Kandidaten Freie Wähler holen Altlandrat Mader ins Team

Herbrechtingen / MICHAEL BRENDEL 07.02.2014
Seit der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führt an den Freien Wählern kein Weg vorbei. Zwölf Sitze bedeuten die absolute Mehrheit im Gemeinderat. Und die Fraktion bringt sich frühzeitig in Stellung, um ihre Position zu verteidigen: Am Donnerstag wurden die Kandidaten für die Wahl am 25. Mai nominiert.

Nachdem die Stimmen der Kommunalwahl 2009 ausgezählt worden waren, gab es grundlegende Veränderungen zu vermelden: Die Zahl der Gemeinderatssitze sank von 26 auf 22, und die Freien Wähler verfügten über die absolute Mehrheit, obwohl sie ein Mandat verloren hatten und nur noch auf deren zwölf kamen.

Die Erklärung: Die CDU brachte es nach vormals acht nur noch auf fünf Sitze, die zuvor durch Werner Bosch repräsentierte Deutsche Partei war nicht mehr im Stadtparlament vertreten. Und der geringe Zuwachs der SPD um eines auf fünf Mandate reichte auch nicht aus, um die neue Verteilung der Kräfte zu verhindern.

Freie Wähler: drei hören auf

Am 25. Mai werden die Karten neu gemischt, und die Freien Wähler haben am Donnerstag als erste Gruppierung ihre Kandidaten für die Kommunalwahl nominiert. Schon zuvor hatte festgestanden, dass nicht alle Fraktionsmitglieder ihren Hut erneut in den Ring werfen würden: Ulrich Häberle, Rolf Häußler und Wilhelm Wiedenmann verzichten auf eine erneute Kandidatur.

Zu den neuen Gesichtern, die mit einem Freie-Wähler-Ticket in den Gemeinderat einziehen wollen, gehört Peter Aufleger. Er hatte in den vergangenen fünf Jahren unter der Bezeichnung „Sonstige“ Sitz und Stimme (siehe Extra-Artikel). Ein prominenter Neuzugang ist zudem der frühere Landrat Hermann Mader. Einst Kämmerer im Herbrechtinger Rathaus und vor Jahren für die Freien Wähler im Kreistag, will der 59-Jährige seine Erfahrung jetzt im Gemeinderat einbringen.

Der Fraktionsvorsitzende Martin Müller (58) bemängelte, dass es den Freien Wählern in der Vergangenheit nicht immer gelungen sei, ihre Ideen durchzusetzen: „Wir sind eben nicht wie eine Partei organisiert, sondern eine zusammengewürfelte Vereinigung.“ Für die Zukunft sei eine größere Geschlossenheit wünschenswert.

Als Erfolg wertete Müller – seit 1994 Stadtrat – die Strategiesitzung, bei der der Rat fraktionsübergreifend mit großer Mehrheit einen umfangreichen Investitionsplan verabschiedet hatte. Das neue Gremium werde in die Lage versetzt, nun mit diesen Mitteln zu wirtschaften.

Am Beispiel des Rathausplatzumbaus räumte Müller ein, dass es zuletzt einige nicht-öffentliche Gemeinderatssitzung gegeben habe, „die nicht nötig waren. Das ist nicht glücklich gelaufen“. Die Freien Wähler wollten darauf hinwirken, vor wichtigen Entscheidungen die Bürger verstärkt einzubinden und Argumente öffentlich auszutauschen.

Auf der Liste der Freien Wähler stehen für Herbrechtingen Peter Koptisch, Petra Reiss, Verena Leibersberger, Matthias Sturm, Gerhard Bahle, Hermann Mader, Thomas Beißwenger, Andreas Hof, Klaus Volz, Michael Duda, Tobias Wiedemann und Michael Oszfolk. Hinzu kommen für Bolheim Heike Lessner, Martin Müller, Gerhard Zeiher und Peter Aufleger, für Bissingen Annette Rabausch, Leo Hahn und Heidi Fronk, für Hausen Michael Wiedenmann und Bernd Zimmermann, für Anhausen Jörg Wißmann, für Eselsburg Helmut Pfleiderer. In Bolheim, Anhausen und Eselsburg ist jeweils ein Listenplatz noch unbesetzt.

