Herbrechtingen / Günter Trittner  Uhr
Auf 60 000 Euro beziffert die Stadtverwaltung die Kosten für die Sanierung der Gefallenen-Denkmale in Herbrechtingen und Bissingen. Stadträte verweisen auf weitere Schäden bei den Grabanlagen. In Bolheim stört der Schotter an der Mauer.

Auf dem Alten Friedhof in Herbrechtingen und auf dem Friedhof in Bissingen erinnern Denkmale an die Gefallenen der Weltkriege. Beide Stätten der Erinnerung sind in die Jahre gekommen.

War die Stadtverwaltung ursprünglich davon ausgegangen, dass es genügen würde, die Inschriften wieder zu schärfen und die Farbe der Namen nachzuziehen, so hatten Vor-Ort-Termine mit einem Steinmetz ein anderes Bild ergeben. „Es gibt so große bauliche Mängel, dass eine große Sanierung nötig wird“ offenbarte am Donnerstagabend Dieter Frank, der Fachbereichsleiter Bau im Rathaus, den Mitgliedern des Ausschusses für Umwelt, Bauwesen und Verkehrsangelegenheiten.

Prüfendes Auge des Fachmanns

Die intensive fachmännische Betrachtung des Denkmals in Herbrechtingen hatte ergeben, dass die großen Figuren zu bröckeln beginnen und ihre Halterung lose wird, dass alle Flächen grundlegend gesäubert werden müssen, dass die Mauer, welche die Grabstätten einfasst, immer größere Fugen bekommt, dass das Gitter am Eingang schadhaft ist und dass die Grabsteine im Umfeld des Denkmals vorsichtig gereinigt und gegen Pilzbefall behandelt werden müssen. „Ihre Patina geht dabei aber nicht verloren“, versicherte Frank den Räten.

In Bissingen ist die Situation nicht grundlegend anders. Nur die Proportionen der Anlage sind kleiner. Auch hier muss am Mauerwerk und an den Schriften nachgearbeitet werden. „Es gibt Defizite beim Kreuz und den Gravuren.“ Wie man in Bissingen auch gesehen hat: Nicht jede bisherige Behelfsreparatur hat ihren Zweck erfüllt, manche sogar gegenteilig gewirkt.

Moralischer Appell

„Wir sind uns alle einig, wir sollten diese Denkmäler pflegen“, schickte Frank seiner Kostenschätzung einen moralischen Appell voraus. Doch es hätte den Hinweis, dass man diesen Stätten den notwendigen Respekt zollen sollte, gar nicht gebraucht. Die von Frank genannten 13 000 Euro für das Denkmal in Bissingen und 45 000 Euro für die Anlage in Herbrechtingen wurden von den Räten ohne Einwendungen akzeptiert. Auch diese waren durchgängig der Auffassung, dass man schon zu viel Zeit habe verstreichen lassen.

Und sie machten ihrerseits noch auf weitere Mängel aufmerksam. Die Bissinger Stadträtin Annette Rabausch (Freie Wähler) verwies auf eine zunehmende Verwilderung des Friedhofs am Ort, der Hausener Michael Wiedenmann (Freie Wähler) hatte im Friedhof in seinem Teilort „Stolperfallen“ ausgemacht, und ein ganz großes Fass öffnete der Bolheimer SPD-Stadtrat Thilo Eckermann mit seiner Bezeichnung „Schottergleis“ und der dringenden Aufforderung, das entlang der Friedhofsmauer angelegte Steinbeet doch zu entfernen und hier Pflanzen anzusetzen. „Das muss begrünt werden.“

Streitpunkt Steinbeete

Die Verwaltung widersprach nicht. Im Gegenteil, diese zeigte sich reuig, vor Jahren doch einige Pflanzbeete zuviel mit Steinen ausgelegt zu haben, um Unterhaltskosten zu sparen. „Wir müssen umdenken“, bekannte Dieter Frank offen und hatte dabei nicht nur das derzeit häufig angesprochene Arten- und Insektensterben im Sinn.

Denn auch betriebswirtschaftlich hätten diese toten Beete ihre Nachteile. „Sie sind viel schwieriger zu reinigen. Der Schotter war der falsche Weg.“

Nur zwei Mitarbeiter für Pflege der Beete

Frank machte aber auch klar, dass für die Pflege aller blühenden Anlagen in der Stadt gerade mal zwei Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Annette Rabausch verwies auf das Vorbild Heidenheim, wo sogar auf den Verkehrsinseln blühende Pflanzen ausgesät würden.

Zweites Angebot zum Vergleich

Um zu ermessen, wie das Angebot, für 60 000 Euro die Denkmale zu sanieren, wirtschaftlich zu bewerten ist, wird Frank noch einen zweiten Fachbetrieb um einen Kostenvoranschlag bitten. Grundsätzlich hat der Ausschuss die Ausführung der Arbeiten gebilligt.

Seitens der Verwaltung wurde zugesagt, in Bissingen den Friedhof vor Ort genauer anzuschauen und nötige Arbeiten auszuführen. In Hausen, so war zu hören, gebe es schon konkrete Pläne.

Über 100 000 Kriegerdenkmäler

Einschließlich der Gedenktafeln soll es in Deutschland über 100 000 Kriegerdenkmale geben. Aufgekommen sind diese Anfangs des 19. Jahrhunderts mit den napoleonischen Kriegen. Vermehrt aufgestellt wurden sie nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71. Damals waren sie nicht nur eine Erinnerung an die gefallenen Soldaten, sondern auch eine Ehrenerweisung an die „siegreichen Krieger“. Die meisten Denkmale erinnern an die gefallenen Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkriegs, wobei bei den letztgenannten Denkmalen mitunter bereits auch zivile Opfer eingeschlossen wurden.