Videos Filmkunst: Robin Seifert dreht Miniaturfilme

Kreis Heidenheim / Mathias Ostertag 04.03.2017
Erst die Zeitraffer, jetzt die Welt in Miniatur: Robin Seifert hat ein Faible entwickelt für besondere Videoformate. Am liebsten dreht der Essinger Videos, die den Raum Heidenheim und Aalen in den Mittelpunkt rücken.

Mit seinen Zeitraffer-Videos hat Robin Seifert offenbar einen Nerv getroffen: Als der 22-Jährige vor einem halben Jahr im Pressehaus saß und dort über seinen Zeitraffer-Film „Circling Skies“ berichtete, hätte er wohl selbst kaum für möglich gehalten, dass er nur einige Monate später plötzlich im Congress-Centrum stehen würde – auf Einladung der IHK Ostwürttemberg.

Denn die feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen – und diesen runden Geburtstag mit einem großen politischen Stelldichein, zu dem am Freitag vergangener Woche auch Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, vorbeikam. „Dort werden viele meiner Zeitraffer gezeigt bzw. diese wurden in einen Film eingebaut“, erzählt Robin Seifert nicht ohne Stolz.

Drei Monate lang war der Filmstudent (an der privaten Medienakademie in Stuttgart) dazu im vergangenen Jahr im Kreis Heidenheim und im Ostalbkreis für die Drehs unterwegs, filmte mit verschiedenen Einstellungen und Langzeitbelichtung bekannte Orte der Region – zu einer ungewöhnlichen Tageszeit: der Großteil der Aufnahmen ist am frühen Abend oder sogar nachts entstanden.

„Ich ziehe am liebsten nachts los, da leuchten die Sterne so schön und man bekommt beeindruckende Bilder“, erzählt er. Natürlich belässt es Robin Seifert nicht beim Dreh von Zeitraffer-Videos. Sein neuestes Projekt hat zwar wieder mit dem Raum Ostwürttemberg zu tun, dieses Mal aber mit noch mehr Heidenheim.

Also Heidenheim im Maßstab 1:87. „ONE DAY 1:87: A tilt shift film“ hat Seifert dieses Projekt genannt, es zeigt bekannte Orte aus den Kreisen Heidenheim und Ostalb in Miniatur.

Die Stadt Heidenheim im Mini-Format

Wer die Bilder im Video sieht, wird schnell erkennen, wo sich Seifert gerade befindet. Da erscheint zum Beispiel, gut sichtbar am Voith-Schriftzug auf dem blauen Transporter, eine Szene, die auf der St. Pöltener Straße in Heidenheim spielt. Autos fahren vorbei, der Transporter entfernt sich aus dem Bild, hier kommt ein Fahrradfahrer, dort bewegen sich Fußgänger – vielleicht auf dem Weg zur Mittagspause.

Auch für Heidenheimer andere bekannte Orte hat Seifert ausgewählt – nicht unbedingt die schönsten Ecken sind das, aber eben sehr markante, sodass der Wiedererkennungseffekt gegen 100 Prozent geht: den Rombachtunnel an der B 29 etwa. Oder auch den Kreisel am Aalener Ortsrand, an den jeder Heidenheimer gelangt, wenn er in das dortige Gewerbegebiet fahren will.

Doch wie kam Robin Seifert auf die Idee für ein solches Video? Vor einigen Jahren sei er im Miniatur-Wunderland in Hamburg gewesen und habe mit Erstaunen festgestellt, dass es praktisch nichts gibt, das sich nicht auch im Maßstab 1:87 darstellen lässt. „Und da ich viel Zeit auf Youtube verbringe, bin ich eines Tages auf ein sogenanntes Tiltshift-Video gestoßen.“ Das wiederum hat Seifert besonders fasziniert, weil „man aus einem alltäglichen, realen Szenario eine scheinbare Miniaturwelt entstehen lassen kann. So bin ich auf die Idee gekommen, selbst einmal ein solches Video zu produzieren.“

Miniaturfilm: Illusion durch Effekte

Für ein Tiltshift-Video eignen sich Orte, an denen viel passiert. Zum Beispiel, wenn viele Autos umherfahren. Oder ein belebtes Stadtzentrum. Diese einzelnen Szenarien filmt er dann ungefähr eine Minute lang. Am PC beschleunigt er das Video dann um das Vierfache, setzt die Bildzahl pro Sekunde auf 15 (ein normaler Kinofilm hat 24 Bilder pro Sekunde) und fügt abschließend einen Unschärfe-Effekt hinzu. „So entsteht die Illusion einer Miniaturlandschaft.“

Das Besondere daran sei, dass die Illusion durch das Zusammenspiel der Effekte entsteht. „Wir lassen uns also täuschen, weil wir gewisse Dinge nur so kennen, wie wir sie täglich sehen“, erklärt Seifert. Wenn dieser Effekt funktioniere und der Zuschauer über das, was er sehe, nachdenken müsse, „dann macht das den Filmemacher glücklich“.

Gedreht hat Seifert auch Szenen vom BSH-Areal in Giengen, wo ein Gabelstapler riesige Container umherfährt. Von einer Autobahnbrücke bei Giengen aus hat er den fließenden Verkehr gefilmt. Er war auch in Bopfingen, seinem Heimatort Essingen und Oberkochen unterwegs „Manchmal passieren bei diesen Drehs Dinge, bei denen ich lauthals loslachen muss.“ Zum Beispiel hatte Seifert einen Bagger gefilmt, der mit gefühlten 10 km/h über die Bundesstraße „düste“ oder einen Mann, der es einfach nicht schaffte, eine Schaufel zurück an ihren Platz zu stellen. „Oder die Autofahrer, die wegen eines Staus mit sich kämpfen, ob sie nun auf der Stelle umdrehen sollen oder nicht. Mit Tiltshift-Effekt wirkt das genial.“

Vortrag über die Miniaturfilme geplant

Und die Zukunftspläne: Am 10. März wird der 22-Jährige an der Hochschule Aalen im Rahmen der „Pecha Kucha Night“ einen Vortrag zu den Themen Fotografie und Film halten. In Kürze soll auch ein neues Zeitraffervideo im Raum Ostalbkreis/Heidenheim entstehen. Dazu hat er in letzter Zeit einiges an neuer Technik und Zubehör für seine Kamera investiert, um die Qualität der Zeitraffer insgesamt zu verbessern. „Es gibt auch mehrere kleine Filmwettbewerbe, bei denen ich mein Glück versuche.“ Ansonsten macht sich Robin Seifert auch weiter auf, packt Stativ und Kamera ein, begibt sich zum Beispiel auf Schloss Hellenstein und wartet auf die besonderen Momente, um für seine Zeitraffer- und Miniaturvideos das richtige Motiv zu finden. Mathias Ostertag

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