Nattheim Gemeinderat fordert Nachtabschaltung der Windräder

Wie laut sind die Windräder wirklich und dürfen sie nachts laufen? Das Landratsamt entscheidet am 1. August.
Wie laut sind die Windräder wirklich und dürfen sie nachts laufen? Das Landratsamt entscheidet am 1. August. © Foto: Markus Brandhuber
Nattheim / Manuela Wolf 23.07.2018
Aufatmen oder aufregen? Das Landratsamt hat das erneute Lärmgutachten für die Anlage als nicht stichhaltig zurückgewiesen.

Druck machen. Mehr kann Nattheim im Moment nicht tun in Sachen Windkraftanlage am Dischinger Ohrberg. Und so wurde im Rathaus kürzlich ein Schreiben ans Landratsamt aufgesetzt zur standardmäßigen, erneuten Messung der Lärmwerte nach Inbetriebnahme.

Darin fordert der Gemeinderat die Abschaltung der Anlage zwischen 22 und 6 Uhr, und zwar so lange, bis bewiesen ist, dass die gesetzlichen Vorgaben tatsächlich eingehalten werden. Natürlich wisse man, dass die Propeller eine spezielle Riffelung haben, ähnlich einem Uhu, der damit geräuschlos fliege. „Aber was bei der Planung am Computer im Rahmen ist, kann in der Praxis trotzdem Menschen stören“, so Bürgermeister Norbert Bereska.

Entscheidung am 1. August

Die Entscheidung trifft allerdings alleine das Landratsamt. Termin dafür ist der 1. August. Bis dahin hat der Gutachter noch Zeit, nachzubessern. „Sofern der Aufforderung nicht nachgekommen wird oder nachgekommen werden kann, wird eine neue Messung angeordnet“, teilte das Landratsamt nun mit. Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben: Sollten auch die neuen Messungen zwischen 40 und 44 Dezibel und damit deutlich unter dem vorgegebenen Höchstwert liegen, spricht nichts dagegen, grünes Licht auch für den nächtlichen Betrieb zu geben. Das Landratsamt kann nicht nur, nein, es muss in diesem Fall sogar zustimmen. Recht und Gesetz stehen über dem Interesse der Anwohner.

Bürger ärgern sich

Das ändert freilich nichts daran, dass auch zwei Jahre nach Baufertigstellung der Unmut groß ist bei einigen Bürgern. Bei der Bürgerfragestunde zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung kritisierte ein Anwohner, dass der Windpark mit seinen fünf Anlagen trotz fehlendem Lärmgutachten im Dauerbetrieb laufe. Vor dem Bau sei doch zugesichert worden, dass dies nicht geschehen werde, und nun hätten die Menschen das Nachsehen.

Bürgermeister Bereska zeigte Verständnis und hält die Nachforderung des Gemeinderats deshalb für richtig. Gleichzeitig hofft er aber auf belastbare Zahlen. Natürlich könne man auf einer stundenweisen Abschaltung bestehen. Aber was, wenn sich im Nachhinein rausstelle, dass die unrechtmäßig gewesen sei? Bereska: „Dann drehen sich die Windräder gegen uns, in die Richtung unserer Kasse.“

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