Fast 30 Firmen wollen in Windpark bei Dettingen investieren

Eine mehrere hundert Hektar große Fläche, die sich von den Burgholzhöfen über den Falkenstein bis zu den Lenzenhöfen erstreckt, ist bei Dettingen für eine wirtschaftliche Windkraftnutzung durchaus geeignet, das Investoren-Interesse daran sehr groß.
Eine mehrere hundert Hektar große Fläche, die sich von den Burgholzhöfen über den Falkenstein bis zu den Lenzenhöfen erstreckt, ist bei Dettingen für eine wirtschaftliche Windkraftnutzung durchaus geeignet, das Investoren-Interesse daran sehr groß. © Foto: Foto: je
jens eber 21.03.2012
Mehr als zwei Dutzend Firmen sind daran interessiert, nahe Dettingen in einen Windpark zu investieren. Beim Infoabend der Gemeinde in der Lindenhalle zeigten sich am Dienstag viele Bürger dem Vorhaben gegenüber aufgeschlossen – vorausgesetzt, es rentiert sich vor Ort.

Wahrscheinlich gibt es im Land nur wenige, die sich in den vergangenen Monaten so intensiv mit dem Thema Windkraft beschäftigt haben, wie Thomas Eble. Der Direktor des Regionalverbands Ostwürttemberg hat nach eigener Schätzung bereits 70 Mal darüber referiert, wie sein Verband in den Kreisen Heidenheim und Ostalb nach Vorrangflächen für Windkraftanlagen fahndet und dabei weite Schutzkreise um Wohnplätze, Kulturgüter oder Vogelbrutgebiete zieht. Einer der wenigen weißen, also geeigneten Flecken, die dabei übrig bleiben, liegt östlich von Dettingen.

Diese mehrere hundert Hektar große Fläche, die sich von den Burgholzhöfen über den Falkenstein bis zu den Lenzenhöfen erstreckt, ist für eine wirtschaftliche Windkraftnutzung durchaus geeignet – so sehr, dass die zuständige Forstdirektion Tübingen nach Informationen von Bürgermeister Roland Polaschek dieser Tage Ausschreibungsunterlagen an 29 Firmen geschickt hat, die im Gebiet „Teichhau“ investieren möchten. Ein großer Teil der besonders windhöffigen Fläche ist immerhin Staatswald (siehe Info) und steht damit unter Verwaltung des Landes.

Zu Beginn der Infoveranstaltung hatte Ortsvorsteherin Anette Lindenmaier daran erinnert, dass Dettingen vor genau einhundert Jahren ans Stromnetz angeschlossen wurde. Damals hätten sich die Menschen erst an den Anblick von Strommasten und -leitungen gewöhnen müssen. Womöglich stehe nun, nach dem mutmaßlich endgültigen Atomausstieg, ein ähnliches Umdenken an. „Geht unsere Akzeptanz so weit, dass wir es ertragen, hier einen Windpark zu sehen?“, fragte Lindenmaier und betonte zugleich, zuerst sei die Meinung der Bürger gefragt, bevor weitere Gremien Entscheidungen träfen. Der Ortschaftsrat habe sich für die Ausweisung von Flächen für die Windkraft ausgesprochen, zumal Geräuschbelastungen nicht zu erwarten seien.

Heuchlingens Ortsvorsteher Frank Schied stellte zudem die kleine geeignete Fläche auf dem „Berg“ zwischen Dettingen und Heuchlingen vor, wo möglicherweise vor allem Strom für das nahe Werk von Husqvarna (früher Gardena) produziert werden könnte.

Bürgermeister Polaschek ließ in seinem Vortrag durchblicken, dass es noch „Unstimmigkeiten“ mit der Forstverwaltung zu klären gebe. Vor allem störe er sich daran, dass allem Anschein nach bereits Grundstücksverhandlungen ohne Beteiligung der anliegenden Gemeinden liefen. Verbandsdirektor Eble betonte in diesem Zusammenhang, möglichst große Teile der Wertschöpfungskette sollten nach Möglichkeit vor Ort bleiben. Deshalb sollten Grundstückseigentümer seiner Meinung nach auch den weiteren Verlauf der Planungen abwarten, bevor sie Verträge mit möglichen Investoren unterschrieben.

In der Diskussion erinnerte der Heuchlinger Andreas Müller an die Vielzahl von Dolinen im Bereich „Teichhau“. Eble versicherte, der Untergrund werde im Zuge der Genehmigungsverfahren genau geprüft. Auch könnte, so Eble, der Abstand zu Wohngebieten im Einzelfall noch größer als die bislang geplanten 750 Meter werden, um etwa störenden Schattenwurf zu vermeiden.

Auf die Frage nach der voraussichtlichen Rendite für die Gemeinde sagte Bernhard Wieland vom möglichen Investor „Das grüne Emissionshaus“ aus Freiburg, pro Windkraftanlage und Jahr sei auf Freiflächen mit 10 000 Euro für die Kommune zu rechnen. Von Anlagen im Staatsforst profitiere die Gemeinde dagegen finanziell eher wenig.

Bürgermeister Polaschek brachte in der harmonisch und sehr sachlich verlaufenen Diskussion jedoch mit dem Gebiet „Schindergarten“ am westlichen Rand des Teichhaus auch eine gemeindeeigene Fläche ins Spiel, die gut für ein „Bürgerkraftwerk“ geeignet sei.

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