Saint Valery en Caux Französisches Neubaugebiet mit Sontheims Namen

Saint Valery en Caux / Klaus-Dieter Kirschner 17.05.2018
Seit 25 Jahren ist Sontheim/Brenz mit der französischen Stadt befreundet. Gefeiert wurde die Partnerschaft jetzt im Rahmen einer mehrtägigen Reise in die Normandie.

Saint Valerys Nächte sind kurz, möchte man in Abwandlung eines altbekannten Faschingsschlagers im Rückblick auf eine viertägige Reise singen, die 90 Sontheimer über Himmelfahrt in die Normandie führte. Dort an der Alabasterküste liegt die Kleinstadt, die etwas mehr Einwohner als Sontheim hat und wohlhabend scheint: Mitten in der Stadt befindet sich ein Yachthafen, in dem Segelboote und kleinere Motorboote vor Anker liegen. Je nach Wind schwappt das Wasser des Atlantiks mächtig an die Küste und lässt die Wellen an der Kaimauer und dem Leuchtturm brechen.

Mit zwei Bussen waren die Sontheimer 13 Stunden unterwegs, bis sie am Abend in Saint Valery eintrafen und nach Küsschen hier und Küsschen da den Becher der Freundschaft erhoben und sofort wieder zu Hause waren – bei Freunden eben. Die Gastgeber hatten sich alle Mühe gegeben, ein dichtes Programm vorbereitet. Für die Jugendlichen gab es einen Wassersporttag und damit die prima Chance, sich in deutsch-französischen Teams einzubringen.

„Wir feiern so etwas wie Silberhochzeit“, freute sich Sontheims Bürgermeister Matthias Kraut und auch Bürgermeisterin Dominique Chauvel zeigte sich bei der großen Geburtstagsparty mächtig stolz auf all jene, die sich verschwistert haben. Vom Fußball ging die „Eheanbahnung“ der beiden Kommunen aus und so wurde doch mit Schmerz an den unvergessenen Horst Benz erinnert, der einer der Väter der Partnerschaft war.

Mit 24-Stunden-Kita

Ebenfalls zum Programm gehörte die Vorstellung eines künftigen Wohngebiets. Anstelle eines Spatenstichs wurde eine Tafel mit der Aufschrift Residence Sontheim enthüllt und dort anhand von Animationen das künftige Aussehen der Doppelhäuser vorgeführt. Etwas Besonderes stellt der geplante Kindergarten mit 25 Plätzen dar, der rund um die Uhr geöffnet sein wird. Der Bedarf für diese Art Betreuung sei da. Anderswo habe man schon gute Erfahrungen gemacht, betonte Dominique Chauvel.

Im uralten Fachwerkhaus, das den Namen Henry IV trägt, stellten die Brenztal-Quilter und das Atelier Patchwork (St. Valery) Patchwork-Arbeiten. „Diese Ausstellungen im Maison Henry IV sind etwas ganz Besonderes“, lobte Bürgermeister Kraut allen voran Gerda Nuiding stellvertretend für alle anderen Hobbykünstler.

Thierry Fabarez für Saint Valery und Anja Kutschera für Sontheim stehen an der Spitze des jeweiligen Partnerschaftsvereins. Der Sontheimer hat mehr als 70 davon und hofft auf weiteren Zulauf. Bei verschiedenen offiziellen Begegnungen wurden dann auch Reden gehalten und durchaus Akzente gesetzt. Dabei kam es auf die Zwischentöne an. Bürgermeister Kraut hielt es mit Churchill, der einmal formuliert hatte: „Mit der französischen Sprache ist es wie mit meiner Frau: Ich liebe sie, aber ich verstehe sie nicht.“ Kraut dazu: „Mir geht es ähnlich: Ich verstehe zwar meine Frau, aber leider nicht die französische Sprache.“

Die Jumelage weiterentwickeln

Im weiteren Verlauf des Festaktes wurden Gastgeschenke ausgetauscht. Die Sontheimer fuhren mit der Nachbildung des Valeryer Leuchtturms aus einer speziellen Wellpappe durch eine einheimische Künstlerin wieder nach Hause. Matthias Kraut hatte eine Jubiläumsfahne gestalten lassen, die die Wappen der verschwisterten Gemeinden zeigt und die Jahreszahlen 1993 und 2018 zeigt. Kraut erinnerte an die damaligen Oberhäupter Dr. Jacques Couture auf französischer und Peter Welsch auf deutscher Seite, die am 22. Mai 1993 die Partnerschaftsurkunden unterzeichneten. Viel sei seither für die Völkerverständigung und die Aussöhnung getan worden. Die Arbeit der Partnerschaftsvereine könne man nicht hoch genug schätzen. Allerdings müsse diese Jumelage weiterentwickelt werden: „Dazu ist unsere Partnerschaft von großer Bedeutung. Deshalb müssen sich auch künftige Generationen für den Fortbestand und die weitere Ausgestaltung einsetzen“.

Dominique Chauvel rief zu Beginn ihrer Rede all jene auf die Bühne, die Männer und Frauen der ersten Stunde gewesen sind und die Grundlage für die Jumelage erarbeitet haben. Sie erwähnte Konrad Adenauer, dessen Traum von den Vereinigten Staaten von Europa bis heute nicht in Erfüllung gegangen sei: „Wir haben die Aufgabe uns zu erinnern und wir haben vor allem die Aufgabe die Zukunft zu gestalten und dauerhaft ein Europa des Friedens und der Einheit zu bewahren.“ Hier rief sie unter großem Beifall die Jugendlichen aus beiden Städten dazu auf, das Erbe der Eltern anzunehmen und in herzlicher Freundschaft weiter zu formen.