Sontheim Georgskirche: Sanierung ist dem Zeitplan voraus

Sontheim / Klaus-Dieter Kirschner 24.01.2019
Am 12. Mai kommt Landesbischof Otfried July zum 300. Geburtstag der Sontheimer Georgskirche. Was ist bis dahin noch zu tun? Und was ist bereits geschafft?

Als kürzlich Ma'cappella in der evangelischen Georgskirche ein Konzert gab, waren sicher unter den 300 Konzertbesuchern etliche Neugierige, die sehen wollten, wie weit die Bauarbeiten zur Modernisierung des Gotteshauses gediehen sind. Die ersten neuen Lampen strahlten bereits und zeigten, dass die Kirche nach der Überarbeitung der Stuckdecken, der Ausmalungen und der Wände innen nun doppelt so hell ist wie vor Aufnahme der Bauarbeiten im vergangenen Juli.

Was Gemeindepfarrer Steffen Palmer am meisten freut: „Wir sind besser vorangekommen als der Bauzeitenplan dies vorgab.“ Will heißen: Die Zeit, da im Saal des Gemeindehaus nebenan Gottesdienst gefeiert wird, dürfte deutlich früher enden. Die Kirche kann wohl einige Sonntage vor dem avisierten 12. Mai wieder genutzt werden.

880000 Euro kostet das „Face-Lifting“ von Sontheims Wahrzeichen. Die Glocken im Turm sind seit Sommer verstummt, die Turmuhr um 12.05 Uhr stehen geblieben. Es war höchste Zeit: Vor allem die sogenannten Fünfkantschwellen, auf denen die Elemente des Dachstuhls auf dem Gemäuer auflagen, waren verfault oder von Käfern durchlöchert. Auch war der Dachstuhl aufgrund seines Gewichts in die Breite gegangen und wurde unter starkem Einsatz von Gurten wieder in schlankere Form gebracht. Dies ging nun doch einfacher vonstatten, als befürchtet.

Und weiter? Der Posaunenengel auf dem Schalldeckel der Kanzel ist „jetzt goldiger denn je“, freut sich Steffen Palmer. Die Vergoldung wurde erneuert. Auch die Kanzel an sich ist jetzt holzwurmfrei. Der Befall sei geringer gewesen als gedacht. Die Medaillons sowie die Darstellung Christi und der vier Evangelisten an der Kanzel kommen erst noch aus der Werkstatt.

Zehn Kilometer Elektrokabel wurden in der Georgskirche und im Turm verlegt. Jetzt beginnen die Feinarbeiten, also der Anschluss von Schaltern, Steckdosen, Schaltkästen und anderem mehr. Noch zu erledigen ist die Montage spezieller Strahler, die die Fenster beleuchten und Teil eines ausgeklügelten Beleuchtungskonzepts sind. Die farbigen Lichter werden per I-Pad gesteuert, sagt Palmer.

Große Diskussion um Altarstufe

Noch ist die Kirche ohne Altar und Altarkreuz. Die reichverzierten, schmiedeeisernen Gitter beiderseits des Altars kommen nicht mehr in die Kirche zurück, wandern ins Depot. Verschwunden ist auch die Altarstufe. Wegen des Wegfalls des Podests hatte es teils massive Diskussionen gegeben, bis der Kirchengemeinderat nach Abwägen auch liturgischer Argumente einmütig entschieden hat. „Das haben wir uns nicht leicht gemacht“, versichert Palmer.

Er erklärt, dass die sogenannte Männerempore im 18. Jahrhundert noch einen Zugang in der Kirche vom Kirchenschiff aus hatte. Diese Treppe wollte man aber aus Kostengründen nicht wieder herstellen. Es bleibt also bei dem markanten Außenzugang.

Bei so einem großen Bauvorhaben lernt man aber auch dazu. Vielfach herrscht die Vorstellung, dass durch den Ruß der Kerzen viele Kirchen innen dunkel würden. Das Gegenteil sei der Fall. Weniger der Ruß hinterlasse seinen Niederschlag, als der vorhandene Staub, der sich vor allem im Winter mit dem Atmen der Menschen verbindet und dann niederschlägt. Bei der Sanierung wurden daher die Stuckverzierungen vielfach nur mit Schwämmchen abgetupft. Dort, wo die Farbe bei Gemälden nachgelassen hat, wurde sie von Restauratoren erneuert. Der Stuck insgesamt war in einem ordentlichen Zustand, nur an einer Stelle musste eine Fläche erneuert werden.

Dankbar ist Pfarrer Palmer dem Männerteam, das die Kirchenbänke ausgebaut und überarbeitet hat. Auch sie waren schneller fertig. Beim Ausbau der Bänke zeigte sich, dass der Fußboden wellig geworden war und geglättet werden musste. Künftig hat die Kirche ein paar Bankreihen weniger, dafür werden von Fall zu Fall Stühle aufgestellt. Noch ist die markante Orgel luftdicht verpackt. Aber über ihr wurden vom Gerüst aus an einem Gemälde die Initialen des damaligen Landesherrn, der für den Kirchbau gestiftet hatte, erneuert: Graf Eberhard Ludwig.

Großes Wiedersehen

Der 300. Geburtstag der Georgskirche wird am Sonntag, 12. Mai, mit der Wiedereinweihung gefeiert. Bei dieser Gelegenheit gibt es auch ein Wiedersehen mit den früheren Sontheimer Pfarrern Ulrich Warth (82), Joachim Schmid (71) und Gerd Gorgas (78). Landesbischof Dr. Otfried July kommt als Festprediger, Dörte Packeiser spielt Orgelmusik.

Von den 880 000 Euro Baukosten muss die Kirchengemeinde eine halbe Million Euro übernehmen. 35 Prozent trägt die Landeskirche, der Kirchenbezirk übernimmt fünf Prozent der Baukosten. Noch nicht entschieden hat sich das Landesdenkmalamt, ob es seine Schatulle aufmacht oder nicht. Pfarrer Palmer sagt, man habe „90 000 Euro beantragt“.

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