Brenz Grüße aus dem Achtmäderlhaus

Großer Auftakt, großer Applaus: Acht junge Musiker waren beim Auftakt des Festivals in Brenz in Aktion.
Großer Auftakt, großer Applaus: Acht junge Musiker waren beim Auftakt des Festivals in Brenz in Aktion. © Foto: Dina Grossmann
Brenz / Von Dina Grossmann 12.10.2018
Acht junge Musiker präsentierten zur Eröffnung des dritten Festivals auf Schloss Brenz mit jugendlicher Leichtigkeit Kammermusik aus Klassik und Romantik.

Über einen mit rund 100 Besuchern bis an den Rand gefüllten Rittersaal konnte sich am Mittwochabend der junge Musiker Georg Michael Grau freuen. Er hatte als Initiator des Musikfestival Schloss Brenz zum dritten Mal zu diesen Kammermusiktage geladen und blickte in seiner Begrüßung auf ein sehr erfolgreiches Jahr 2017 zurück, in dem insgesamt über 1000 Zuhörer das Festival besucht hatten. Die Besucherzahl dieses Eröffnungskonzerts lässt auch für 2018 Gutes hoffen und beweist, wie gut das Angebot ankommt.

Mit Ludwig van Beethoven und Franz Schubert standen berühmte Komponisten der Romantik mit nicht weniger bekannten Werken auf dem Programm, den Anfang machte ein Klavierquartett von Mozart. Dieses hatte seinerzeit jedoch seinen Zweck verfehlt.

Mozart und die Langeweile

Eine Hintergrundmusik für ein geselliges Diner hatte der Verleger Franz Anton Hoffmeister im Kopf, als er Wolfgang Amadeus Mozart beauftragte, drei Klavierquartette zu komponieren. Nachdem dieser das erste Werk vollendet hatte, zog Hoffmeister seinen Auftrag jedoch zurück. Viel zu anspruchsvoll war die bestellte Musik – sowohl für die Laienmusiker, als auch für das Publikum, das „vor Langer Weile über dem unverständlichen Tintamarre von vier Instrumenten, die nicht in vier Takten zusammen paßten“ gähnte und die merkwürdige Musik nicht verstand.

Merkwürdig, weil das Thema des Kopfsatzes so gar nicht leicht und heiter, sondern pathetisch und beinah schroff klingt, was nicht zuletzt am schwermütigen g-Moll liegt. Und merkwürdig, weil die Streicher das Klavier nicht in untergeordneter Position begleiteten, sondern einen ebenbürtigen Dialog beginnen. Und trotz seiner Unbeliebtheit verbreitete sich Mozarts Klavierquartett KV 478 in erstaunlichem Tempo und zählt heute zu seinen meistgespielten Kammermusikwerken.

Aischa Gündisch (Violine), Lisa Trautmann (Viola), Ilya Ryabokon (Violoncello) und Georg Michael Grau (Klavier) eröffneten mit diesem Stück den Konzertabend und ernteten mit ihrer Leistung erfreulicherweise den Beifall eines begeisterten Publikums, bei dem von Langeweile keine Spur war. Auf ein temperamentvoll gespieltes Allegro folgte der zweite Satz (Andante), den Georg Michael Grau mit einem hinreißend lyrisch interpretierten Klaviersolo begann und in fließendem Übergang zu einer Einheit aus allen vier Instrumenten führte. An anderer Stelle fungierten die Streicher wiederum als Trio, in dem nicht nur die musikalische sondern auch die menschliche Verbundenheit der jungen Musiker spürbar wurde.

Ganz anders als Mozarts Klavierquartett beginnt Beethovens Sonate in C-Dur op.102/1 für Violoncello und Klavier. Getragen, zwischen Melancholie, innerem Frieden und schwelgender Romantik interpretierten Georg Michael Grau und Michael Bosch auf harmonische Weise das Andante. Im anschließenden Allegro vivace zeigten sie ein perfekt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel. Grau wusste die Klangfülle des Flügels zu präsentieren, ohne dabei das Cello zu übertönen, das durch Michael Boschs überzeugende Spieltechnik in sonoren Tiefen und brillanter Höhe erblühte.

Schuberts Forellensommer

Nach einer ausgedehnten Pause wurden sie durch Aglaja Vollstedt (Violine), Felix Weischedel (Viola) und Anna-Lena Cech (Kontrabass) – die, dynamisch betrachtet, leider ein wenig unterging – zum Quintett komplettiert und boten eines der populärsten Kammermusikwerke dar: das sogenannte „Forellenquintett“ von Franz Schubert. Ein charmantes Stück, das eine wohlige Atmosphäre erzeugt. Es ist vielleicht eine Erinnerung an den schönen Sommer, den der 22-jährige Schubert 1819 in Oberösterreich verbracht hatte. An seinen Bruder schrieb er in dieser Zeit: „In dem Haus, wo ich wohne, befinden sich acht Mädchen, beynahe alle hübsch. Du siehst, daß man zu thun hat.“

Seine Unbeschwertheit drückte der Komponist im fröhlich-virtuosen Allegro vivace aus, welches das Ensemble in Sontheim mit jugendlicher Leichtigkeit meisterte. Im langsamen zweiten Satz erklang ein liebliches Duett von Cello und Viola, denen Michael Bosch und Felix Weischedel eine weiche Klangfarbe entlockten. Das Herzstück – der vierte Satz, in dem Schubert sein Lied „Die Forelle“ aufgreift – bereitete Interpreten und Publikum gleichermaßen Freude; wippende Füße waren hier allerorts zu beobachten. Durch eine schlichtere Gestaltung der ersten Takte hätte das Thema noch liedhafter klingen und ein größerer Kontrast zum dritten Satz erzeugt werden können. Dies ist jedoch keineswegs eine Frage der Qualität, sondern allenfalls des Geschmacks – und den haben die Musiker reichlich bewiesen.

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