Kreis Heidenheim Gläserne Produktion: Bio-Hof in Sontbergen erwartet 2000 Besucher

Kreis Heidenheim / Manuela Wolf 03.07.2018
Am 8. Juli öffnet Familie Dauner ihren Milchviehbetrieb in Sontbergen für die Öffentlichkeit. Über 2000 Besucher werden erwartet.

Annemarie Dauner will gar nicht dran denken. Am kommenden Sonntag, also am 8. Juli, findet der Aktionstag „Gläserne Produktion“ auf ihrem Milchvieh-Hof im beschaulichen Sontbergen bei Gerstetten statt. Das kleinste Dörflein im Landkreis Heidenheim hat gerade mal 55 Einwohner, zum Tag der offenen Tür werden zwischen 2000 und 3000 Besucher erwartet.

„Wir haben auch schon große Feste mit 250 Gästen gefeiert. Aber diesmal ist eine Null mehr hinten dran, als wir gewohnt sind,“ sagt sie und lacht verzweifelt. Ehemann Ernst bringt seine Bedenken auf den Punkt: „Das wird anders als Kindergeburtstag.“

Tatsächlich laufen seit kurz nach Ostern die Vorbereitungen. Initiator ist der Landkreis Heidenheim, der Anfang des Jahres zusammen mit fünf angrenzenden Städten und Gemeinden im Ostalbkreis (Bartholomä, Essingen, Heubach, Neresheim und Oberkochen) vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz als eine von vier Bio-Musterregionen in Baden-Württemberg anerkannt worden ist.

Erklärung zur Biomusterregion

Was sich hinter dem Titel so alles verbirgt, darüber soll am Sonntag nach Gottesdienst und Kinderkirche (Beginn: 10 Uhr) informiert werden.

Ab 11 Uhr werden unter anderem Landrat Thomas Reinhardt, der Landtagsabgeordnete Martin Grath und Christian Ziegler vom Kreisbauernverband Grußworte sprechen.

Um die Bandbreite von Bio zu verdeutlichen, sind auch drei große Bio-Verbände vor Ort, dazu regionale Anbieter von Bio-Produkten und Gewerbe rund um Landwirtschaft und Ernährung. Unter anderem sind ein Fachmann für Klauenpflege und die Milchwerke Schwaben mit einem Info-Stand vertreten.

Für Kinder gibt es eine Strohhüpfburg und eine Melkstation mit Gummi-Euter, für alle Hungrigen Bauernhof-Eis, Gulasch mit Fleisch vom hofeigenen Rind und Salat aus Ur-Dinkel, dem sogenannten Dinkelino. Wer so viel vor hat und so viel Besuch bekommt, ist für jede Hilfe dankbar.

Die Feuerwehr wird sich um Verkehr und Parkplatz kümmern. Die Kreislandjugend stellt über 70 Mann, die für Bestuhlung und mobile Toiletten sorgen. Der Maschinenring Ulm-Heidenheim baut eine Spielstraße auf. Die Jugendkapelle des Musikvereins Harmonie Gerstetten spielt zum Mittagessen. Befreundete Landwirte erzählen bei Führungen Interessantes über das „Leben einer Kuh“ und laden Jung und Alt zu Rundfahrten über die Felder ein.

Manuel Dauner zuckt mit den Schultern. Natürlich gibt er seinen Eltern recht, so ein Tag der „Gläsernen Produktion“ organisiert sich nicht von alleine. Zuerst die Umstellung auf Bio, dann der Neubau einer hofeigenen Biogasanlage, jetzt die Neugestaltung des Außenbereichs für Kälber – die Familie war in den letzten Jahren überfrachtet mit Arbeit, ist es immer noch, vieles ist liegen geblieben, an vielen Stellen musste in den letzten Wochen deshalb Ordnung geschaffen werden „oft bis halb zehn am Abend.“

Trotzdem freut sich der 23-Jährige, der nach seiner Ausbildung zum Landwirt den Meister im Bereich Ökologischer Landbau mit Bestnote abgeschlossen hat, auf den Trubel auf dem elterlichen Hof. Ein bisschen Werbung sei das allemal für die Direktvermarktung von Milch, Rindfleisch und Eiern.

„Außerdem finde ich es gut, dass der Landkreis jetzt Bio-Musterregion ist. Das soll dann auch auf einem Biohof wie unserem vorgestellt werden.“

Kühe bekommen Kleegras

Im vierten Jahr sind die Dauners jetzt Bio-Landwirte. Rund 100 000 Euro haben sie in den Umbau der Ställe investiert. Sie füttern ihre 70 Milchkühe und 100 Kälbchen hauptsächlich mit Kleegras von den eigenen Feldern. Sie verzichten auf den Einsatz von Mineraldünger und Pflanzenschutzmitteln. Auch die 100 Hühner werden nur noch mit ökologisch erzeugten Futtermitteln ernährt.

In den ersten beiden Umstellungsjahren, in denen schon nach neuen Standards gewirtschaftet und produziert werden muss, aber noch keine Bio-Preise verlangt werden dürfen, gaben die Betriebsabschlüsse ein verheerendes Bild ab. Die Milchleistung der Kühe war von 7500 auf 4500 Liter Jahresschnitt gesunken, der Ertrag beim Ackerbau auf die Hälfte zurückgegangen, Unkraut machte sich breit, überall.

„Wir hätten nicht erwartet, dass die Umstellung so schwer werden würde“, sagt die Familie einstimmig. Aber dann erzählen sie von Kühen, die bei Temperaturen weit unter Null lieber im Freien liegen als im Stall, von deutlich gesunkenen Tierarztrechnungen und steigender Gesundheit und Fruchtbarkeit der Tiere.

Sie freuen sich an der Begeisterung der Direktvermarktungs-Kunden, an verlässlich hohen Preisen für Bio-Milch und dem ergiebigen, für Biohöfe verpflichtenden Kleegras, dessen Wachstum sich mit Hilfe der Gülle aus der Bio-Gasanlage weiter optimieren lassen wird. Ernst Dauner beobachtet die Kälbchen, die zufrieden in der Sonne liegen. „Und auch die Tiere danken es einem“, sagt er. „Allein dafür hat sich der Aufwand gelohnt.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel