Landesstraße 1164 Weg zwischen Bolheim und Anhausen: Gibt es Defizite bei der Sicherheit?

An der Einmündung der Mahlbergstraße endet der ausgebaute Geh- und Radweg.
An der Einmündung der Mahlbergstraße endet der ausgebaute Geh- und Radweg. © Foto: Markus Brandhuber
Michael Brendel 10.01.2018
Das Regierungspräsidium Stuttgart teilt die Kritik des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs am neuen Geh- und Radweg zwischen Bolheim und Anhausen nicht.

Subjektive Einschätzungen können weit auseinandergehen. Beispiel: die L 1164 zwischen Bolheim und Anhausen. Während sich im Rathaus Anwohner lobend über eine für Autofahrer, Radler und Fußgänger gleichermaßen verbesserte Verbindung äußerten, fällt die Bewertung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) weitaus weniger positiv aus. Der ADFC-Kreisvorsitzende Johannes Metzger äußerte sich in einer Stellungnahme sogar „schwer enttäuscht“.

Seine Kritik macht Metzger, wie bereits berichtet, an mehreren Einzelpunkten fest. So bemängelt er, dass der kombinierte Geh- und Radweg viel zu schmal sei und schon kurz vor Anhausen ende. Radler, die Richtung Dettingen unterwegs seien, müssten stehenbleiben, um sich in den fließenden Verkehr einzuordnen, weil sie wartepflichtig seien. Außerdem gebe es nicht genügend Platz, um Radfahrer sicher durch den Haltestellenbereich zu führen. Den über einen Berg führenden Fußweg dürften die Radler nicht benutzen.

Querungshilfe fehlt

Auch in der Gegenrichtung sieht Metzger schwerwiegende Mängel, aufgrund derer Radfahrer sogar „massiv gefährdet“ würden. Da der Radweg in Richtung Bolheim benutzungspflichtig sei, müssten Radler die Straße kreuzen. Er frage sich, so Metzger, wer den Mut aufbringe, sich dort vorschriftsgemäß mitten auf die Straße zu stellen, um entgegenkommende Autos abzuwarten. Von einer in den Verwaltungsvorschriften zur Straßenverkehrsordnung verlangten sicheren Querungsmöglichkeiten sei nichts zu sehen, fügt Günter Staffa an, der radverkehrspolitische Sprecher des ADFC in Heidenheim.

Auf Anfrage hat sich jetzt das zuständige Stuttgarter Regierungspräsidium (RP) – Bauherr ist das Land Baden-Württemberg und nicht die Stadt Herbrechtingen – zur ADFC-Kritik eingelassen. Seitens der Behörde verweist man darauf, der zuvor nicht regelkonforme, in einem sehr schlechten Zustand befindliche und lediglich 1,20?Meter breite Geh- und Radweg sei den Richtlinien entsprechend ersetzt worden. Ziel der jetzt von der Straße abgesetzten und zweieinhalb Meter breiten Verbindung sei es gewesen, einen sicheren Schulweg zwischen Anhausen und Bolheim zu schaffen.

Weniger als 2,50 Meter breit

Auf Höhe Anhausen sei lediglich die Bushaltestelle umgebaut, der vorhandene Geh- und Radweg jedoch unverändert geblieben, so das RP weiter. In diesem Bereich gelte Tempo 50, was es Radlern erlaube, „die Fahrbahn der L 1164 wie innerorts zu benutzen“. Darüber hinaus könnten „unsichere Radfahrer den nicht benutzungspflichtigen Weg zur umgebauten Bushaltestelle nutzen, auch wenn der keine 2,50 Meter Breite hat“, heißt es in der Stellungnahme. Bis zum „Anhauser Tor“ schließe sich ein „angebauter“ Geh- und Radweg an.

Was die Lücke im Radwegenetz Richtung Dettingen angeht, verweist das Regierungspräsidium auf die laufenden Planungen, nachdem Verkehrsminister Winfried Hermann sein Okay dafür gegeben hat. Ziel ist, wie Mitte Dezember an dieser Stelle berichtet, eine durchgängige Verbindung bis zum Wanderparkplatz im Kiesertal und anschließend durch den Wald zu schaffen. Die Naturschutzbehörde hat schon vergangenes Jahr ihr Einverständnis erteilt, direkt an der Landesstraße einen Fels teilweise zu entfernen, um den nötigen Platz für den Weg zu schaffen.

Baubeginn sei voraussichtlich 2019/2020, so die Auskunft des RP. Möglicherweise werde dann auch der heute rund zwei Meter breite Weg zwischen Anhausen und „Anhauser Tor“ verbreitert.