Gerstetten Gerstetter Bahnhotel ist erneut ohne Pächter

Schon wieder ohne Pächter: das Restaurant im Bahnhotel in der Gerstetter Karlstraße.
Schon wieder ohne Pächter: das Restaurant im Bahnhotel in der Gerstetter Karlstraße. © Foto: Sabrina Balzer
Gerstetten / Christine Weinschenk 15.06.2018
Diana Schneiderhan wirft das Handtuch. Sie ist die fünfte Gastronomin, die seit der Eröffnung des Bahnhotel-Restaurants aufgibt.

Es war kein leichtes Erbe, das Diana Schneiderhan im September 2016 angetreten hatte. Vor ihr waren bereits vier Gastronomen seit der umfangreichen Renovierung und Eröffnung des Bahnhotels im Jahr 2001 beim Versuch gescheitert, das Restaurant mit Gästen zu füllen. Keiner konnte sich länger als drei Jahre halten.

Nun hat auch Diana Schneiderhan, vormals Wirtin des Oggenhausener Königs, das Handtuch geworfen. Mit gutbürgerlicher Küche wollte sie punkten, doch seit Ende Mai ist die Küche erneut kalt. Laut Bauverwaltungsamtsleiter Fabian Oßwald wurde mit der Pächterin ein einvernehmlicher Aufhebungsvertrag geschlossen. „Für uns ist das natürlich traurig, denn wir stehen hinter dem Objekt und sehen darin nach wie vor erhebliches Potenzial“, sagt Oßwald.

Pacht zu hoch?

Doch woran lag es? Offenbar nicht an einer zu hohen Pacht. „Die Gemeinde ist nicht in erster Linie darauf aus, hohe Pachteinnahmen einzustreichen“, versichert Oßwald. „Wir möchten das Gebäude mit Leben füllen.“ Vor der Übernahme durch Diana Schneiderhan habe die Gemeinde sogar noch Geld in die Hand genommen und die Küche mit neuen Geräten ausgestattet, außerdem wurde der Biergarten aufgehübscht. Auch Schneiderhan betont, dass ihr die Gemeinde immer sehr entgegengekommen sei. „Aber wir können natürlich niemanden zwingen, im Bahnhotel essen zu gehen“, sagt Oßwald. „Manche haben die Küche gelobt, andere haben sie kritisiert, aber man kann es nicht jedem recht machen.“ Für Gerstetten sei es sehr schade, da man sich in der Hauptgemeinde schwer tue, wenn man ein Lokal mit gutbürgerlicher Küche besuchen möchte. Da müsse man schon auf die Teilorte ausweichen.

Offenbar tun das aber viele Gerstetter. „Viele aus dem Ort sagen selbst, dass sie lieber außerhalb essen gehen. Und von Auswärtigen allein kann so ein großes Haus auf Dauer nicht leben“, sagt Diana Schneiderhan. „Es ist schade, aber es läuft einfach nicht in Gerstetten.“ Nachvollziehen könne sie es nicht.

Restaurant zu nobel?

Vielleicht sei das Restaurant zu nobel oder durch die häufigen Pächterwechsel schon in Verruf geraten, meint Schneiderhan. „Ob man das Lokal nicht braucht oder nicht will, kann ich nicht sagen, aber wenn es für den Wirt nicht zum Leben reicht, muss man aufhören.“ Sie glaube allerdings nicht, dass die Schuld für die vielen Wechsel bei den Pächtern liege. „Vielleicht hat es auch etwas mit dem allgemeinen Gaststätten-Sterben zu tun. Es gibt ein paar, die brummen und viele andere müssen aufhören.“

Wie es nun mit dem Restaurant im Bahnhotel weitergeht, ist noch unklar. „Die Verwaltung kann das nicht entscheiden, das wird in den Gremien beraten“, so Oßwald. Aber natürlich sei man für jede „ernstgemeinte Bewerbung“ offen. Geplante kulturelle Veranstaltungen sollen nach Möglichkeit weiter im Stucksaal stattfinden.

Die bisherigen Pächter

Seit der Renovierung und Eröffnung des Bahnhotels im Jahr 2001 gaben bereits fünf Pächter aus wirtschaftlichen Gründen auf. Vor Diana Schneiderhan wollte das Pächter-Paar Cinzia Grassini und Giancarlo Bandini mit italienischer Küche den Geschmack der Gerstetter treffen. Nach drei Jahren gaben sie auf.

Die Gerstetterin Bärbel Frei hatte zuvor drei Jahre lang ihr Glück versucht – vergeblich. Ihr vorausgegangen war die erfahrene Gastronomenfamilie Henner vom Steinheimer Ringhotel Kreuz. Als erstes auf der Liste der gescheiterten Pächter steht ein Gastronom aus Ulm, der 2004 aufgeben musste.

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