Herbrechtingen Die neue Ausbildung verhindert die Abschiebung

Ulrich Herkommer (links) und Peter Dell'Aquila (rechts) sind stolz auf ihre drei Altenpfleger-Azubis Lamin Jaiteh, Samsidim Jadama und Aboudel-Wafik Tchedre (von links).
Ulrich Herkommer (links) und Peter Dell'Aquila (rechts) sind stolz auf ihre drei Altenpfleger-Azubis Lamin Jaiteh, Samsidim Jadama und Aboudel-Wafik Tchedre (von links). © Foto: Markus Brandhuber
Herbrechtingen / Elena Kretschmer 31.07.2018
Die drei Afrikaner Aboudel-Wafik Tchedre, Lamin Jaiteh und Samsidim Jadama haben die Altenpflegehelfer-Ausbildung mit Belobigung bestanden. Jetzt folgt die Vollausbildung, dank der sie nun in Deutschland bleiben dürfen.

Schelmisch grinsend fragt Aboudel-Wafik Tchedre seinen Chef und Pflegedienstleiter Peter Dell'Aquila: „Wie lange sind Sie noch hier?“ Ganz unverblümt gibt der 29-jährige Togolese zu, dass er auf dessen Stelle spekuliert. Grinsend entgegnet Dell'Aquila: „Ich weiß es noch nicht. Aber er geht bald.“ Dabei deutet er auf Ulrich Herkommer, den Geschäftsführer der DRK-Pflegedienste in Heidenheim. „Jetzt beendet ihr erstmal die Ausbildung und dann sehen wir weiter“, antwortet der gelassen und findet es beeindruckend, wie zielstrebig Tchedre und auch seine zwei Kollegen Lamin Jaiteh und Samsidim Jadama aus Gambia sind. „Die haben Träume und Ziele, das ist super.“

Dass die drei noch in Deutschland sind, ist nicht selbstverständlich. Im Mai vergangenen Jahres hatte Jaiteh die Aufforderung erhalten, binnen 30 Tagen das Land zu verlassen, da sein Antrag auf Asyl abgelehnt wurde. So war es auch bei den anderen. „Wir haben dann gleich einen Anwalt eingeschaltet und Einspruch eingelegt.“ Die Verfahren laufen seither. Aber, so Herkommer, „normalerweise müssten sie jetzt geschützt sein, weil sie ihre Vollausbildung begonnen haben.“ So, wie es Paragraph 60a des Aufenthaltsgesetzes verlangt. Denn laut dem kann ein Flüchtling nicht abgeschoben werden, während er eine qualifizierte Ausbildung in einem staatlich anerkannten Beruf durchläuft.

Spezieller Kurs für Migranten

Im vergangenen Jahr war das Problem, dass sie sich noch in der Altenpflegehelfer-Ausbildung befanden, die nicht als Vollausbildung zählt. „Aber die haben jetzt alle drei mit Belobigung bestanden. Das heißt, sie dürfen gleich ins zweite Lehrjahr einsteigen, weil sie alle einen besseren Schnitt als 2,5 hatten. Alle 2,3“, sagt Herkommer stolz. Dies ist ihnen nicht zuletzt dadurch gelungen, dass das DRK mit der Maria-von-Linden-Schule in Heidenheim kooperiert. Eigens für Migranten wurde ein Kurs entwickelt, in dem neben Theorie und Praxis für den Beruf auch Deutsch unterrichtet wird. „Der dauert eben statt einem Jahr zwei Jahre. Aber das bringt wirklich viel. Als sie gekommen sind, konnten sie nicht viel deutsch. Jetzt können sie sich einwandfrei verständigen“, erklärt der DRK-Geschäftsführer.

„Die Arbeit macht mir viel Spaß“, so der 30-jährige Jaiteh, der im Karl-Kaipf-Heim in Herbrechtingen arbeitet, „ich habe tolle Kollegen. Alle sind so freundlich.“ Bei den Patienten gebe es zwar freundliche und weniger freundliche, trotzdem habe er sie alle sehr gern. Dem stimmt auch Tchedre zu, der seine Ausbildung im Haus der Pflege in Heidenheim absolviert: „Alles an dem Beruf ist toll. Ich habe in Afrika schon viel mit alten Menschen gemacht.“ Als ihm dann angeboten wurde, seinen Traumjob auch hier zu machen, sagte er sofort zu, absolvierte den Bundesfreiwilligendienst und begann die Ausbildung. Auch der Dritte im Bunde liebt seinen Job. „Es macht Spaß mit den Bewohnern, den Kollegen. Alles“, so der 23-jährige Jadama, der wie Jaiteh im Karl-Kaipf-Heim angestellt ist.

Toller Umgang mit Patienten

Auch Dell'Aquila hat nur lobende Worte für seine Schützlinge übrig: „Die Drei haben eine Wertschätzung für Alte, die ich selten gesehen habe. Ihre Lockerheit und Lässigkeit, mit der sie mit den Patienten umgehen, tut gut.“ Mit deutschen Azubis könne man das nicht vergleichen. Tchedre räumt ein: „Am Anfang hab' ich Angst gehabt, dass die Leute mich nicht mögen.“ Dell'Aquila ergänzt: „Aber wir hatten nie Probleme. Gerade bei Dementen ist es wichtig, wie man auf sie zugeht. Und das machen sie wirklich super.“

In ihrer afrikanischen Heimat, so erzählen sie, ehrt man Alte und Kranke. Man sei der älteren Generation zu Dank verpflichtet. „Sie werden zu Hause gepflegt. Es gibt Krankenhäuser, aber keine Pflegeheime“, erklärt Tchedre. Darum gehen sie in ihrer Arbeit auf, was man ihnen auch ansieht. Alle drei strahlen, wenn sie davon erzählen. Und sie alle sind gekommen, um zu bleiben. Sie fühlen sich wohl – in Deutschland und ihrer Arbeit. „Wenn ich bleiben darf, dann möchte ich weiter im Karl-Kaipf-Heim arbeiten“, sagt Jaiteh. Bei dieser Aussage nickt und grinst auch Jadama.

Gleichbehandlung in allen Belangen

Ulrich Herkommer betont immer wieder, dass die drei Schwarzafrikaner in Sachen Ausbildung nichts geschenkt bekommen haben: „Sie mussten die gleiche Prüfung wie alle anderen schreiben. Da wurde nichts vereinfacht, auch nicht wegen der Sprache oder sonstwie.“

Und auch jetzt werden sie behandelt wie jeder Altenpfleger-Azubi: 100 Stunden ambulanter Dienst – den haben sie alle schon hinter sich gebracht – 200 Stunden im Klinikum und 300 Stunden auf der Psychiatrie. Ist die Prüfung bestanden, sind Weiter- und Fortbildungen möglich. „Wir freuen uns auf alles, was kommt“, sagt Tchedre stolz.

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