Heidenheim / Silja Kummer, Hendrik Rupp  Uhr
Nicht gegen Voiths Engagement in der Sparte Wasserkraft, aber gegen die Beteiligung an Mega-Projekten in Brasilien spricht sich die Umweltorganisation Greenpeace aus. Am Donnerstag waren die Aktivisten in Heidenheim vor Ort.

Die brasilianische Regierung plant weitere Staudämme am Fluss Tapajós, der in den Amazonas mündet. Dagegen protestiert Greenpeace, am Donnerstag mit zwölf Aktivisten in der Nähe des Voith-Haupteingangs. Die Umweltschützer hatten Plakate dabei, waren mit der Voith-Konzernkommunikation im Gespräch und wollten vor allem über die Mittagszeit auch Voith-Mitarbeiter über die Kraftwerke in Brasilien informieren.

„Das Amazonas-Delta ist für das Weltklima von größter Bedeutung“, sagt Jannes Stoppel, Waldexperte von Greenpeace. „Der Ausbau von Wasserkraft ist natürlich sinnvoll, aber wenn man dabei die letzten Urwälder der Welt zerstört, bringt uns das global gesehen gar nichts“, erläutert er. Alleine für das größte geplante Bauwerk, das Sao-Luiz-do-Tapajós-Kraftwerk, müssten laut Greenpeace rund 37 600 Hektar Amazonaswald gerodet werden.

Nicht per se gegen Wasserkraft

„Wir sind nicht gegen Wasserkraft, Voith macht sehr interessante innovative Projekte“, sagt Stoppel. Die Großprojekte seien jedoch kontraproduktiv, weshalb man hoffe, den Konzern noch vor der Auftragsvergabe dazu zu bringen, sich hier nicht mehr zu engagieren. Am Vortag war Greenpeace mit einer ähnlichen Protestaktion bei Voiths Projektpartner Siemens in München.

„Die Proteste können wir akzeptieren und auch aushalten“, so Voith-Konzernchef Dr. Hubert Lienhard am Donnerstag. Nicht einverstanden ist Lienhard aber mit dem Bild, das auch Greenpeace zeichne: Ureinwohner in unberührtem Regenwald, die durch Wasserkraftprojekte vertrieben würden. Der frühere Hydro-Chef Dr. Roland Münch habe sich beim ebenfalls kritisierten Belo-Monte-Projekt persönlich umgesehen.

Fazit: „Die Stadt Altamira nahe dem Belo-Monte-Staudamm hat 120 000 Einwohner, die unter verheerenden Bedingungen leben und ihren Strom oft aus Dieselaggrgaten gewinnen“, so Lienhard – dass der Pegel des Rio Xingu infolge der gewaltigen Regenfälle um bis zu 20 Meter variiere und regelmäßig die Siedlungen überflute, sei ein weiteres Problem. „Richtig ist, dass auch Kulturlandschaft betroffen ist, Menschen umgesiedelt werden müssen“, so Lienhard. Doch im Umkehrschluss bringe ein Staudamm nicht nur Strom. „Krankenhäuser werden gebaut, die eine verlässliche Stromversorgung brauchen, es entsteht Infrastruktur“. Gerade Belo Monte halte er für ein gutes Projekt, dass den Einwohnern der Städte und Dörfer eine bessere Zukunft biete.

Kaum Einfluss auf Planungen

Das Tapajós-Projekt werde aktuell erst besprochen, Einfluss auf die Planungen habe Voith als potenzieller Ausrüster kaum. „Ich halte aber nichts von dem Argument, dass so ein Staudamm sowieso gebaut wird“, sagt Lienhard: „Letztenendes können wir uns ja auch gegen den Auftrag entscheiden“. Das habe Voith bei wirklich zweifelhaften Projekten der letzten Jahre in zwei Fällen auch getan.

Freilich seien die Tapajós-Pläne nach brasilianischen Verhältnissen nicht gewaltig – ein Stausee mit den von Greenpeace genannten 370 Quadratkilometern wäre zwar halb so groß wie der Landkreis Heidenheim, aber nicht einmal ein Zehntel so groß wie die größten brasilianischen Stauseen: „Viele Brasilianer verstehen die Aufregung nicht, die hier um diese Projekte herrscht“.

Schade findet es Lienhard, dass es zwischen Nichtregierungsorganisationen und dem Unternehmen zwar immer wieder zu Gesprächen, aber kaum zu Zusammenarbeit kommt: Man habe schon über Standards für Mindestabstände zwischen Staumauern gesprochen, über die Zertifizierung von Voith-Kraftwerken durch den WWF, über gemeinsame Projekte bei Umsiedlungen. – doch offenbar sei die mentale Hürde, als Umweltaktivist mit einem Konzern zu kooperieren, oft noch zu hoch.