Dreh Filmkulisse Eselsburger Tal: Die Feuerwehr macht Licht

Herbrechtingen / 22.05.2013
Nachts sind alle Katzen grau. Und viele Schafe schwarz. Es sei denn, Sascha Frey von der Herbrechtinger Feuerwehr sorgt zusammen mit seiner Mannschaft zu Füßen der Steinernen Jungfrauen für künstliche Beleuchtung - auch für eine 14-köpfige Filmcrew,

Nachts sind alle Katzen grau. Und viele Schafe schwarz. Es sei denn, Sascha Frey sorgt zusammen mit seiner Mannschaft zu Füßen der Steinernen Jungfrauen für künstliche Beleuchtung. So weit, so gut. Aber was soll uns diese Beobachtung sagen?

Die Erklärung ist fürwahr filmreif: Sascha Frey ist Abteilungskommandant der Herbrechtinger Feuerwehr und mit seiner Truppe immer dann zur Stelle, wenn Not am Mann ist. Dabei brennt's bisweilen an reichlich ausgefallenem Ort, ohne dass es freilich Flammen zu ersticken gäbe. Zum Beispiel kann's mitunter so dunkel werden, dass sich mit bloßem Auge eben nicht mehr ausmachen lässt, ob das vermeintliche Lämmchen womöglich ein in der Wolle gefärbter Wolf ist.

Auch in solchen Fällen also vermag Frey zu helfen, wie sich vor wenigen Tagen spektakulär zeigte: Längst ist die Sonne untergegangen, hat sich Schwärze übers Eselsburger Tal gelegt. Normalerweise wären die 450 Schafe jetzt allenfalls schemenhaft auszumachen, die Schäfer Herbert Wiedenmann einige Stunden zuvor an den Ort des Geschehens geführt hat. Und normalerweise wäre das auch kein Problem. Schließlich wartet an gewöhnlichen Tagen keine 14-köpfige Filmcrew am Ufer der Brenz darauf, ihre Schäflein ins Trockene zu bringen. Soll in diesem Fall heißen: eine Szene abzudrehen, in der ein von seiner Herde umgebener Schäfer die Hauptrolle spielt.

Frey lässt eine Quecksilberdampflampe steigen

Und dazu bedarf es auf der in Nachtruhe versunkenen Schwäbischen Alb eben einer perfekten Ausleuchtung. Womit wir wieder bei Sascha Frey wären. Ohne ihn bliebe nämlich im Dunkeln, wer dort als Hauptperson im Dauerregen ein verlustig gegangenes Schäflein wiederfindet. Also lässt Frey einen Beleuchtungsballon in Gestalt einer Quecksilberdampflampe steigen und sorgt für exakt das Licht, das sich Danilo Gregorio gewünscht hat: „Es ist wunderbar natürlich und weich, deshalb macht es keine Schlagschatten in den Gesichtern“, erklärt der 24-Jährige, der Regie führt.

Am Vorabend hat Gregorio zusammen mit Producer Hannes Höhn sowie Sascha Frey und Michael Hauser von der Herbrechtinger Feuerwehr vor Ort den exakten Ablauf besprochen. Denn gerade weil das fertige Filmchen lediglich 30 bis maximal 60 Sekunden lang sein soll, darf nichts dem Zufall überlassen werden.

So bereiteten sich Gregorio und Höhn zusammen mit ihren Mitstreitern – allesamt Studierende an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg – zwei Wochen lang gezielt auf die beiden Drehtage im Eselsburger Tal vor. Im Rahmen ihres Studiums, so die Vorgabe, sollte ein kurzer Werbefilm entstehen, der ein beliebiges Produkt ins passende Licht rückt.

 

Die Wahl fiel auf einen VW-Bus, der sich dank eines ausklappbaren Daches in eine Art Wohnmobil verwandeln lässt. Und der offenkundig ein derartiges Wohnzimmergefühl zu vermitteln weiß, dass der Schäfer, der im Film sein verschollenes Tier wiederfindet und vor nächtlichem Regen in Sicherheit bringt, erst anderntags feststellt, nicht im Haus, sondern vielmehr in besagtem Fahrzeug Zuflucht gefunden zu haben. So weit die Geschichte. Und weil nicht einmal die akribischste Vorbereitung einen Wolkenbruch auf Kommando herbeizuzaubern vermag, müssen abermals Frey und seine Kameraden von der Feuerwehr ran. Einige Tausend Liter Brenzwasser werden über der Szenerie versprüht, und schon ist das gewünschte Unwetter perfekt. Davon werden sich auch die Besucher der Festivals überzeugen können, bei denen der den Studenten als Referenzobjekt dienende Kurzstreifen gezeigt werden soll.

Für Aufsehen gesorgt hat er – nicht zuletzt aufgrund des Drehbeginns morgens gegen halb sechs – bereits an anderer Stelle: in Eselsburg nämlich, wo sich so mancher spontan keinen Reim auf das nächtliche Geschehen bei den Steinernen Jungfrauen machen konnte.

Jetzt, bei Tageslicht betrachtet, liegen die Fakten auf dem Tisch. Und aus lokalpatriotischer Sicht darf man sich vor Ort durchaus darüber freuen, dass die Film-Commission Region Ulm den Kontakt zu Schäfer Wiedenmann hergestellt und das Eselsburger Tal als geeigneten Drehort vorgeschlagen hatte. Es muss ja nicht unbedingt betont werden, dass nach einem österreichisch anmutenden Flecken Erde gesucht worden war. Michael Brendel

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel