wie Muay Thai auch genannt wird, zeichnet sich vor allem durch den Einsatz von Fäusten, Ellenbogen und Knien sowie Kicks mit den Beinen aus. Was vor allem bei den Damen in Herbrechtingen oft zu sehen war, war das sogenannte Clinchen, also das Umklammern des Gegners. Schön zu beobachten war dies zum Beispiel bei Nicole Zajcev und Gabriella Rozor in der B-Klasse bis 63 Kilo. Letztere nahm ihre Gegnerin so in die Mangel, dass der Trainer nach der ersten Runde ihre Frisur mehr oder weniger erfolgreich wieder in Form bringen musste. Nach drei Runden à zwei Minuten entschied Rozor das Duell nach Punkten für sich.

Nur zwei K.o.

Sieger nach Punkten gab es an diesem Abend viele: Hairush Selaci entschied den Kampf gegen Patrick Decksheimer vom Rough Gym Heidenheim in der R-Klasse des K1 (eine Kombination aus Karate, Muay Thai, Taekwondo, Kickboxen und vielen anderen Kampfsportarten) für sich. Ebenso besiegte Luca Rüdiger im Muay Thai in der Klasse E Sarah Fuchsenthaler und Alexej Ivanov vom Boxing Club Giengen im Boxen bis 75 Kilo Sven Leppers. Außerdem war Artiom Medvedev, der in Herbrechtingen sein Debüt im Sambo gab, dem HSBler Alwis Kinderknecht nach Punkten überlegen. Im Muay Thai, B-Klasse bis 73 Kilo, war Bartek Mierzwa stärker als Patrick Ledermann, in der B-Klasse bis 76 Kilo bezwang Tobias Rosenburg Alexander Döhring.

Der Muay-Thai-Kampf (Klasse B bis 65 Kilo) zwischen Giuseppe Prezzo und Okan Celikdal wurde am Ende vom Doktor beendet. Da Prezzo eine Platzwunde an der Stirn hatte und blutete, siegte sein Gegner in der letzten Runde, obwohl er zuvor eher die schwächere Leistung gezeigt hatte. Die Enttäuschung stand Prezzo ins Gesicht geschrieben. Er war jedoch nicht der Einzige, der an diesem Abend verletzt wurde. Ringsprecher Paul verkündete, dass ein Kampf abgesagt werden müsse, weil eine Glasflasche aus den Zuschauerrängen einen Teilnehmer getroffen habe. Der Flaschenwerfer wurde gebeten, sich umgehend zu melden, da der Fall sonst an die Polizei gehe – was er laut Veranstalter Roland Steinle auch tat.

Die beiden Höhepunkte des Abends waren sicherlich der Kampf um die Europameisterschaft im Kickboxen der Damen, Klasse A bis 57 Kilo, und der Kampf um die deutsche Meisterschaft im Muay Thai der Männer, ebenfalls Klasse A, bis 72 Kilo. Teodora Vidic aus Österreich trat gegen Cheyenne „Pepper“ Hanson aus München an. Der für fünf Runden à drei Minuten angesetzte Kampf endete bereits in Runde vier, da Vidic k.o. ging. Das zweite Knock-out des Abends gelang Omid Safdari. Sein Gegner Mohamed Kurdi ging ebenfalls in Runde vier zu Boden.

Was bei sämtlichen Kämpfen auffiel, war der gegenseitige Respekt. Keiner der Kämpfer verließ den Ring, ohne seinen Gegner zuvor noch einmal umarmt oder sich vor ihm und den Trainern verneigt zu haben.

„Es ist alles total reibungslos gelaufen. Wir hatten ein geiles Publikum und eine geile Halle“, resümierte Roland Steinle, Vorsitzender des Muay-Thai-Bundes Bayern. Als Veranstalter hatte es sich der „Mann mit den roten Schuhen“ nicht nehmen lassen, Zigarre rauchend auf einer Harley einzufahren und so das Publikum zu begrüßen, bis Ringsprecher Udo Paul ihm Rauchverbot erteilte und ihn von der Bühne schickte.

Face 2 Face – Kampfsport-Events aus Lauingen

Das Rayong Gym in Lauingen veranstaltet nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren nationale Premium-Kampfsport-Events. Seit 2016 tragen die Veranstaltungen das Face-2-Face-Logo. Das Team um Roland Steinle kümmert sich um sämtliche Protagonisten, Versicherungen, ärztliche Betreuung, die Absicherung des Geländes etc. Das nächste Face 2 Face findet im September in Passau statt. ek