Hermaringen Kann die Firma Hauff-Technik in Hermaringen erweitern?

Die Hermaringer Firma Hauff-Technik braucht mehr Platz. Ob es zum geplanten Zeitpunkt mit der Erweiterung nach Süden, also in Richtung Bergenweiler, gelingen wird, steht nun allerdings in den Sternen.
Die Hermaringer Firma Hauff-Technik braucht mehr Platz. Ob es zum geplanten Zeitpunkt mit der Erweiterung nach Süden, also in Richtung Bergenweiler, gelingen wird, steht nun allerdings in den Sternen. © Foto: Archiv/Markus Brandhuber
Hermaringen / Brigitte Malisi 08.04.2018
Baurechtliche Versäumnisse bringen in Hermaringen den Neubau des Logistikzentrums unter Zeitdruck. Warum wurde nicht früher gehandelt?

Die Firma Hauff Technik möchte ihren Standort in Hermaringen ausbauen. Weitere 30 000 Quadratmeter Grund hat sie deshalb im Gewerbegebiet Berger Steig gekauft und plant dort den Bau eines Logistikgebäudes. Spätestens Anfang des Jahres 2020 möchte man dort einziehen, verkündete Geschäftsführer Dr. Michael Seibold bereits Ende vergangenen Jahres. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung tauchten nun allerdings baurechtliche Fragen auf, die den Zeitplan womöglich gefährden könnten.

Die Sache ist kompliziert: Für das Gewerbegebiet hat der Hermaringer Gemeinderat zwar eine Satzung beschlossen, das Landratsamt hat aber keine Genehmigung erteilt. Die Begründung: Der Bebauungsplan entspreche nicht dem rechtskräftigen Flächennutzungsplan, der ursprünglich aus dem Jahr 1993 stammt und laufend fortgeschrieben werden muss, bis irgendwann ein komplett neuer Flächennutzungsplan erstellt wird.

Üblicherweise ist der Geltungszeitraum eines Flächennutzungsplanes auf zehn bis 15 Jahre ausgelegt. Das hatte die Verwaltungsgemeinschaft aber wohl schon damals großzügiger ausgelegt, weil grundlegende Verkehrsplanungen in den Plan einfließen sollten.

Zeitlich könnte es eng werden

Die Gewerbefläche in Hermaringen hätte aber mit dem Aufstellen des Bebauungsplanes 2012 in den Flächennutzungsplan eingearbeitet werden müssen. Das wiederum kann die Gemeinde Hermaringen nicht selbst erledigen. Sie bildet zusammen mit Giengen eine Verwaltungsgemeinschaft. Die Federführung des Flächennutzungsplanes liegt beim Stadtplanungsamt der Stadt Giengen. Dort ist die Änderung aber nicht erfolgt.

Dennoch hatte Hauff für den 2014 fertiggestellten Neubau – im nicht genehmigten Baugebiet – eine Baugenehmigung des Landratsamtes erhalten. Von Seiten des Landratsamtes wird das damit begründet, dass es in Ausnahmen möglich sei, eine Baugenehmigung zu erteilen, wenn die Träger öffentlicher Belange gehört wurden und auch eine öffentliche Auslegung stattgefunden habe. Außerdem müssten alle Vorgaben des Bebauungsplanes erfüllt sein.

Nachgereicht werden mussten die Unterlagen aber nicht und so gibt es nach wie vor keine gültige Genehmigung des Landratsamtes für das Gewerbegebiet. Eine weitere Ausnahme gesteht das Landratsamt für das neue Bauvorhaben für Hauff aber nicht mehr zu, wie Georg Feth, Leiter des Dezernates Umwelt und Ordnung, erklärt. Auch deshalb, weil die Fläche gar nicht mehr dem ursprünglichen Plan entspreche. Das bedeutet, dass Hauff für den geplanten Neubau nur eine Baugenehmigung erhält, wenn die Änderungen bis dahin im Flächennutzungsplan eingearbeitet sind und die erforderliche Planreife erreicht haben.

Sportlicher Zeitplan

Dass könnte zeitlich eng werden, denn daran sind einige Verfahrensschritte geknüpft. So müssen die Träger öffentlicher Belange gehört werden, die Pläne müssen öffentlich ausgelegt werden und letztendlich muss das Regierungspräsidium zustimmen.

Im Gemeinderat ging es nun darum, das ganze Verfahren möglichst rasch auf den Weg zu bringen, um eine mögliche Verzögerung für die Firma Hauff zu vermeiden. Zugleich soll die Änderung und Erweiterung des Bebauungsplanes erfolgen. Planerin Sandra Gansloser sprach dabei von einem sportlichen Zeitplan, bei dem nun alle entsprechende Stellen mitziehen müssten.

Die Frage drängte sich auf: Warum war das bisher nicht passiert? Stefan Czichon (WdA) zeigte sich entsprechend erstaunt. Wolfgang Nothelfer (CDU-FWG) verwies zudem darauf, dass er keinesfalls bereit sei, Mehrkosten zu tragen. Das Versäumnis sah er bei der Stadt Giengen oder dem Landratsamt. Auch sein Fraktionskollege Hans Ott monierte, dass es nicht angehe, dass sich manche Stellen einfach Zeit ließen und daraus Nachteile für Hauff entstünden.

Hätte aber nicht auch die Gemeinde Hermaringen spätestens nach der Ausnahmeregelung für die erste Baugenehmigung für Hauff auf eine Anpassung des Flächennutzungsplans drängen müssen? Auf Nachfrage erläutert Hauptamtsleiter Harald Uherek, dass man sehr wohl immer wieder an die Stadt Giengen herangetreten sei. Stadtplaner Günther Ingold dagegen sieht keine Versäumnisse auf Giengener Seite: „Wenn man uns die entsprechenden Unterlagen auf den Tisch legt, dann tun wir auch was.“ Beide Seiten betonen zugleich die gute Zusammenarbeit der Verwaltungsgemeinschaft.

Bürgermeister ist optimistisch

Was aber bedeutet das Ganze nun für die Baupläne von Hauff? Bürgermeister Jürgen Mailänder äußerte in der Gemeinderatssitzung, dass er nicht von einer Verzögerung ausgehe.

Auch bei Hauff selber ist man optimistisch, die Baumaßnahme wie geplant 2019 durchziehen zu können. Man hoffe, dass noch im Spätherbst der erste Spatenstich erfolgen kann, teilte Geschäftsführer Dr. Michael Seibold auf Anfrage mit. Er sei sich aber bewusst, dass der Zeitplan eng gesteckt ist: „Da darf nichts dazwischen kommen.“ Eine mögliche Verzögerung des Bauvorhabens hätte für die Firma weitreichende Folgen.

Der Trend geht bei Hauff weiter steil nach oben. Die Zahlen des vergangenen Quartals seien trotz des nicht gerade milden Winters sehr gut gewesen. Für die weitere Entwicklung der Firma sei man auf die zügige Umsetzung des Neubaus angewiesen, macht Seibold deutlich.

Ein erster Schritt ist jetzt getan. Am Donnerstagabend wurde in der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes beschlossen.

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