Dischingen Härter, schneller, lauter: der Freitag bei Rock am Härtsfeldsee

Dischingen / Kathrin Schuler 01.07.2018
Mit den beiden Headliner Iced Earth und Testament war bereits am ersten Festivaltag musikalisch einiges geboten.

Bereits zwei Wochen vor der 22. Ausgabe von „Rock am Härtsfeldsee“ waren die Karten für die größte Kultur-Veranstaltung im Kreis restlos ausverkauft. Zugegeben – als die Jungs von Xplict am Freitag um 17.30 Uhr die Bühne betraten und das Festival eröffneten, war davon noch nicht all zu viel zu spüren. Nur wenige Fans hatten sich bereits vor der Bühne eingefunden, doch Xplict legte sich dennoch ordentlich ins Zeug. Die New Metal-Band war bei Rock am Härtsfeldsee die einzige Band mit lokalem Bezug. Für die fünf Musiker aus Schwäbisch Gmünd, die bereits als Vorgruppe für bekannte Gruppen wie Callejon und Beyond the Black spielten, quasi ein Heimspiel.

Deutlich mehr los war dann schon bei Grizzly, die gleich im Anschluss mit einigen brandneuen Songs aus ihrem bislang noch nicht veröffentlichten Album bereits den ein oder anderen Rocker zum Tanzen, headbangen und pogen bringen konnten.

Mit Lord of the Lost ging es nach den punkigen Stücken der noch recht jungen Band aus Kassel deutlich düsterer weiter. Die Dark-Rock-Band um Sänger Chris Harms schaffte es, trotz dem es am frühen Abend noch hell war, für so manchen dramatischen Moment zu sorgen.

Viel Zeit um während dem Konzert mit der Menge zu plaudern nahmen sich die im Gothic-Stil geschminkten Bandmitglieder zwar nicht. Doch stattdessen präsentierten die Hamburger den Fans, von denen so manch einer mit dem passenden Band-Shirt vor der Bühne zu sehen war, lieber einen Song nach dem anderen, die die Menge dann schon zum Tanzen und Pogen brachte.

Mit dem Auftritt von Mr. Hurley

& die Pulveraffen schwenkte die Musik wiederum in eine ganz andere Richtung: Statt Metal war Folk angesagt, statt düsterer Kostümierung gab es auf der Bühne Piraten mit Rastalocken, Pluderhosen und Schlapphüte zu sehen – und auch im Publikum tauchte plötzlich so mancher aufblasbarer Piraten-Säbel auf. Noch vor dem eigentlichen Auftritt wurde der Osnabrücker Band beim finalen Soundcheck frenetisch zugejubelt.

„Wenn wir auf Heavy-Metal-Festivals spielen, ist das immer so ein kleines Experiment“, verriet Simon Erichsen alias „Mr. Hurley“. Denn Heavy Metal sei ihre Musik ja so gar nicht – richtig, doch für ihren tanzbaren Folk und die eingängigen deutschen Texte wurden sie von den Rockern euphorisch gefeiert und so mancher Fan lüftete sogar sein T-Shirt.

Hier gibt’s ein 360°-Video von der Bühne des RAH 2018

Was jedoch wirklich Metal ist, zeigte daraufhin der erste Main-Act des Abends. Mit Iced Earth aus den USA waren wahre Metal-Urgesteine an den Härtsfeldsee zurückgekehrt: Bereits in den Jahren 2011 und 2013 hatte die in den 80ern gegründete Band das Festival gerockt. Zu einer wilden, schnellen Mischung aus Thrash-, Power-, Progressive- und Speed-Metal wurde in der Menge und im Circle Pit vor der Bühne getanzt, als gäbe es kein Halten.

Sänger Stu Block zeigte sowohl bei älteren, als auch neueren Songs mit hohen Schreien und tieferen Tonlagen seine ganz besondere stimmliche Vielfalt. Mit dem emotional aufgeladenen „Watching over me“ in der Zugabe verabschiedete sich Iced Earth schließlich und machte die Bühne frei für den letzten Act des Tages.

Metal bis zum Schluss

Mit Testament stand um kurz vor Mitternacht schließlich eine der ältesten Thrash-Metal-Bands auf der Bühne und schaffte es mühelos, ihrem Genre alle Ehre zu machen. Von Müdigkeit oder Erschöpfung war in der Menge trotz der Uhrzeit dabei noch keine Spur zu sehen – besonders in den ersten Reihen vor der Bühne, in denen die Fans über Stunden ausgeharrt hatten, um die besten Plätze in vorderster Front zu verteidigen.

Wie gut die Metaller ihr Handwerk beherrschten, stellten sie mit minutenlangen Soli unter Beweis. Weniger melodisch als ihre Vorgänger, dafür härter, schneller, lauter zeigte sich die in den 80er Jahren aus der San Francisco Bay Area hervorgegangene Metal-Band – und genau wie auf der Bühne ging es auch bis zuletzt im Mosh Pit ab.

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