Gerstetten Wo kommen die Trina-Orchestra-Musiker unter?

Ein Trina-Konzert steht am Freitag an – für Familie Matzkovits immer ein Grund, die Türen für Besucher zu öffnen. Foto: Markus Brandhuber
Ein Trina-Konzert steht am Freitag an – für Familie Matzkovits immer ein Grund, die Türen für Besucher zu öffnen. Foto: Markus Brandhuber
Gerstetten / Christine Weinschenk 24.07.2018
80 Gäste aus den Partnergemeinden müssen rund um den Auftritt des Trina-Orchestra beherbergt werden. Auch Familie Matzkovits öffnet ihre Türen.

Musiker, Lehrkräfte, Ehrengäste – ein Tross von rund 80 Menschen muss untergebracht werden, wenn das Trina-Orchestra auftritt. Dafür braucht es in diesem Jahr mehr als 35 Familien, die die Gäste aus den Partnergemeinden Cébazat (Frankreich) und Pilisvörösvár (Ungarn) bei sich aufnehmen. Auch Familie Matzkovits aus Gerstetten macht mit. Seit der Gründung von Trina im Jahr 2011 sind sie involviert – zunächst nahm Sohn Paul teil, dann rückte Max nach.

Die Familien nehmen ganz Fremde auf

Fremde im Haus? Manch einer hätte da Hemmungen. Nicht so Familie Matzkovits. „Es wäre natürlich immer einfacher zu sagen, wir machen nicht mit, weil wir keine Zeit haben“, sagt Berthold Matzkovits. „Aber das ist ein Geben und Nehmen. Wir wollen ja auch, dass unsere Kinder gut untergebracht sind, wenn Trina in Ungarn oder Frankreich gastiert.“ Jedes Jahr probt und konzertiert das Orchester. Vier Mal bereits in Gerstetten, in den übrigen Jahren ging es in die Partnergemeinden.

Das Wichtigste: Wlan

Doch Familie Matzkovits hat gern ein volles Haus und man beherbergt eigentlich in jedem Jahr zwei Gäste aus Ungarn oder Frankreich – wenn es nicht um das musikalische Begegnungsprojekt Trina geht, sind es Mitglieder von Musikvereinen. „Das hat uns nie Überwindung gekostet, wir haben das immer als eine Bereicherung für uns empfunden“, so Claudia Matzkovits. Und die Gäste seien ohnehin immer recht unkompliziert. „Bisher hat auch noch keiner der Jungs über die Stränge geschlagen und irgendwas bei uns verwüstet. Das Wichtigste ist schnelles Internet. Auf einen Fernseher kann man heute verzichten, auf Wlan nicht.“

Zwischen 14 und 30 Jahre sind die Trina-Teilnehmer. Sie proben vier Tage lang, dann steht ein Tag Sightseeing auf dem Plan, im Anschluss geht es für zwei bis drei Nächte in die Gastfamilien. „Die Jugendlichen machen viel gemeinsam, wir Eltern sind hauptsächlich für die Kulinarik da“, sagt Claudia Matzkovits. Und was kocht man für die Gäste? „Am ersten Abend gibt es immer Lasagne. Das ist international und schmeckt jedem.“

Das Essen ist manchmal eine Hürde

Dem kann Max nur zustimmen. „Von anderen Gastfamilien habe ich gehört, dass Spätzle ohne Bratensoße gegessen wurden. Das ist für Schwaben natürlich unverständlich, aber man muss die Leute ja auch nicht erschrecken und ihnen Tellersülze auf den Tisch stellen.“ Und wie hat es ihm in Frankreich und Ungarn geschmeckt? „Da bestätigen sich schon gewisse Klischees. In Frankreich haben wir teilweise komische Sachen zum Essen gekriegt.“ Aber, schickt er hinterher, geschmeckt habe es meist doch ganz gut. Ansonsten werde man selten mit Vorurteilen oder Klischees konfrontiert. „Unter den jungen Leuten ist das nicht so verbreitet. Wir sind einfach alle offen.“

„Man wächst zusammen“

Natürlich, so der 19-jährige Max, stehe bei Trina die Musik im Vordergrund. Er selbst spielt Trompete. Das Programm mit seiner symphonischen Blasmusik sei sehr anspruchsvoll. „Das ist schon etwas Besonderes. Wir haben 30 Klarinetten, 10 Schlagzeuger, Oboen sind dabei – ein normaler Musikverein hat so etwas nicht.“ Doch unter dem Strich geht es um mehr. „Man hockt viel aufeinander beim Proben und danach. Da wächst man zusammen, das ist das Schöne. Durch das Projekt lernt man andere Länder kennen und merkt, dass die anderen gar nicht viel anders sind als wir. Das ist wirklich Völkerverständigung und macht einen zum Europäer.“

Trina schafft Verbindungen

Und so sind aus dem gemeinsamen Proben und Musizieren auch Freundschaften entstanden. „Zwei Kumpel und ich haben letztes Jahr Trina-Leute in Frankreich besucht“, sagt Max Matzkovits. „Die Franzosen sprechen zwar kein Deutsch und ich kein Französisch, aber Englisch ist unser Konsens. Damit kommt man ganz gut klar.“

Trina-Konzert mit freiem Eintritt am Freitag

Am Freitag, 27. Juli, werden ab 20 Uhr in der Heldenfinger Kliffhalle fast 100 Musiker aus Gerstetten und den Partnergemeinden Cébazat (Frankreich) und Pilisvörösvár (Ungarn) als Trina-Orchestra ein Konzert mit sinfonischer Blasmusik geben. Der Eintritt zum Konzert ist frei. Infos und Videos zu den Trina-Aktivitäten gibt es auf www.trinaorchestra.eu. Hier wird auch das Heldenfinger Konzert per Livestream übertragen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel