Kreis Heidenheim AKW Gundremmingen: Atommüll-Zwischenlager in neuer Hand

Kreis Heidenheim / Catrin Weykopf 04.01.2019
Die Verantwortung für die Stätte in Gundremmingen liegt fortan nicht mehr beim AKW-Betreiber selbst, sondern bei der Gesellschaft für Zwischenlagerung, also beim Bund. Was bedeutet das genau?

Bisher war der Betreiber des Gundremminger Atomkraftwerks verantwortlich für die Sicherheit und den Betrieb des Atommüllzwischenlagers auf dem AKW-Gelände. Seit 1.Januar ist diese Aufgabe dem Bund übertragen, genauer: der Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH mit Sitz in Essen (BGZ). Hierbei handelt es sich um eine in privater Rechtsform organisierte Gesellschaft, deren alleiniger Gesellschafter der Bund ist, vertreten durch das Bundesumweltministerium.

Betroffen von dieser Neuregelung ist nicht nur das Zwischenlager in Gundremmingen, sondern alle deutschen Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle. Insgesamt sind dies 13 Lagerstätten in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Zum größten Teil befinden sich die Lager auf dem Gelände der jeweiligen Kraftwerke. Ausnahmen bilden hierbei allerdings die Lager Ahaus sowie Gorleben.

2,6 Milliarden Euro in den Fonds

Grundlage für die Übernahme durch den Bund ist das Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der Kerntechnischen Entsorgung, das im Juni 2017 in Kraft trat. Dem Gesetz nach sind die Betreiber der Atomkraftwerke (im Falle des AKW Gundremmingen sind dies zu 75 Prozent die RWE und zu 25 Prozent die Preussen Electra) für Stilllegung und Rückbau der Atomkraftwerke zuständig. Die sichere Lagerung der radioaktiven Abfälle sowie die Finanzierung desgleichen liegt fortan indes beim Bund.

Kritiker bemängelten beim Beschluss dieses Vorgehens, dass die Stromerzeuger sich auf diese Weise aus der Atommüllfrage herausgekauft hätten. Beim Bund indes sah man hierdurch die Lasten ausgeglichen verteilt: Zum einen auf die Gesellschaft, zum anderen seien die Betreiber weiter für den Rückbau der Kraftwerke verantwortlich und hätten für die Atommüllentsorgung zu zahlen. Am Ende waren es rund 24 Milliarden Euro, die von den Kraftwerksbetreibern in einen Fonds eingezahlt wurden. Aus diesem wird nun die Atommüllagerung und -entsorgung finanziert. Für das Zwischenlager in Gundremmingen wurden rund 2,6 Milliarden Euro an den Fonds fällig.

Aktuell sind dort 60 Castor-Behälter mit jeweils 52 abgebrannten, hochradioaktiven Brennelementen eingestellt. Im Laufe dieses Jahres soll die Zahl wachsen. Seitens des Betreibers wird von insgesamt zehn weiteren Behältern ausgegangen, die 2019 dazukommen: Im Frühjahr sollen zwei bis drei Castoren mit Brennelementen aus dem stillgelegten Block B sowie aus Block C hinzukommen. Im Herbst sind weitere sieben Behälter mit Brennelementen aus Block B vorgesehen. Insgesamt bietet das Atommüllzwischenlager Platz für 192 Castoren.

Die BGZ als neuer Betreiber des Zwischenlagers stellt derzeit vier Mitarbeiter in Gundremmingen. Diese Zahl soll ebenfalls steigen. Das langfristige Ziel ist der alleinige und autarke Betrieb des Lagers unabhängig vom Kraftwerk. Hierfür sieht die BGZ langfristig 14 Mitarbeiter vor sowie einen externen Objektschutz. Baulich soll sich vorerst nichts am Zwischenlager ändern. Auf HZ-Anfrage verweist man bei der BGZ darauf, dass die Einhaltung der Sicherheit fortlaufend durch die Aufsichtsbehörden der Bundesländer kontrolliert werde. „Es gibt keine Anzeichen für Sicherheitsdefizite bei der trockenen Zwischenlagerung“, so ein Sprecher der Gesellschaft. Allerdings sei es notwendig, in den nächsten Jahren die wissenschaftlich-technischen Fragen zu klären, die mit einer längeren Zwischenlagerung zusammenhängen.

