Sontheim Weitere Einschränkungen für Röhm-Mitarbeiter trotz Gewinn?

Volle Fahrt voraus? Bei Röhm scheint es nach Jahren der Entbehrungen wieder bergauf zu gehen.
Volle Fahrt voraus? Bei Röhm scheint es nach Jahren der Entbehrungen wieder bergauf zu gehen. © Foto: Markus Brandhuber/Archiv
Sontheim / Laura Strahl 20.06.2018
Obwohl der Sontheimer Spanntechnikhersteller wieder Gewinne schreibt, ist die Stimmung angespannt. Gewerkschaft und Geschäftsleitung sind uneins über weitere Zugeständnisse der Belegschaft.

Drohende Zahlungsunfähigkeit, Restrukturierung, im September 2017 dann der Verkauf an die österreichische Dr.-Helmut-Rothenberger-Holding. Hinter dem Sontheimer Spann- und Greiftechnikspezialisten Röhm liegen schwierige Jahre. Jetzt meldet sich Geschäftsführer Gerhard Glanz mit positiven Nachrichten zu Wort: „Der Turnaround ist geschafft. Wir haben seit Dezember letzten Jahres jeden Monat Gewinn gemacht. Einen kleinen zwar nur, aber immerhin“, wird der 58-Jährige in einer Pressemitteilung des Unternehmens zitiert.

Neben dem „herausragenden Team“ habe die derzeitige Wirtschaftslage dem Unternehmen sehr dabei geholfen, nun nach mehr als zehn Jahren endlich wieder Gewinne schreiben zu können. Die Auftragsbücher seien voll, heißt es weiter – so voll, dass man derzeit auf der Suche nach Facharbeitern sei. „Der Mitbewerb möge sich schon mal warm anziehen. Röhm kommt zurück und zwar in unschlagbarer Stärke!“, lautet die Kampfansage von Geschäftsführer Glanz.

Hohe Investitionen

Damit das gelingt, wolle man den internationalen Mitbewerbern mit neuen, „perfekt auf den Markt abgestimmten“ Produkten, aber auch mit dem bereits öfter totgesagten Bohrfutter „made in Germany“ den Kampf ansagen. Letzterem Röhm-Traditionsprodukt, so heißt es in der Mitteilung, soll neues Leben eingehaucht werden. Und zwar mit einer Summe im mittleren zweistelligen Millionenbereich, die nach bereits investierten 6,5 Millionen Euro in den kommenden Jahren eingebracht werden soll.

Das Thema Lohnkosten

Was aber, wenn sich die Wirtschaftslage wieder verschlechtert? Für den Fall eines Konjunkturabschwungs, heißt es von Röhm, verhandle man derzeit mit Betriebsrat und Gewerkschaft über „automatische Mechanismen“, die für sofortige Entlastung bei den Lohnkosten sorgen können. Im Gegenzug stelle man sich „Bilanzprämien in ansprechender Höhe“ und eine Standort- und Beschäftigungsgarantie für die Mitarbeiter vor.

Aus Sicht von Ralf Willeck, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, steht die geforderte Abweichung vom derzeit gültigen Sanierungstarifvertrag – und damit ein weiterer Lohnverzicht bei mehr Arbeitsstunden – nicht zur Debatte. Außerdem sei man von einer zielführenden Diskussion momentan weit entfernt, sagt Willeck, die Stimmung im Unternehmen beschreibt er als sehr angespannt.

„Die Leute bluten jetzt schon“

Denn: „Die Leute bluten schon jetzt jeden Monat.“ Durch den Sanierungstarifvertrag, so erklärt der Gewerkschafter, verzichten die Mitarbeiter noch immer auf Lohn in Höhe von zwei Millionen Euro pro Jahr. „Diese zwei Millionen müssen reichen!“, lautet Willecks Kampfansage. Die Forderungen der neuen Geschäftsführung fasst er als „nicht einmal ansatzweise erfüllbar“ zusammen. Auch deshalb, weil es der Firma nun ja wohl tatsächlich besser gehe – in dieser Situation trotzdem noch eins draufsatteln zu wollen, sich den Kaufpreis quasi von der Belegschaft bezahlen lassen zu wollen, stehe dazu doch in krassem Widerspruch.

Klar ist für Willeck aber auch: „Wenn ein Abschwung kommt, sind wir immer bereit mit der Geschäftsführung zu verhandeln.“ Eine Voraussetzung dafür gibt es allerdings: „Auf der Basis, wie wir sie jetzt haben, können wir nicht miteinander reden. Wir lassen uns nicht erpressen.“

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