Finanzen Gemeinde erlässt Sozialstation für ein Jahr die Miete

2010 wurde die Sozialstation Nattheim in die Ökumenische Sozialstation Heidenheimer Land integriert. Weil die Einrichtung unter den Umsatzzielen bleibt, hat ihr die Gemeinde die Miete für das Gebäude in der Molkereistraße für ein Jahr erlassen.
2010 wurde die Sozialstation Nattheim in die Ökumenische Sozialstation Heidenheimer Land integriert. Weil die Einrichtung unter den Umsatzzielen bleibt, hat ihr die Gemeinde die Miete für das Gebäude in der Molkereistraße für ein Jahr erlassen. © Foto: Archiv/je
Nattheim / Christine Weinschenk 23.05.2013
Die Ökumenische Sozialstation Heidenheimer Land steht in Nattheim finanziell noch nicht auf sicheren Beinen. Der Nattheimer Gemeinderat hat jetzt entschieden, der Einrichtung etwas unter die Arme zu greifen: Man hat die Miete für das Gebäude an der Molkereistraße für ein Jahr erlassen.

Anfang 2010 hatte die Ökumenische Sozialstation Heidenheimer Land die Sozialstation Nattheim übernommen. Zuvor war die Gemeinde der Träger. „Wir wollten das lieber in die Hände von Profis geben“, sagt Nattheims Kämmerer Ralf Baamann. Die Organisation sei immer schwieriger geworden. Zudem habe man seit Jahren Verluste eingefahren. „Wir hatten einen jährlichen Abmangel von rund 100 000 Euro.“

Also machte man sich auf die Suche nach einem Folgeträger. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Ökumenische Sozialstation deutlich wirtschaftlicher arbeiten kann. Bis jetzt ist das aber noch nicht eingetreten“, sagt Baamann. Um der Sozialstation „etwas unter die Arme zu greifen“, entschied der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung, der kirchlichen Einrichtung eine Jahresmiete für das gemeindeeigene Gebäude an der Molkereistraße zu erlassen. Ein großer Batzen Geld ist das allerdings nicht: 9700 Euro heißt das in Zahlen. „Uns geht es weniger ums Finanzielle“, sagt Baamann. „Das ist ein Signal der Gemeinde. Wir stehen zu unserer Entscheidung und auch zur Sozialstation. Wir fühlen uns verpflichtet.“

Zuversicht, dass es ab 2014 keine Finanzlücke mehr gibt

Seiner Einschätzung nach war es ohnehin das letzte Mal, dass sich der Gemeinderat mit dem Abmangel der Sozialstation beschäftigen musste. „Wir machen uns keine Sorgen, das ist noch die Übergangsphase. Ab 2014 wird die Sozialstation wirtschaftlich arbeiten.“ Das zeigten auch die Zahlen: 2010 wurden 60 Patienten in Nattheim betreut, mittlerweile sei die Zahl auf 90 Patienten angewachsen. Die Arbeitsplätze der 20 Mitarbeiter seien also nicht gefährdet.

Wie hoch der Abmangel der Ökumenischen Sozialstation Heidenheimer Land genau ist, dazu will sich Geschäftsleiterin Bärbel Gekeler nicht äußern. Sie nennt aber Gründe für den Verlust: die Differenz in der Preis- und Lohnentwicklung. Als Einrichtung der Kirche bezahle man Tariflohn. Seit 2011 seien die Lohnkosten für die Mitarbeiter so um rund 6,5 Prozent gestiegen. Die Leistungen der Pflegekassen an Pflegedienste dagegen nur um 2,2 Prozent (für Patienten in der Pflegestufe 1). „Diese Finanzierungslücke ist der schwerwiegendste Grund für den Abmangel der Gesamtstation, damit haben viele Sozialstationen zu kämpfen.“

Fokus stärker auf Demenz-Bereich

Die gestiegene Zahl der zu betreuenden Patienten deute aber darauf hin, dass man auf einem guten Weg sei und dass die Arbeit gut gemacht werde, so Gekeler. Man habe bereits Konsolidierungsmaßnahmen ergriffen. So sei der in Nattheim weniger nachgefragte hauswirtschaftliche Bereich reduziert und nach Heidenheim verlegt worden. Bei den hauswirtschaftlichen Diensten scheint die Diskrepanz von zu zahlendem Tariflohn und abrechenbarem Entgelt am größten zu sein. „Damit versuchen wir auch, das Team so gut wie möglich auszulasten“, sagt Gekeler. In Nattheim will man in Zukunft den Fokus noch mehr auf den Demenz-Bereich legen. „Das wird funktionieren, wir sind auf einem guten Weg.“