SPD: alle Stadträte kandidieren wieder

Die Zusammensetzung der SPD-Fraktion hat sich seit 2009 deutlich verändert. Von den damals Gewählten sind Walter Fuchslocher und Susanne Walter übrig geblieben. Statt der ausgeschiedenen Beate Kuhn und Sabine Straka gehören nun Erhard Reiter und Thilo Eckermann dem Gremium an. Peter Aufleger hatte die Fraktion im Sommer 2009 verlassen.

Die SPD kürt ihre Kandidaten zwar erst am 11. Februar, sicher ist aber schon jetzt, dass alle Mitglieder der von Walter Fuchslocher geführten Fraktion wieder antreten. Schwierigkeiten bereitet es laut dem 58-Jährigen, über die Kernstadt und Bolheim hinaus auch in den restlichen Teilorten Kandidaten zu finden: „Wir können das Kontingent, das uns zusteht, leider nicht ausschöpfen.“

Fuchslocher, selbst seit 1999 mit von der Partie, hofft darauf, bis zum Abgabeschluss für Wahlvorschläge am 27. März noch den einen oder die andere zu einer Kandidatur bewegen zu können: „Ich bin angetreten, um mitzuwirken, wenn in meiner Heimat etwas passiert. Das ist doch eine wunderbare Herausforderung“.

Idealerweise sollten Fuchslocher zufolge kommunalpolitische Aufgaben einer Persönlichkeitswahl entsprechend so angegangen werden, „dass die Parteien im Hintergrund bleiben“. Als positive Erfahrung der laufenden Amtsperiode wertet er deshalb, dass wieder Sachpolitik im Vordergrund stehe. Der Beginn sei geprägt gewesen von persönlichen Scharmützeln, „die manchmal unter die Gürtellinie gingen“.

In dem riesigen Investitionspaket, das auf den Weg gebracht worden sei, könne sich jeder Einzelne wiederfinden. Ihm persönlich lägen zwar vor allem die Schulen am Herzen, gleichwohl habe er sich davon überzeugen lassen, dass der Sanierung des Kananetzes besonderes Augenmerk geschenkt werden müsse: „Wenn kein sauberes Wasser mehr in die Kläranlage transportiert wird, spart uns das viel Geld, das an einer anderen Stelle investiert werden kann.“ Und dies zu tun, etwa beim Umbau der Schullandschaft, sei die reizvolle Aufgabe für den nächsten Gemeinderat.

CDU: aus fünf mach vier

Mit einem Quintett ist die CDU im Gemeinderat vertreten, und von diesem kandidiert allein Albert Tschente nicht mehr. Mit welchen Köpfen um die Gunst der Wähler geworben werden soll, steht noch nicht abschließend fest. Wohl aber, dass die Frauenquote erhöht, ein Kandidat aus Reihen der Jungen Union gewonnen und jeder Teilort mit Bewerbern abgedeckt werden soll. „Wir stecken mitten in der Arbeit“, verweist Fraktionschef Manfred Strauß (57) auf den erst für März vorgesehenen Nominierungstermin.

Mit seiner Erfahrung aus zwei Jahrzehnten Gemeinderatsarbeit blickt Strauß zufrieden zurück: „Ich bin seit 1994 dabei, und ich finde, dass sich meine Geburtsstadt seitdem top entwickelt hat.“ Als Beispiele führt er das Hallenbad, das Kinderhaus und den Stadtpark an. Zu einem Gutteil sieht er auch seine Vision von Herbrechtingen als Klein-Venedig verwirklicht: eine Vielzahl kleiner Brücken über die mitten im Stadtgebiet verlaufende Brenz.

Die Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen sei gut, sagt Strauß, was sich an dem mit großer Mehrheit verabschiedeten Sanierungspaket zeige. Mit Stolz erfülle ihn, wie der Gemeinderat Handlungsfähigkeit bewiesen und die dringend erforderliche, eine Million Euro teure Sanierung der Bissinger Mehrzweckhalle auf den Weg gebracht habe.

Im Gegensatz zu etlichen anderen Gemeinden sei Herbrechtingen in der Lage gewesen, eine solche Aufgabe zu schultern. Damit das so bleibe, „werden wir konservativ an unserer Überzeugung festhalten, nur Geld auszugeben, das wir haben, oder das wir sicher einnehmen“, so Strauß. In letzter Konsequenz bedeute das, auch einmal einen Haushaltsplan abzulehnen.