Stetten Feurige Show beim Ritterturnier zu Stetten

Stetten / Patrick Vetter 30.07.2018
Die Württemberger Ritter zeigten wieder die spannenden Seiten der als düster geltenden Epoche – natürlich inklusive splitternder Lanzen.

Rauch von vielen Feuerchen liegt in der Luft und ein wenig nach Pferd riecht es auch. Die Gerüche empfangen die Besucher schon bevor sie den Eingang zum Rittergut Stetten erreichen. Während der Festtage ist dieser Eingang jedes Jahr ein Tor in die Vergangenheit – so auch am vergangenen Wochenende beim 26. Turnier der Württemberger Ritter.

450 Gewandete im Heerlager

Im Heerlager nächtigen die Ritter und ihre Damen. Insgesamt rund 450 Gewandete, also Männer und Frauen in mittelalterlicher Kleidung, verbringen die drei Tage des Turniers von Freitag bis Sonntag hier in Zelten aus Stoffbahnen und Holzstangen. Gekocht wird über dem Feuer, geschlafen auf Fellen, getrunken aus Holzbechern und für die Unterhaltung sorgen die Zeltnachbarn – und keine Bildschirme. Die Aufgaben sind klar verteilt: Gekocht wird für alle in der Lagerküche, erklärt Jutta Maria Güssin von Hermaringen, die im echten Leben Jutta Maier heißt. „Wir brauchen immer einen Feuerknecht, der sich darum kümmert, dass das Feuer an bleibt“, erzählt sie weiter.

Im Heerlager fühlt man sich wohl

Auch wenn alles so authentisch wie möglich wirken solle, könne jeder selbst entscheiden, wie konsequent er den Zeitsprung ins Mittelalter macht. „Viele haben bestimmt ihr Handy im Zelt dabei. Es gibt auch immer eine versteckte Kaffeemaschine“, verrät die Güssin von Hermaringen.

Aber das sei auch in Ordnung, denn es gehe vor allem darum, sich wohl zu fühlen. Neben den Lagerbewohnern haben sich auch wieder viele Händler und Handwerker auf dem Rittergut eingefunden. Einige erklären den Besuchern des Marktes, wie im Mittelalter mit einfachsten Methoden kunsthandwerklich gearbeitet wurde. So gibt es immer mehrere Augenpaare, die zum Beispiel den Schmieden über die Schultern schauen. „Beim Kampf ist dieses Visier verbogen und ich mache es wieder schön“, erklärt der große, bärtige Mann hinter dem Amboss neugierigen Kindern.

Das Handwerk wird zur Show

Eine echte Darbietung macht auch ein Steinmetz aus dem Behauen eines Quaders. Neben einfachen Methoden, mit denen sich rechte Winkel und ebene Flächen ermitteln lassen, verdeutlicht er den Zuschauern die mittelalterliche Ständegesellschaft: „Ich bin Steinmetz und mir meines Standes bewusst. Der Bauer arbeitet bis zu den Knien im Dreck – ich nur bis zu den Knöcheln“, erklärt er vereinfacht den sozialen Status der Handwerker. Am Ende seiner Vorführung hat der rohe Steinbrocken vom Anfang glatte Kanten bekommen.

Mitten auf dem Markt konnte ein warmes Salzbad genommen werden

Auf dem Markt werden außerdem Körbe geflochten, Felle angeboten, Messer, Waffen und Rüstungen sowie Gewänder verkauft und Tattoos gestochen. In großen Holzbottichen nehmen Mittelalterfans warme Salzbäder, während eine Vogel-Attrappe jedes Mal dann hin und her schwingt, wenn ein Bogenschütze sie trifft.

Im Innenhof des Guts spielen die Musikgruppen „Irregeng“ und „Zechpreller“ mittelalterliche Melodien. Zu ihrem Programm gehören nicht nur ihre Lieder, sondern auch die ständige Animation des Publikums. Ihren Platz räumen sie nur für die Bauchtänzerinnen, die auch im Innenhof auftreten.

Das große Turnier ist die Hauptattraktion

Am Samstagabend um 21 Uhr lassen jedoch alle Besucher des Ritterguts den Markt zurück und versammeln sich um den Turnierplatz. Der Vertreter des Herren vom Brenztal, der Turnierleiter Owen, eröffnet die Hauptattraktion des Wochenendes. Mit Erklärungen von ihm und seinem Kollegen der Gegenseite, Elias, wird das Publikum durch die Geschichte hinter dem Turnier geführt.

Der Herr vom Brenztal empfängt Pilger, die dem Herrn von Ottenburg unterstehen und eine heilige Reliquie mit sich führen. Schnell entbrennt ein Streit um das kostbare Stück, der mittels eines Turniers beigelegt werden soll.

In verschiedenen Übungen zertrümmern die berittenen Mitstreiter der beiden Herren Ziele mit Äxten, beweisen ihre Zielsicherheit mit dem Speer vom Pferderücken aus oder durchstechen brennende Ringe mit der Lanze.

Der Tjost brachte die Entscheidung

Zuerst sieht es gut aus für die Reiter des Gastgebers, als Turnierleiter Owen zum dritten mal verkündet: „Schon wieder geht eine Runde an den Herren vom Brenztal.“ Doch die Pilger geben nicht auf, sodass sie das Turnier nach dem Tjost, bei dem zwei Reiter aufeinander zu reiten und mit den Lanzen gegen die Schilde des anderen stoßen, für sich entscheiden können.

Die Verlierer zeigen sich nicht gerade von ihrer edlen Seite. So wird der Sieg nicht anerkannt und das Turnier endet in einer großen Schlacht – zur Freude des Publikums. Mit Brandpfeilen und brennenden Strohballen, die mit Katapulten abgeschossen werden, geht es dabei feurig zu.

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