Gerstetten Draufgeblickt (19): Wie sich der Marktplatz zum Zentrum mauserte

Gerstetten / Christine Weinschenk 21.08.2018
Der Gerstetter Marktplatz mauserte sich vom Sanierungsgebiet zum Ortszentrum. 2001 wurde er eingeweiht und prägt seitdem das Ortsbild.

2001 wurde das neue Gesicht Gerstettens, der Marktplatz am alten Rathaus, feierlich eingeweiht. Bis dahin war es ein langer Weg. Ende der 1960er Jahren bezog die Gemeinde das neue Rathaus. Damit war der historische Ortskern praktisch ausgeblutet und der schleichende Niedergang des Seibold-Areals eingeleitet. Einzelhandel und Bevölkerung zogen sich aus dem Quartier zurück, die Wilhelmstraße gewann an Attraktivität und übernahm die Funktion des Ortszentrums. Als klassisches Sanierungsgebiet bezeichnete Bürgermeister Roland Polaschek das Areal im damaligen Zustand.

Planung begann 1995

Anfang der 90er Jahre erkannte die Gemeinde, dass dieser Entwicklung entgegengesteuert werden musste. Sukzessive wurden alle Grundstücke im Bereich des neuen Markplatzes und der umliegenden Bebauung gekauft. Und als die Gemeinde im Besitz einer Fläche von fast 6000 Quadratmetern war, konnte man beginnen, die Ortsmitte zu planen. Das war 1995.

Auch die Einwohner waren durch Bürgerversammlung und -umfrage an der Entscheidungsfindung beteiligt. Dennoch: Etwas Skepsis herrschte in Gerstetten sicherlich, als Ende der 1990er-Jahre dann die Bagger anrückten und rund um das alte Rathaus mehrere Wohn- und Geschäftsgebäude abrissen.

Zwei Jahre Bauzeit

Zwei Jahre lang wurde gebaut. Für den Gerstetter Architekten Dr. Heinz-Jörg Hüper galt es, das alte Rathaus aus seiner Randlage zu befreien. Nach seinen Plänen entstand nun der neue Marktplatz, der von vier halbrund angeordneten Wohn- und Geschäftshäusern gesäumt wird, die sich quasi um das historische Rathaus versammeln. In die Neugestaltung des Marktplatzes eingeschlossen war auch die Sanierung des alten Rathauses, das bereits die Musikschule beheimatete. Außerdem hatte sich die Idee zum Neubau eines Kreisverkehrs anstelle der unfallträchtigen Kreuzung am alten Rathaus durchgesetzt.

In seiner Rede zur Einweihung sprach Polaschek von einem Meisterstück, das geschaffen worden sei. Und Architekt Hüper berichtete, er habe bereits ein für Schwaben typische Kompliment erhalten: „So schlecht ist es auch wieder nicht geworden.“ Und war anfangs noch spöttisch von einer „Geisterstadt“ die Rede, die da entstehe, hat sich der neue Marktplatz längst mit Leben gefüllt und ist immer wieder Schauplatz für Festivitäten.

Der Kreisel und die Schwertransporte

Ganz ohne Nacharbeiten blieb Gerstettens neue Mitte allerdings nicht: Der parallel gebaute Kreisverkehr musste schon mehrfach aufgrund von Schwertransporten bearbeitet werden – er wurde tiefergelegt, abgerissen und halbiert. Die Transporte ziehen daher immer wieder den Zorn von Gemeinderäten und Bevölkerung auf sich, auch weil eigentlich Kunst den Kreisel zieren sollte. Gerstetten liegt auf einer vom Land festgelegten Schwerlaststrecke. Transportunternehmen müssen sich an solche Routen halten.

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