Große Investitionen fürs Königsbronner Kanalnetz nötig

Bürgermeister Michael Stütz (rechts) überreichte Ortsbaumeister Peter Göttling – im Bild mit Ehegattin Monika – den Ehrenbrief der Gemeinde Königsbronn.
Bürgermeister Michael Stütz (rechts) überreichte Ortsbaumeister Peter Göttling – im Bild mit Ehegattin Monika – den Ehrenbrief der Gemeinde Königsbronn. © Foto: Foto: hs
HOLGER SCHEERER 30.04.2012
Im Mittelpunkt der jüngsten Gemeinderatssitzung standen die Vorstellung des Allgemeinen Kanalisationsplans sowie die Verabschiedung von Königsbronns Ortsbaumeister Peter Göttling. Zwei Dinge, die zusammengehören, denn gerade die Abwassersituation war eines der wesentlichen Anliegen des zukünftigen Rentners.

Der letzte genehmigte Allgemeine Kanalisationsplan stammt aus dem Jahr 1979. Deshalb kann man bei diesem Regelwerk auch von einem Generationenwerk sprechen. Über die Jahre sind einige Punkte in diesem Plan veraltet, zum Teil auch nicht mehr genehmigungsfähig, weswegen von Zeit zu Zeit Nachbesserungen getroffen werden müssen.

Am Anfang des neuen Regelwerks stand erstmal eine Bestandsaufnahme. Die Gemeinde wurde genau unter die Lupe genommen, die 152 Hektar bebautes Gebiet ebenso wie die 170 Hektar Außengebiet. In Königsbronn hat man es zu tun mit einem Kanalnetz in Länge von 26 Kilometern. 740 Kanalschächte sind zu warten und zu überprüfen. Sieben Regenüberläufe liegen unter Grund begraben und drei Regenüberlaufbecken.

Insgesamt kann man die Abwassersituation in Königsbronn als gut bezeichnen, wären da nicht die „Schönheitsflecke“, die alle zwei Jahre die Bilanz trüben. Immer wieder kommt es bei starken Regenfällen dazu, dass Schächte überlaufen, weil sie die anfallenden Wassermassen nicht mehr schlucken können. Darauf muss die Gemeinde reagieren – schon allein deshalb, weil sie für solchermaßen entstandene Schäden regresspflichtig wäre.

Auf die Gemeinde werden also in den nächsten Jahren erhebliche Kosten zukommen, die durch die Notwendigkeit verursacht werden, im bestehenden Kanalnetz Nachbesserungen vorzunehmen. Im Kanalisationsplan sind diese Maßnahmen in kurz-, mittel- und langfristige unterteilt. Im Wesentlichen abgeschlossen ist die Einziehung einer Tauchwand im Regenüberlaufbecken Rossrucken, die mit 5000 Euro zu Buche schlug, dasselbe gilt für die Einziehung einer Tauchwand im Regenüberlaufbecken Torbogen in Höhe derselben Summe. Was ansteht, ist die Verschließung der Notentlastung an der Frauentalstraße am Leerausbach. Hier werden auch umfangreiche Arbeiten am Ufer des Leerausbaches anstehen.

Mit 400 000 Euro Baukosten anvisiert sind die Arbeiten, die im Bereich Wilhelm-Hauff-Straße bis Carl-Zeiss- und Mörikestraße anfallen. Im Bereich Wilhelm-Hauff-Straße muss ein Regenüberlauf geschlossen werden, der nicht mehr den Vorschriften entspricht, in der Carl-Zeiss- und der Mörikestraße muss der Kanal bis spätestens 2015 komplett ausgewechselt werden. In der Aalener Straße, im Bereich der Brücke nach Zang, müssen parallel zur B 19 rund 40 Meter Kanal ausgetauscht werden. Vorgesehen ist zudem der Einbau eines 65 Kubikmeter fassenden Regenüberlaufes. Die Arbeiten, die spätestens 2016 erledigt sein sollen, werden mit 190 000 Euro veranschlagt. In der Brenzstraße, kurz vor der Brücke zur Feilenschleiferei, muss ein Entlastungsbauwerk eingezogen werden, ein Kanal mit Stauvolumen, der Schmutzeintrag in die Brenz verhindern soll. Die Arbeiten, die ebenfalls bis 2016 abgeschlossen sein sollen, schlagen mit 150 000 Euro zu Buche.

Im Bereich des Steinheimer Weges in der Waldsiedlung befindet sich das Kanalnetz in einem äußerst schlechten Zustand. Hier steht zur Debatte, dieses möglicherweise bis zur Poststeige hinab austauschen zu müssen. Die Arbeiten sind bis zum Jahr 2016 geplant und bewegen sich in einem Kostenvolumen von 250 000 Euro. Ebenfalls eine komplette Kanalauswechslung ist vorgesehen spätestens für das Jahr 2018 im Bereich Schwarzer Weg und Moosstraße. Dies wird auf 240 000 Euro kalkuliert. All dies sieht der Allgemeine Kanalisationsplan 2010 vor. Sind diese Aufgaben erledigt, bestehen gute Chancen, dass der Kanalisationsplan ebenso lange vorhalten wird, wie sein Vorgänger aus dem Jahr 1979.

Ein besonderes und auch sehr persönliches Anliegen war es für Bürgermeister Stütz, im Rahmen der Gemeinderatssitzung den lang verdienten Ortsbaumeister Peter Göttling in den Ruhestand zu verabschieden. Über 20 Jahre arbeitete er im Ingenieurbüro der Firma Vollmer, war also schon ein alter Hase, was Baumaßnahmen in der Gemeinde anging, als er sich im Jahr 1993 auf den Posten im Rathaus bewarb. Am 1. Juli desselben Jahres trat er seinen Dienst in der Gemeinde an und entwickelte sich dort, so Stütz, zum Spezialisten im „Bohren dicker Bretter“.

Eine Summe von 20 Millionen Euro verbaute Göttling im Laufe der Jahre und erwies sich somit, wie Stütz augenzwinkernd ausführte, als der mit Abstand „teuerste Mitarbeiter“ in der Gemeinde. Stütz erinnerte sich mit Freuden des „standhaften, selbstbewussten und geradlinigen Kollegen“, der es tatsächlich geschafft habe, bei keinem einzigen Bauvorhaben „die vorgegebenen Kosten nicht einzuhalten“.

Für seine langjährigen Verdienste in Königsbronn konnte der sichtlich gerührte Göttling zum Abschied den Ehrenbrief der Gemeinde aus den Händen von Stütz entgegennehmen.

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