Kreis Heidenheim Nicht nur das Klinikum Heidenheim hat viele Probleme

Gute Miene zum bösen Spiel: Die Landräte Reinhardt und Schrell haben ihrem Ärger über die Situation der Kreiskrankenhäuser Luft gemacht.
Gute Miene zum bösen Spiel: Die Landräte Reinhardt und Schrell haben ihrem Ärger über die Situation der Kreiskrankenhäuser Luft gemacht. © Foto: Archiv
Kreis Heidenheim / Klaus-Dieter Kirschner 27.05.2018
Beim Kommunalstammtisch äußern die Landräte Leo Schrell (Dillingen) und Thomas Reinhardt deutlich ihren Unmut über die Vorgaben der großen Politik zur medizinische Versorgung.

Nach der Landkreisordnung haben die Kreise Krankenhäuser zur Nahversorgung zu betreiben. Doch das fällt zunehmend schwer. Immer neue Vorschriften würden erlassen und seien umzusetzen, nur bei der Finanzierung lasse der Bund die Landkreise hängen. In der Beurteilung waren sich alle einig beim Bayerisch-Württembergischen Kommunalstammtisch, der diesmal in Lauingen tagte.

Deutliche Kritik wurde an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geübt, der die Zahl der Krankenhäuser senken wolle. Dillingens Landrat Leo Schrell sagte, dass im Kreis Dillingen ein Krankenhausbett auf 300 Einwohner komme. Im Bund sei es ein Bett je 170 Bürger. Die Länder hätten die Krankenhausplanungen zu machen, heiße es in Berlin. Die Länder würden dies aber nicht tun, schließlich seien Themen wie Bettenabbau und Schließung vor allem in der Fläche höchst brisant. Die Erlöse würden abgeschröpft. So komme es zu einer Kannibalisierung bei den Krankenhäusern – und die kleineren machten noch mehr Defizit.

Auch Dillingen hat Probleme

Schrell: „Vielmehr sollten doch die Landkreise für die Grundversorgung entsprechend mehr Gelder bekommen.“ Dafür würde aber so wenig bezahlt wie für die Notaufnahme. Ein Sorgenkind bleibe die Geburtshilfe: „Bayern hatte noch nie so viele Hebammen wie heute, aber noch nie so wenige wie heute in der Geburtshilfe der Kliniken.” Gerade auf dem Lande brauche man aber die Geburtshilfe, die Notaufnahmen und die Notarztversorgung. Kurze Wege seien nun einmal wichtig für lebensrettende Hilfe.

„In allen Punkten bin ich derselben Meinung“, unterstrich Heidenheims Landrat Thomas Reinhardt: „Die Krankenhaus-Finanzierung ist weder fair, noch angemessen. Die Kliniken werden vielmehr ausgeblutet.“ 650 Betten umfasst das Klinikum Heidenheim als ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung. Reinhardt sprach über seine Enttäuschung nach dem Blick in den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung. Die notwendigen Kosten müssten erstattet werden.

Inzwischen seien in Heidenheim alle Rücklagen aufgebraucht. Durch einen Solidaritätszuschlag werde über die deswegen angehobene Kreisumlage ein Teil des Fehlbetrags im Klinikbetrieb aufgefangen. Es müsse mit der Hilfe von Bund und Land das Ziel sein, die Kliniken wieder mit einer schwarzen Null betreiben zu können. „Die Zitrone ist wirklich ausgelutscht“, meinte Reinhardt und forderte den Schulterschluss von Bayern und Baden-Württemberg. Denn durch die Verwendung von mehr Geld aus dem Kreishaushalt für den Klinikbetrieb fehle dieses, um an anderen Stellen (Schulen, Straßen usw.) investieren zu können.

Gute Miene zum bösen Spiel: Die Landräte Reinhardt und Schrell haben ihrem Ärger über die Situation der Kreiskrankenhäuser Luft gemacht.
Gute Miene zum bösen Spiel: Die Landräte Reinhardt und Schrell haben ihrem Ärger über die Situation der Kreiskrankenhäuser Luft gemacht. © Foto: Archiv

Ein richtiges Ärgernis produzierte jüngst der Gemeinsame Bundesausschuss, der im Gesundheitswesen neue Kriterien für die Notfallversorgung aufstellte. Es gibt künftig drei Stufen. Die Prüfung der Vorgaben habe ergebe, dass sowohl die Kliniken in Wertingen als auch in Dillingen nicht einmal in die kleinste Kategorie kämen, entsetzte sich Leo Schrell. Empfindlich müsste investiert werden, um überhaupt die von oben formulierten Vorgaben erfüllen zu können. Froh sei man, dass der neue Ministerpräsident Söder erklärt habe, dem niemals zuzustimmen.

Notarzteinsätze über Grenzen

In der allgemeinen Aussprache wurden die Erwartungen der Bürger an eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung formuliert und zugleich betont, dass die Menschen sich kaum für die Finanzierung des Klinikbetriebs interessieren. Ziemlich ratlos klang Bächingens Bürgermeister Roland Grandel, als er forderte, doch in diesen Fragen mehr die Bürger zu sensibilisieren.

Thomas Reinhardt sprach noch ein anderes Thema an: Es geht um die Einsätze der Notärzte und Rettungswagen-Besatzungen jenseits der Kreis- und Landesgrenze an. 550 Rettungswagenfahrten waren es 2017 aus dem Kreis Heidenheim in den Kreis Dillingen; rund 230 Fahrten waren es umgekehrt. Ähnlich hoch sind die Einsatzzahlen für die Notärzte. Sie ergäben sich aber auch aus den Entfernungen von den Dörfern nahe der Landesgrenze zu den Kliniken im Kreis Dillingen, gab Leo Schrell zu bedenken.

Notaufnahme: Klinik zahlt enorm drauf

Ein Minusgeschäft ganz besonderer Art ist die Notaufnahme im Klinikum. „Jedes Krankenhaus muss eine zentrale Notfallversorgung haben“, unterstrich Thomas Reinhardt. In Heidenheim kämen hier allein 20 000 Menschen im Jahr, die wenigsten davon müssten anschließend stationär aufgenommen werden. Jeder Patient koste 130 Euro, doch nur 30 Euro übernähmen davon die Krankenkassen. Heidenheim wäre in Stufe zwei wegen des nutzbaren Landeplatzes für den Rettungshubschrauber. Düstere Vorahnungen deutete Reinhardt bei der Frage an: „Wer weiß, was wir für die Nachrüstung noch bezahlen müssen?“