Genehmigt bis 2046

Genehmigt ist der Betrieb des Zwischenlagers in seiner jetzigen Form bis 2046. Schon jetzt ist jedoch offensichtlich, dass dieser Zeitrahmen nicht ausreichen wird, um den Atommüll in ein Endlager zu bringen, denn für ein solches soll erst Ende der 2020er Jahre eine Standortentscheidung getroffen werden. Wann das Endlager dann tatsächlich bereitsteht, ist nicht absehbar.

Was hat die BGZ also vor, um die Lagerung in Gundremmingen sicher zu gewährlisten?

Wie ein Sprecher mitteilt, werde man dazu eine umfangreiche Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung jedes einzelnen Zwischenlagers durchführen. Auf dieser Grundlage will die BGZ dann in Abstimmung mit dem Bundesumweltministerium „die Rahmenbedingungen einer längeren Zwischenlagerung definieren“, so die Auskunft. „Dafür ist bis zum Auslaufen der Genehmigungen ausreichend Zeit vorhanden, die die BGZ auch unter Hinzuziehung von externem Sachverstand nutzen wird“, so der BGZ-Sprecher. So baue die BGZ zum einen eigene Abteilung für die Forschungsarbeit auf, zum anderen werde man eine Akademie gründen, in der Aus- und Fortbildung des Personals sowie die Forschungsarbeit unter einem Dach zusammengeführt werden sollen.

Unabhängig davon ist im Nationalen Entsorgungsprogramm vorgesehen, dass an einem künftigen Endlager ein so genanntes Eingangslager errichtet wird. Dorthin könnten die abgebrannten Brennelemente aus den Zwischenlagern, darunter auch aus Gundremmingen, gebracht werden, bis das eigentliche Endlager fertig sei, heißt es ergänzend auf der BGZ-Webseite. Eine Genehmigung für ein solches Eingangslager könnte zu Beginn der 2040er Jahre erfolgen. Wie lange es dauert, bis es fertig wäre – dazu gibt es keine Angaben.

Zwischen- und Endlagerung: So ist die neue Organisation

  • Zwei Gesellschaften sind zuständig für den Atommüll in Deutschland. Seit April 2017 obliegt die Endlagerung der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Sie betreibt die Projekte Konrad, Morsleben und Asse. Außerdem sucht sie nach einem Standort für ein funktionstüchtiges deutsches Endlager für hochradioaktive Abfälle.
  • Laufende Endlagerprojekte: Im Schacht Konrad (Niedersachsen) wird derzeit ein Endlager für schwach radioaktive Stoffe gebaut. Das Bergwerk Morsleben (Sachsen-Anhalt) beinhaltet niedrig- und mittelradiokative Abfälle, soll aber aufgrund von Stabilitätsproblemen stillgelegt werden. Im Schacht Asse (Niedersachsen)liegen rund 50 000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Abfall, der rückgeholt werden muss, da seit 1988 Wasser in das Bergwerk eindringt.
  • Die Zwischenlager befinden sich seit 1. Januar 2019 im Zuständigkeitsbereich der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Darunter fallen 13 Zwischenlager in sechs Bundesländern. Elf davon befinden sich auf dem Gelände von Atomkraftwerken.
  • Ab 1. Januar 2020 werden der BGZ zwölf weitere Zwischenlager mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen an Atomkraftwerksstandorten übertragen.
  • Finanziert werden beide Gesellschaften mit Umwegen über den Bundeshaushalt letztlich aus dem Atommüllfonds. Die BGE finanziert sich zudem teilweise durch Steuergelder.

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