Nattheim Windpark Ohrberg: Gutachten lässt Zweifel aufkommen

Das Gutachten zur Lärmbelastung der Fleinheimer aufgrund des Dischinger Windparks Ohrberg wurde schon im Frühjahr durchgeführt. Es ist nun zwar beim Landratsamt eingetroffen, wird aber aufgrund einiger Auffälligkeiten nochmals geprüft.
Das Gutachten zur Lärmbelastung der Fleinheimer aufgrund des Dischinger Windparks Ohrberg wurde schon im Frühjahr durchgeführt. Es ist nun zwar beim Landratsamt eingetroffen, wird aber aufgrund einiger Auffälligkeiten nochmals geprüft. © Foto: Sabrina Balzer
Nattheim / Joelle Reimer 23.06.2018
Laut Investor liegt die Lärmbelastung durch die benachbarten Windräder für Fleinheim unter dem Grenzwert. Das Landratsamt aber lässt die Ergebnisse aufgrund einiger Auffälligkeiten prüfen.

Eine extrem hohe Lärmbelastung, die von den fünf Windkraftanlagen am Dischinger Ohrberg ausgehe, wurde in der Vergangenheit immer wieder seitens der beiden Nattheimer Teilorte Auernheim und Fleinheim moniert. Messungen wurden angeordnet, Messungen wurden durchgeführt – doch auf belastbare Ergebnisse warten Ortschafts- und Gemeinderat noch heute.

Auf Nachfrage teilt der Investor des Windparks, die Münchner Steinbeis Holding GmbH, zwar mit, dass die Ergebnisse der jüngsten Messung im Frühjahr nun vorliegen würden und zumindest im Messstandort Fleinheim keine zu hohe Lärmbelastung vorliege – in Stein gemeißelt ist diese Aussage jedoch noch nicht. Denn wie in der Nattheimer Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend bekannt gegeben wurde, hege das Landratsamt Heidenheim in einigen Punkten noch Zweifel an dem vorgelegten Gutachten. „Das Landratsamt hat wohl einige Knackpunkte entdeckt – irgendetwas kann da nicht stimmen“, sagte Bürgermeister Norbert Bereska.

Messung nur in Fleinheim

Laut Steinbeis Holding würden die Ergebnisse der Messung, die bereits im Februar 2018 stattgefunden hat, keine Überschreitung des Immissionsrichtwertes aufweisen. Durchgeführt wurde die Messung der Geräuschimmissionen durch die Deutsche WindGuard GmbH aus Varel. Der Messort sei in Abstimmung zwischen dem Ortsvorstand Fleinheim und dem Landratsamt Heidenheim ausgewählt worden. „Ja, doch Auernheim ist bisher komplett außen vor.

Dort wurde überhaupt nicht gemessen“, so Wolfgang Hetzel, Ortsvorsteher von Fleinheim. „Außerdem wurden uns die Ergebnisse vier Wochen nach der Messung zugesagt. Dass wir bis Mitte Juni warten mussten, zeigt doch, dass sie massiv zurückgehalten wurden.“ Gemessen wurde an einem Wohnhaus an der nördlichen Ortsgrenze von Fleinheim, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Windpark. Zusätzlich zur Ermittlung des sogenannten Beurteilungspegels wurde in Abstimmung mit dem Landratsamt Heidenheim eine zweite Messung durchgeführt. Hierbei sollten mögliche tieffrequente Geräuschimmissionen ermittelt werden. Diese zweite Messung fand im Inneren des Wohnhauses in einem Wohn- und Schlafraum statt.

Keine Überschreitung ermittelt

Letztlich, so die Aussage der Steinbeis Holding, sei weder eine Überschreitung der Richtwerte, noch das Vorhandensein von tieffrequenten Geräuschen in der Nachbarschaft des Windparks festgestellt worden. Zur lautesten Nachtstunde sei ein Schalldruckpegel von 32,3 dB(A) ermittelt worden. Dies entspreche in etwa dem Geräuschpegel einer normalen Unterhaltung. Damit liege das Ergebnis weit unter dem Immissionsrichtwert von 40 dB(A), der an diesem Messstandort in der Nacht einzuhalten ist.

„Das würde ich so noch nicht unterschreiben. Aus meiner Sicht ist es völlig offen, ob das Gutachten in Ordnung ist, ob es nachgebessert werden muss oder ob sogar die Messung wiederholt werden muss“, sagt Uwe Maier-Mehlhorn, Geschäftsbereichsleiter der Gewerbeaufsicht im Landratsamt. Er selbst habe das Gutachten vor zwei Wochen erhalten.

Bei der Prüfung seien ihm ein paar Punkte aufgefallen, weshalb er es sofort zur weiteren Prüfung an die zentrale Stelle der Landesanstalt für Umwelt in Karlsruhe geschickt habe. „Ich erwarte eine Rückmeldung in ein bis zwei Wochen“, sagt er.

Einig war man sich im Nattheimer Gemeinderat, dass man diese Überprüfung abwarten will. „Sollte aber etwas nicht in Ordnung sein oder Unstimmigkeiten auftreten, müssen die Windräder abgestellt werden“, so Bereska.

Richtwerte für den Lärm im Windpark Ohrberg

Die bestehenden fünf Windkraftanlagen am Dischinger Ohrberg kommen auf eine jeweilige Gesamthöhe von 199 Meter.

Ihre Leistung liegt zusammen bei 13,75 Megawatt, was Strom für etwa 10 000 Haushalte bedeutet.

Als Lärm wird bei Windanlagen meistens deren Betriebsgeräusch bezeichnet. Die am Ende der Rotorblätter entstehenden Wirbelablösungen und Verwirbelungen an Kanten, Spalten und Verstrebungen sind hierfür in der Regel verantwortlich.

Die Immissionsrichtwerte für Windanlagen sind in der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) aufgeführt.

Für ein allgemeines Wohngebiet wie in Fleinheim gilt der Immissionsrichtwert von 40 db(A) nachts und 55 db(A) tagsüber. Dabei müssen alle Anlagen eines Windparks berücksichtigt werden und es ist eine mögliche Vorbelastung durch andere schon vorhandene technische Anlagen oder bestehende Gewerbegebiete zu berücksichtigen.

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