Steinheim Freiburger Gast hinterlässt Haftbefehl und Drogen

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Steinheim / Laura Strahl 09.11.2018
Vor dem Amtsgericht wurde jetzt ein 23-Jähriger zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt.

138,5 Gramm Marihuana. Oder einer Rechnung des Landeskriminalamts zufolge: 1120 Konsumeinheiten. Wegen exakt dieser Menge an Drogen musste sich am Dienstag ein 23-jähriger Freiburger vor dem Heidenheimer Amtsgericht verantworten. Polizeibeamte hatten die Betäubungsmittel im Mai in jenem Zimmer einer Steinheimer Pension gefunden, das der junge Mann damals für eine Woche angemietet hatte.

„Für mich steht außer Frage, dass es ums Handeltreiben ging“ – soweit die Ansicht eines als Zeuge geladenen Polizeibeamten der Heidenheimer Rauschgiftermittlungsgruppe. Eine derart große Menge nur zum Eigengebrauch vorrätig zu haben, sei untypisch. Schließlich verliere Marihuana während der Lagerung seinen berauschenden Inhaltsstoff THC. Zudem sei im Zimmer des Angeklagten auch eine Feinwaage gefunden worden.

Verurteilt wurde der Mann am Ende trotzdem „nur“ wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Den vermuteten Handel konnte ihm das Gericht nicht nachweisen. Oder vielmehr: „Es ist durchaus möglich, dass es für den Eigenbedarf bestimmt war“, wie Staatsanwalt Jens Weise in seinem Plädoyer formulierte. Die Angaben des 23-Jährigen, er habe das Marihuana ausschließlich selbst konsumieren wollen, „sind nicht widerlegbar“.

Bis zu fünf Gramm habe er damals, als er in Steinheim Bekannte besuchte, pro Tag geraucht, ließ der Freiburger über seinen Anwalt erklären. Er habe Probleme mit seiner Freundin gehabt. Außerdem sei es darum gegangen, seine schlechte Kindheit und die Bilder seiner Flucht aus Syrien im Jahr 2012 zu vergessen.

Diese schwierige Vergangenheit des Angeklagten habe man bei der Bemessung des Strafmaßes (ein Jahr und vier Monate) durchaus berücksichtigt, erklärte am Ende Amtsgerichtsdirektor Rainer Feil. Auch die Bemühungen des bei seiner Flucht 17-Jährigen, sich in Deutschland einzuleben, den bestandenen Schulabschluss, die absolvierte Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik und die Bereitschaft, sich einer Drogentherapie zu unterziehen, sprächen für den Angeklagten.

Zur Bewährung aussetzen, so Richter Feil weiter, könne er die Strafe aber wegen der schieren Menge an Marihuana nicht. Und auch die 17 Eintragungen im Vorstrafenregister (unter anderem wegen Diebstahls und Sachbeschädigung) wirkten sich negativ aus. Zudem bestehe Fluchtgefahr.

Immer der Nase nach: Beamte finden Marihuana-Tütchen im Schrank

Die Verhaftung des 23-Jährigen ist einem Zufall geschuldet: So fand die Wirtin der Pension beim Putzen des Zimmers einen Haftbefehl. Das sei ihr komisch vorgekommen, sagte die 58-Jährige vor Gericht aus. Sie habe daher die Polizei informiert.

Den Beamten wiederum fiel beim Betreten des Zimmers sofort etwas anderes auf: sehr starker Marihuana-Geruch. Im Schrank des Hotelzimmers wurden sie schließlich fündig und beschlagnahmten die in zwei Tüten verpackten Drogen.

Den Haftbefehl (wegen Diebstahls und Sachbeschädigung) fanden die Polizisten freilich auch. Die Wirtin baten sie um einen Anruf, sollte sich der Gast wieder in der Pension blicken lassen. Noch am selben Tag war es so weit: Der 23-Jährige kam, die Wirtin rief die Polizei und verhaftete den per Haftbefehl gesuchten Drogenbesitzer.

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