März Frühchen-Erwachen im Tal

Nach dem großen Publikumsansturm vom Wochenende konnten sich die Märzenbecher im Eselsburger Tal gestern in aller Ruhe ein ausgiebiges Sonnenbad gönnen.
Nach dem großen Publikumsansturm vom Wochenende konnten sich die Märzenbecher im Eselsburger Tal gestern in aller Ruhe ein ausgiebiges Sonnenbad gönnen. © Foto: Jennifer Räpple
Herbrechtingen / MICHAEL BRENDEL 24.02.2014
Andernorts werden mit großem Aufwand Alleinstellungsmerkmale und Leuchtturmprojekte aus dem Boden gestampft, in Herbrechtingen stellt sich das Einzigartige Jahr für Jahr ganz von selbst ein: Im Eselsburger Tal blühen wieder die Märzenbecher.

Wer sich mit der kühnen Prophezeiung hervortut, bereits gut fünf Wochen nach Heilige Drei Könige läute eine nahezu unübersehbare Zahl an Märzenbechern zumindest optisch das Frühjahr ein, läuft normalerweise Gefahr, für verrückt erklärt zu werden. In diesem Jahr ist aber manches anders als sonst: Der kalendarische Winter hat seinen Namen nicht verdient, und noch ehe die Narren das Kommando übernommen haben, blühen im Eselsburger Tal tatsächlich Frühlingsträume en masse.

Seit etlichen Jahren schon hat die passionierte Joggerin Erika Arnold bei ihren Läufen durchs Tal detailliert im Blick, wie sich die Natur Schritt für Schritt aus dem Winterschlaf löst. Heuer tut sie das offenbar mit Siebenmeilenstiefeln: Wo die Sonne den Waldboden beschien, zeigten sich bereits am 13. Februar die ersten Exemplare der hierzulande auch als Märzenbecher bezeichneten Frühlings-Knotenblume.

Früher als sonst

Zum Vergleich: 2013 hatte Arnold erst am 5. März den ersten Fund im Märzenbecher-Tagebuch auf der Homepage der Herbrechtinger Stadtverwaltung vermerkt. Seinerzeit lag noch Schnee, diesmal müssen sich die Frühchen nicht erst mühsam an die frische Luft kämpfen. Und doch scheinen sie nicht gerade vor Lebensfreude zu sprühen. „Viele Blüten sind noch geschlossen, und ich habe außerdem den Eindruck, dass es insgesamt weniger sind als sonst“, beschreibt Arnold ihre Eindrücke vom vergangenen Wochenende.

Es verbietet sich, der Expertin zu widersprechen, denn wer wollte angesichts der schieren Menge den Gegenbeweis antreten? Botaniker schätzen, dass im Eselsburger Tal normalerweise eine Viertelmillion Märzenbecher zu finden sind – ein Zehntel des gesamten baden-württembergischen Bestandes. Ob nun an diesem Hang oder entlang jenes Weges im Vergleich zu den vergangenen Jahren ein paar Tausend Blümchen mehr oder weniger ihre Köpfe in den Himmel reckten, bleibt angesichts dessen allein der subjektiven Bewertung der regelmäßigen Betrachterin überlassen.

Kommt noch mehr?

Und die wird gespannt die weitere Entwicklung verfolgen: Zaubert der wärmende Sonnenschein in den nächsten Tagen und Wochen den gewohnt dichten Blütenteppich ins Tal? Wirkt sich der frühe Beginn auf die Dauer der Blütezeit aus? Und könnte eine Frostperiode dem beeindruckenden Schauspiel ein jähes Ende bereiten?

Um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, suchte am Wochenende schon mal eine gewaltige Schar von Naturliebhabern den Weg zu den Eselsburger Märzenbechern. Zeitweise erinnerte das schon an die Besucherströme während der Landesgartenschau in Heidenheim. Auch die Begeisterung war ähnlich groß, wenngleich sie nicht allen Frühblühern galt: Erle- und Haselnusspollen nämlich machen schon jetzt so manchem Allergiegeplagten zu schaffen.

Info Wer sich über die Blüte der Märzenbecher im Eselsburger Tal auf dem Laufenden halten lassen will, findet regelmäßig aktualisierte Informationen unter www.herbrechtingen.de/kultur-freizeit/eselsburger-tal/maerzenbecher.html