Hermaringen Hitler-Attentäter bekommt endlich Denkmal am Geburtsort

Hermaringen / Brigitte Malisi 20.04.2018
Der Entwurf der Ulmer Studentin Nina Seliger hat die Mitglieder der Hermaringer Elser-Projektgruppe und des Gemeinderats überzeugt. Schon kommendes Jahr soll das Kunstwerk fertig sein.

Denkmäler und Gedenkstätten für Widerstandskämpfer Georg Elser gibt es inzwischen in vielen Städten – nicht aber in seinem Geburtsort Hermaringen.

Dort schwelt das Thema schon lange, jetzt soll die Idee endlich in die Tat umgesetzt werden: Am Dienstagabend wählte der Gemeinderat den Entwurf für ein Denkmal aus, das bis zum nächsten Jahr auf dem Rathausplatz realisiert werden soll. Bereits am Mittwochabend konnten sich Interessierte bei einer Ausstellungseröffnung im Rathaus über das geplante Werk informieren.

Damit findet eine lange Geschichte ihren Abschluss. Denn auch wenn der Wunsch, in Hermaringen eine Erinnerungskultur für Georg Elser zu schaffen, immer wieder aufgegriffen wurde, blieb es lange Zeit bei einer nach Elser benannten Straße und einem „Stolperstein“, der seit 2009 an der Karlstraße an das ehemalige Geburtshaushaus des Hitler-Attentäters erinnert. Erst die Gründung einer Elser-Projektgruppe brachte Bewegung die Angelegenheit.

Jetzt werden Spenden gesammelt

Ihr Vorschlag, die Güssenhalle in Georg-Elser-Halle umzubenennen, sorgte für reichlich Diskussion im Ort und war letztendlich nicht durchzusetzen. Das Augenmerk der Gruppe richtete sich daher fortan auf ein Denkmal für den Widerstandskämpfer. Dafür hatte es auch bereits den Vorschlag eines Künstlers gegeben, mit dem man sich im Gemeinderat aber nicht hatte anfreunden können, man wünschte sich mehr Gegenständliches und weniger Abstraktes.

Umso erstaunlicher, dass man sich nun für ein Denkmal entschieden hat, das ganz auf Symbolik setzt. Die Studentin Nina Seliger nennt ihr Werk „Ein Teil des Ganzen und doch anders“. Ein feststehender Betonblock symbolisiere die Gesellschaft, aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammengepresst durch das NS-Regime, erläuterte sie ihr Werk den Besuchern der Ausstellungseröffnung. Dem gegenüber stehe Elser, dargestellt als quadratischer Ausschnitt aus „dem Ganzen“, der exakt in die Lücke passt und doch anders ist - der also buchstäblich aus dem Rahmen fällt. Den Unterschied zur Masse unterstreicht Seliger auch durch die Wahl des Materials Holz, ein Naturprodukt mit individueller Maserung. Zugleich habe sie damit Elsers Beruf als Schreiner aufgreifen wollen.

Maximal 15.000 Euro

Seliger gehört zu einer Gruppe von Studenten der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung Ulm, zu deren Dozenten Dieter Strzempek und Alex Schlund Bürgermeister Jürgen Mailänder als Mitglied der Elser-Projektgruppe Kontakt gefunden hatte. Gedanke sei gewesen, junge Leute einzubeziehen. Zum einen aus praktischen Erwägungen. Ein Künstlerwettbewerb sei aufwändig, teuer und unterliege rechtlichen Zwängen. Außerdem sei der Rahmen mit 10.000, höchsten 15.000 Euro eng gesteckt. Man habe sich aber auch erhofft, dass die Studenten jüngere Menschen ansprechen. Die Werte Elsers wie Mut, Weitsicht, Geradlinigkeit und Zivilcourage seien auch heute aktuell, so Mailänder. Wichtiges Kriterium sei zudem gewesen, dass die Symbolik leicht zu erschließen sei. Man habe sich deshalb „frische und zwanglose Ideen“ erhofft.

Eine Hoffnung, die die sieben Studenten erfüllen konnten. Dabei sei die Annäherung an die Aufgabe anfangs gar nicht einfach gewesen, berichteten die Studenten, die aus dem Produktdesign kommen. Ein Kunstwerk und auch noch ein geschichtsträchtiges Denkmal, das habe anfangs nach „schwerer Kost“ geklungen. Mit der Person Georg Elser waren bei weitem nicht alle vertraut und so habe man sich zunächst einmal in die Details eingearbeitet. Dabei sei sehr viel mehr Zeit als in übliche Projektarbeiten eingeflossen, betont Strzempek.

Das ist auch den Ergebnissen anzumerken. Allesamt wären es wert gewesen sie umzusetzen, lobte Mailänder die Arbeiten von Nina Seliger, Yannica Meihack, Katharina Abrecht, Richard Haak, Ridvan Yalcin, Dennis Eberhardt und Vinzenz Eigler. Die Auswahl sei deshalb nicht leicht gefallen.

Es war Geschmackssache

Zunächst hatten die Mitglieder der Projektgruppe, in der auch jede Fraktion des Gemeinderates vertreten ist, die Entwürfe begutachtet und zwei Favoriten ausgesucht. Diese beiden Arbeiten wiederum präsentierten sie dem Gemeinderat. Kontroverse Diskussionen gab es dort nicht. Vielmehr war man sich einig, dass beide Entwürfe durchdacht sind und es letztendlich reine Geschmackssache sei. Vielmehr drehte sich die Diskussion um mögliche Ausführungen, Vandalismus oder Verletzungsgefahr – und um die Finanzierung. 2500 Euro stellt die Gemeinde zur Verfügung, der Rest muss durch Spenden getragen werden. Einstimmig entschieden die Räte zudem, dass die Studenten mit einem Preisgeld belohnt werden. 1500 Euro werden unter der Preisträgerin und ihren Kommilitonen aufgeteilt.

Mit acht Stimmen erzielte der Entwurf von Nina Seliger die Mehrheit. Ihre Arbeit war auch der Favorit der Mitglieder der Projektgruppe, die sich jetzt um die Umsetzung kümmern wird. Man möchte dabei gerne wieder junge Leute, vielleicht Auszubildende einbeziehen, erklärte Hans-Dieter Diebold. Ziel sei es das Denkmal 2019 einzuweihen, passend zum 80. Jahrestages des Attentats Elsers auf Adolf Hitler.

Die Ausstellung mit allen Entwürfen der Elser-Denkmale ist noch bis zum 2. Juni zu den Öffnungszeiten des Rathauses und des Komm-in-Centers zu besichtigen.