Kulisse Filmrdeh in Dettingen: Die Klappe fällt im Vorgarten

Familie Hensel hat Haus und Hof für zwei Tage einer Filmcrew überlassen. Gedreht wurde im Wohnzimmer, der Bibliothek und im Garten. Immer mittendrin Regisseur Karl Stefan Röser aus Schnaitheim (Zweiter von rechts).
Familie Hensel hat Haus und Hof für zwei Tage einer Filmcrew überlassen. Gedreht wurde im Wohnzimmer, der Bibliothek und im Garten. Immer mittendrin Regisseur Karl Stefan Röser aus Schnaitheim (Zweiter von rechts).
Dettingen / Christine Weinschenk 11.09.2013
Wie ist es, wenn eine zehnköpfige Filmcrew ins heimische Wohnzimmer einfällt? Nico und Sabrina Hensel haben ihr Haus dem Filmemacher Karl Stefan Röser für zwei Tage zur Verfügung gestellt.

Es erinnert ein bisschen an Loriot. In „Pappa ante Portas“ stellt Familienvater Lohse das Haus für Dreharbeiten zur Fernsehserie „Die Schnakenburgs“ zur Verfügung. Dabei geht einiges zu Bruch. Es droht sogar das Ehe-Aus. Letzteres ist in Dettingen eher ausgeschlossen. Grafik-Designer Nico Hensel hat Haus und Hof zwar für zwei Tage einer zehnköpfigen Filmcrew überlassen und seine Frau Sabrina nahm kurzfristig mit dem kleinen Sohn Reißaus, aber sie war mit den Dreharbeiten einverstanden. „Etwas skeptisch war sie am Anfang, aber viel Überzeugungsarbeit war nicht zu leisten“, sagt Nico Hensel. Er ist die Gelassenheit selbst: „Wenn eine Vase zu Bruch geht, ist das auch nicht weiter schlimm.“ Sämtliche Befürchtungen waren aber unbegründet. Das Filmteam hat sich vorbildlich verhalten. Kein Scheinwerfer fiel um und zerkratzte den Holzboden, es wurde keine Wand aus filmästhetischen Gründen umgestrichen und man hat sich sogar um die Endreinigung gekümmert. „Wir haben natürlich gesaugt, bevor wir das Set abends verlassen haben“, sagt Regisseur Karl Stefan Röser.

Überall liegen Puderquasten

Bei 400 Quadratmetern Wohnfläche fällt vermutlich auch eine zehnköpfige Filmcrew kaum auf. Durch das HZ-Magazin „daheim“ war der Filmemacher auf das schmucke Eckhaus zwischen Weiler- und Christian-Fink-Straße aufmerksam geworden. Im Magazin waren einige Fotos abgedruckt. „Verspielt, romantisch, aber nicht kitschig. Alt, aber auf behutsame Art modernisiert.“ So sah das Wunschbild des Regisseurs aus und in Dettingen wurde er fündig. Das Haus hat eine jahrhundertealte Geschichte: 1736 wurde es zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Bis 1968 war dort der „Grüne Baum“ untergebracht. Zehn Jahre stand es leer, bevor die Hensels das Haus vor sieben Jahren kauften und sensibel renovierten.

Die ehemalige Gaststätte im Erdgeschoss, die Familie Hensel nun für Feste und Feiern nutzt, nahm die Filmcrew am Dienstag und Mittwoch in Beschlag. Als Maske, Garderobe und Aufenthaltsraum. Auf allen verfügbaren Ablageflächen sammelten sich Wasserflaschen, Puderquasten, Haarspray-Dosen und Pizzaschachteln.

Gedreht wurde im Wohnzimmer, der Bibliothek und im Garten. Bei acht Grad am Mittwochmorgen keine angenehme Angelegenheit für Schauspieler, Ton- und Kameraleute. Die Protagonisten des Kurzfilms „Der unberührte Garten“ hüllten sich in jeder noch so kurzen Drehpause in warme Decken. Besonders problematisch: die störenden Nebengeräusche. Noch häufiger als sonst beim Film üblich mussten die Takes wiederholt werden, weil ein Auto vorbeifuhr oder der Nachbar gerade sein Altglas ins Auto packte.

Schauspieler über ein Internetportal gefunden

Der Filmemacher und Web-Designer Karl Stefan Röser wohnt in Stuttgart, ist aber in Schnaitheim aufgewachsen. Von frühester Jugend an hat er Filme gedreht. Meist in Personaluniun: Er war Regisseur, Kameramann und Mädchen für alles. Jetzt wollte er etwas professioneller ans Werk gehen. Denn: „Wenn man mehrere Parts übernimmt, leidet die Arbeit immer etwas.“ Für jeden Job wurde also ein Profi auf seinem Gebiet gesucht. Über ein Internetportal fand er die Schauspieler. Sie arbeiten ehrenamtlich mit.

Zehn Drehtage sind für den Kurzfilm, der auf einer Kurzgeschichte von Diana Michl beruht, vorgesehen. Rund 25 Minuten soll er dauern. Gedreht wird nicht nur in Dettingen, sondern auch rund um Tübingen – im Botanischen Garten, auf einem Sportplatz und in einer Sporthalle.

Für Röser ist es nicht nur der erste professionelle Kurzfilm, sondern auch sein erstes Crowdfunding-Projekt. Crowdfunding, auch Schwarm- oder Mirkofinanzierung genannt, ist eine Methode der Geldbeschaffung. So lassen sich Projekte, Produkte, die Umsetzung von Geschäftsideen und vieles andere mit Eigenkapital versorgen. Kapitalgeber sind eine Vielzahl von Personen – in der Regel allesamt Internetnutzer, da zum Crowdfunding meist im World Wide Web aufgerufen wird. Wer beispielsweise ein Filmprojekt unterstützen will, geht auf ein entsprechendes Internetportal und gibt den Betrag ein, mit dem er das Projekt unterstützten will. Rund 3500 Euro kamen für Rösers Kurzfilm innerhalb kürzester Zeit zusammen.

Röser hofft, dass der Film im Frühjahr fertig geschnitten ist. Er will ihn dann bei verschiedenen Kurzfilm-Festivals einreichen. Auch als DVD soll er erscheinen, später wird „Der unberührte Garten“ auf Youtube zu sehen sein. Der Film handelt von einer jungen Läuferin. Als sie eines Tages in einem fremden Garten landet und eine geheimnisvolle Frau kennenlernt, nimmt ihr Leben eine Wendung und bald ist nichts mehr wie es war. Anders am Drehort in Dettingen. Die Filmcrew ist am Mittwochabend Richtung Tübingen weitergezogen – und alles ist wieder beim Alten.

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