Herbrechtingen Eschen am Herrenweg müssen gefällt werden

Die Eschen am Herrenweg sind nicht mehr lange zu sehen. Sie sind von einem Schadpilz befallen und müssen gefällt werden. Rund 50 Bäume sind betroffen.
Die Eschen am Herrenweg sind nicht mehr lange zu sehen. Sie sind von einem Schadpilz befallen und müssen gefällt werden. Rund 50 Bäume sind betroffen. © Foto: Christian Thumm
Herbrechtingen / Günter Trittner 07.11.2018
Der Spazierweg entlang der Brenz verliert nahezu alle Bäume. Regierungspräsidium und Obere Naturschutzbehörde sind mit im Boot.

Das Eschentriebsterben hat die Bäume entlang des Herrenwegs in Herbrechtingen ereilt. Gut 50 Eschen werden dort in nächster Zeit gefällt. „Das verändert das Bild, das muss man sagen“ weiß auch Dieter Frank, der Fachbereichsleiter Bau im Rathaus, um die Folgen dieser Entscheidung. Denn der bisher lauschige, von Bäumen überdachte Spazierweg zwischen Bahnlinie und Brenz entlang des alten Ortskerns wird damit im Grunde entblößt. Doch Frank sieht keine andere Wahl, will die Kommune ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen.

Linden und Unterholz bleiben

Die Entscheidung „ziemlich alle“ Eschen zu fällen, hat die Stadt nicht im Alleingang getroffen. Man steht in enger Absprache mit dem Regierungspräsidium Stuttgart, der Oberen Naturschutzbehörde. Und diese hat über ihren Landesbetrieb Gewässer bereits in diesen Tagen mit dem Fällen begonnen. Rund ein Dutzend Eschen auf Höhe des Karl-Kaipf-Heims werden aktuell entfernt, da sie schon Äste auf den Weg fallen lassen. Die große Fällaktion erfolgt, welche wiederum der Landesbetrieb ausschreibt, beginnt erst in den nächsten Wochen, wobei die Stadt die Eschen auf der Seite der Bahnlinie entfernt, das Land die Eschen am Brenzufer. Stehen, so Frank, bleiben einige Linden und das Unterholz.

Der Herrenweg, der an der Brenzbrücke an der Leonhardskapelle startet, geht zurück auf die Heidenheimer Fabrikanten Ludwig und Paul Neunhoeffer. Diese ließen diese kurze Verbindung anlegen, um vom Bahnhof schnell zu ihrer Textilfabrik an der Brenzstraße zu kommen. Der Vater Ludwig hatte hier im Jahr 1859 eine Filiale seiner Baumwollspinnerei und Färberei in Heidenheim eröffnet. Ab 1899 war der Sohn Paul Neunhoeffer Alleininhaber. 1941 ging die Fabrik an die Paul Hartmann AG, bis 2007 fertigte hier die Firma Liegelind mit 50 Mitarbeitern.

Für das Eschentriebsterben wird ein Pilz mit dem Namen Falsches Weißes Stängelbecherchen verantwortlich gemacht. Dieser hat sich auch in den Wäldern Herbrechtingens verbreitet und hinterlässt seine Spuren. Ein erforderliche Hieb von 40 Eschen im Eselsburger Tal in Höhe Falkenstein hatte im Frühjahr 2017 für Aufsehen und protestierende Stimmen in der Bevölkerung gesorgt. 2006 ist der Pilz in Baden-Württemberg erstmals aufgetreten, seit 2014 verbreitet er sich rapide. Er führt zu einer Austrocknung der Äste und des Stamms.

Übertragung durch Sporen

So angeschlagen wird die Esche sprichwörtlich zu gefundenen Fressen für den Eschensplintkäfer. Übertragen wird die Pilzerkrankung durch in der Luft schwebende Sporen. In Dänemark waren bereits 2015 95 Prozent der Eschenbestände zu Grunde gegangen. Die gemeine Esche zählt mit einer Höhe von 40 Metern zu den höchsten Laubbäumen Europas. Das Eschenholz zählt zu den Edellaubhölzern. Aufgrund seiner Festigkeit und Elastizität wird es gern für Werkzeugstile, Sportgeräte und Biegeformteilen verwendet. 2001 war die Esche in Deutschland Baum des Jahres.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel