Dischingen Faschingsumzug: Dischingens Straßen fest in Narrenhand

Eine bunte Gaudi war am Sonntag der Fascchingsumzug durch Dischingen.
Eine bunte Gaudi war am Sonntag der Fascchingsumzug durch Dischingen. © Foto: Sabrina Balzer
Dischingen / Klaus Dammann 11.02.2018
Ob „Narri – Narro“, „Helau“ oder „Narro – Heil“ – die Dischinger Narren und ihre zahlreichen Gäste ließen auf den Straßen am Sonntag Faschingsmuffeln keine Chance.

Vom Wetter her hätte es für den Faschingsverein Dischingen (FVD) gestern Nachmittag natürlich wesentlich schlimmer kommen können.

Denn immerhin regnete es während des zweistündigen Umzugs durch die Straßen der Härtsfeldgemeinde nicht. Allerdings – das konnte man auch am Winter-Outfit der vielen Garde-Mädchen und -Damen sehen – wehrte sich der Winter kräftig gegen sein Vertreiben durch das närrische Vergnügen: Bei Temperaturen um die Null, gefühlten Minusgraden und vereinzelten feinen Schneeflocken schon vor Beginn hieß es für die Aktiven wie für die mehreren tausend Zuschauer, Zähne zusammenbeißen und sich von der Kälte nicht unterkriegen lassen.

Nicht jedem der tapfer im Zug Marschierenden gelang das immer ganz perfekt und so fror gelegentlich manch strahlendes Lächeln im Gesicht etwas ein.

Nichtdestotrotz konnten die dem närrischen Vergnügen zugetanen Gäste vom Straßenrand aus einen beachtlichen Faschingsumzug mit fast 120 Gruppen, Wagen und Kapellen erleben, für den sich der FVD als Veranstalter das Motto „Wo führt des na . . .?“ ausgedacht hatte.

Einige gelungene Beispiele, bei dem einem diese Frage in den Sinn kommen konnte, hatte der Dischinger Verein denn auch auf seinen Themenwagen selbst bildlich umgesetzt. Bei „Die Qual der Wahl“ war Kanzlerin Angela Merkel zu sehen, die einen Joint rauchte und keineswegs glücklich über die Jamaika-Entwicklung wirkte.

Trump als Trumpelmann

„AusgeflAIRt“ war der närrische Kommentar benannt, der sich mit dem Berliner Flughafenbau befasste und ein Triebwerk zeigte, aus dem hinten heraus das Geld verblasen wird. Was beim „Trumpelmann“ zu erwarten war, konnte man ahnen: Sehr witzig wurde der US-Präsident als zappelnder Hampelmann dargestellt, dem ein auf einer Rakete reitender Kim Jong-Un entgegen fliegt.

Politisch gab sich vom Outfit her auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Grath, der als einer der Ehrengäste im Zug mitfuhr: Sein grün-schwarzes Kostüm stellte er selbst als das aktuelle Modell „Koalition“ vor.

Zu bestaunen gab es im bunten und Bonbonregen praktizierenden Spektakel eine Fülle prächtiger Kostüme, auf die die zugehörigen Hästräger durchaus stolz sein konnten. Schöne geschnitzte Holzmasken wie auch fantasievolle Eigenkreationen etwa der Damen des „Bonder Haufa“ als „Rosenzauber“ sorgten für Aufsehen. Die Gruppen „Pretty Woman“ und „Härtsfeldvagabunden“ präsentierten mit Quallen und Wassermännern, was so alles das Jahr über verborgen im Härtsfeldsee vor sich hin lebt.

Auch neue oder länger nicht mehr gesehene Entdeckungen konnten die großteils ebenfalls lustig kostümierten Zuschauer machen. So tauchte eine Bande von Gorillas auf, bei der sich herausstellte, dass dieser „Affazirkus“ aus dem heimischen Schnoida entkommen war. Mit vielen Aktiven traten die Mögglauer Remsgöckel an, deren prächtiger großer Gockelwagen mit einem seinen Kopf heben- und senkenden Gockel begeisterte.

Neben dem FVD waren die Mögglauer aber längst nicht die einzige Faschingsgesellschaft, die im großen Stil am Sonntag beim Umzug auftrat. Zu den weiteren Gesellschaften gehörten die Kösinger Faschingsfreunde, die Bachtalia, die Häfastädter Narra, die Faschingsfreunde Amerdingen, die Wemdosia, die Narrenzunft Neresheim, die Finndonia und die Burgnarren Schlossberg Flochberg. Allesamt forderten sie die Besucher lautstark zum eifrigen Einstimmen in ihre Schlachtrufe auf.

Eine Fülle närrischer Vereine – zumeist Stammteilnehmer – aus dem Kreis Heidenheim waren ebenfalls gekommen. Da gab es die Härtsfelder Waidäg mit ihren geschnitzten Masken zu sehen, die Heidenheimer Felsenhexen, die Siebenbürger Urzeln, die Giengener Panscherhexen, die Itzelberger Pfannaglopfer, die Buiga Hexa und die Wasserratza Hexen aus Herbrechtingen. Überhaupt Hexen: Die wunderlichen Damen mit Warzen und krummen Nasen im Gesicht nahmen einmal mehr die unbestreitbare Mehrheit ein und knöpften sich besenschwingend für ihren Schabernack so manchen überraschten Zuschauer vor. Eine zündende Verbindung von Knall und Musik führten die Hohenmemminger Goißlschnalzer zusammen mit den „Fidelen Melkkübeln“ auf.

Viel zu tun für die Ordner

Eines konnte dem geneigten und faschingsinteressierten Beobachter bei dem närrischen Trubel aber auch auffallen: Selten hatten die Umzugsordner des FVD bei einem Zug so viel zu tun wie am Sonntag. Immer wieder taten sich große Lücken im Ablauf auf und die Ordner mussten mahnend einschreiten: „Aufschließen!“, hieß es da zu mancher Gruppe, die etwas zu sehr nach hinten zurückblieb.

Nach zwei Stunden war der farbenprächtige Narrenspuk auf Dischingens Straßen dann wieder vorbei. Der Spaß aber natürlich noch lange nicht: Im Festzelt des FVD ging nach Umzugsende die Party erst so richtig los.

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