Gussenstadt / Ulrich Bischoff Der Gussenstadter Musikverein hat sich am Samstag mit einem großen Festakt zum runden Geburtstag gratuliert. Natürlich mit viel Musik.

100 Jahre Musikverein Gussenstadt – diesen runden Geburtstag feierten die Musiker am Samstag in der Turn- und Festhalle mit Pomp und viel Musik. Zur Freude des Publikums verbanden sie ihre Jubiläumsfeier mit einer unterhaltsamen Zeitreise durch ihre Vereinsgeschichte. 1919 sollen der Legende nach im „Rössle“ ein paar Männer in ausgelassener Stimmung an ihren leer getrunkenen Bierflaschen die ersten Töne geblasen und nach diesen Klangerlebnissen den Musikverein aus der Taufe gehoben haben. Dies sei eine Geschichte, die in keinem Protokoll steht, versicherte hierzu Thomas Kolb hierzu, Abteilungskommandant der Gussenstadter Feuerwehr.

Von der Geschichte in die Gegenwart: Vom Engagement der Musiker zeigte sich Gerstettens Bürgermeister Roland Polaschek „tief beeindruckt“. Ortsvorsteher Werner Häcker gefiel an den Gastgebern, dass bei euch „Jung und Alt harmonisch zusammenwirken“. Aus früher Jugend sei ihm Dirigent Kaspar Feile in lebhafter Erinnerung, weil der Altmeister eine Zigarettenwickelmaschine im Gebrauch und ihm den ersten Glimmstängel seines Lebens gewickelt habe.

Von französischen Gästen unterstützt

Der frühere Kreisvorsitzende des Blasmusikerverbandes, Dr. Josef Habelt, fühlte sich am Samstag nach eigenem Bekunden „sauwohl“. Mit Spaß und Freude sei die Jugend bei der Sache. Für diesen Nachwuchs gelte es einzustehen. Die Jugendkapelle hatte den Festakt musikalisch eröffnet – unter Dirigentin Daniela Jäger mit einer Party-Polka. Für den Vorsitzenden des Musikvereins, Steffen Ruoff, war die „Ouvertüre“ durch die Vereinsjugend auch deshalb wichtig, weil sich unter die Gäste eine Jugendgruppe aus Frankreich gemischt hatte. Den jungen Austauschschülern hatte der gemischte Chor des Gussenstadter Liederkranzes mit „Vois ton chemin“ später ein spezielles Lied gewidmet. Der Chor, der mit Freunden aus Heldenfingen verstärkt wurde, hat in Katja Pfeifer eine neue Dirigentin gefunden, die auch beim jungen Chor „Le Choeur“ den Ton angibt. Am Keyboard saß für beide Formationen Kathja Strobl.

Gekleidet wie in den 20ern

Ein Höhepunkt an Einfallsreichtum und Originalität kündigte sich an, als sich schließlich der Vorhang hob und sich die Blaskapelle mit Hut, Krawatte und schwarzem Gehrock ganz in der Mode der 20er-Jahre präsentierte. Mit todernster Miene – damals waren vaterländische Märsche im Schwange – donnerten die Musiker ihre Akkorde ins Publikum und ließen dabei die Dirigenten der Gründerjahre auferstehen. Der anspruchsvolle „Kyffhäusermarsch“ zählte damals schon zum Repertoire, unterstrich Steffen Ruoff mit Bewunderung.

Die „Fuchsgrabenpolka“ aber ist neueren Datums. Martin Pfendert und Manfred Jäger waren die Dirigenten jener Tage. Sie ließ Steffen Ruoff nacheinander auf die Bühne kommen und bat sie um ein Dirigat. Auch ihnen war der Beifall sicher. Die Kapelle hatte sich dann auch wieder umgekleidet und ihre 16 weiblichen Ensemble-Mitglieder in neuen Trachten präsentiert. Dem böhmisch-mährischen Musikstil fühlte sich die Kapelle immer schon verbunden. Die Gesangssolisten Martin Willi Vogel und Horst Strehle waren aus diesem Genre nicht wegzudenken. Am Samstag traten sie noch einmal vors Publikum, ehe die Kapelle die Neuschöpfung „100 Jahre Blasmusik“, komponiert von Lars Bischof, unter Dirigenten Holger Vogel folgen ließ.

Unterhaltsame Auftritte der Vereine

Zum Programm des Abends zählte außerdem der Auftritt der vorwiegend weiblichen Fitnesssportgruppe des TSV, deren Steppschritte in „Lord oft the Dance“ das Programm optisch auffrischte. Mit Komik und ausgelassener Akrobatik wirbelten unter dem Slogan „O’zapft is“ schließlich zehn Turner des TSV über die Bühne, zeigten Handstände, Überschläge und wurden angesichts ihrer ausgefallenen Schuhplattler-Einlagen heftig beklatscht.

Polaschek verkündet Neubau-Termin

Bürgermeister Roland Polaschek ließ mit einer Ankündigung aufhorchen: Gussenstadt könne mit dem Baubeginn für die neue Festhalle samt eines integrierten Kindergartens im Jahr 2021 rechnen – „sofern die beantragten Fördermittel bewilligt werden“.