Steinheim / Carolin Wöhrle Ein Rückhaltebecken im Wental oder nicht? Eine Vergrößerung der Kanäle? Der Steinheimer Gemeinderat hat sich am Dienstagabend für eine Richtung entschieden, in die die Planungen für den langfristigen Hochwasserschutz gehen sollen.

Dass es eine publikumswirksame Gemeinderatssitzung werden würde, das war der Steinheimer Verwaltung von Beginn an klar. Schließlich ging es am Dienstagabend um Hochwasserschutz. Deshalb wurde auch im Manfred-Bezler-Saal beraten, der Platz für alle Zuhörer bot.

Die Überschwemmungen vom Mai 2016 waren verheerend und sind allen Steinheimern noch gut im Gedächtnis geblieben. Sie sind aber nicht der einzige Grund, warum das Thema vielen unter den Nägeln brennt: Auch seit dem Mai 2016 kommt es immer wieder in Teilen des Ortes zu kleineren Überschwemmungen oder vollgelaufenen Kellern. Zudem sind ganze Gebiete in Steinheim auf der Hochwassergefahrenkarte als potenzielle Überschwemmungsflächen ausgezeichnet – also als solche, auf denen nicht gebaut werden darf. Auch das zu ändern, ist Ziel der Schutzmaßnahmen, die bereits seit deutlich mehr als zwei Jahren immer wieder Thema sind.

„Zu viel Theorie“

Gestern endlich hat sich der Gemeinderat dazu entschlossen, die Planungen auf einen Ausbau bzw. eine Erweiterung des Kanalnetzes zu konzentrieren. Zu Gast im Gemeinderat waren erneut Fachplaner der Büros Kobus und Partner und Bäuerle, die unterschiedliche Möglichkeiten vorstellten. Zu diesen Möglichkeiten gehörte auch ein Hochwasserrückhaltebecken im Wental, dessen Gesamtkosten sich in Kombination mit den ohnehin notwendigen Kanalerweiterungen allerdings auf 6,4 bis neun Millionen Euro summieren könnten.

Sinn und Zweck eines weiteren großen Rückhaltebeckens erschloss sich längst nicht allen Gemeinderäten. Christoph Müller (FWV): „Das alles ist zu viel Theorie.“ Steinheim brauche praktische Lösungen, die ihren Zweck erfüllen. „Kein Steinheimer erwartet von uns, dass wir Bollwerke für ein Gewässer bauen, das wir gar nicht haben.“ Dem schloss sich auch Mathias Brodbeck (FWV) an: „Das alles bewirkt wenig gegen das, was wir 2016 erlebt haben.“

Ein weiteres Argument gegen ein Hochwasserrückhaltebecken lieferte Bernhard Keim vom Büro Kobus und Partner: Bis ein solches Bauwerk genehmigungsfähig sei, müsse man nicht mehr von Monaten, sondern vielmehr von Jahren sprechen.

Der Gemeinderat beschloss, die Planungen für eine Erweiterung des Kanalnetzes voranzutreiben, beginnend mit dem Schnaitheimer Weg, um die Seitenstraßen schnellstmöglich zu entlasten. Ebenfalls sollen in der Albuchstraße, die ohnehin saniert werden muss, größere Kanäle eingebaut werden.

Gibt es Geld vom Land?

Das Land fördert zwar Hochwasserschutzmaßnahmen, dies gilt laut Udo Bäuerle allerdings nicht für Kanalarbeiten – normalerweise. „In Steinheim lässt sich das eine vom anderen aber nicht trennen“, so der Experte. Deshalb habe es Vorgespräche beim Regierungspräsidium Stuttgart gegeben. Das Ergebnis: Von den nun zu planenden Hochwasserschutzmaßnahmen inklusive der Kanalarbeiten werden die Maßnahmen, die ohnehin von der Gemeinde laut Allgemeinem Kanalisationsplan vorgesehen waren, abgezogen. Der Betrag, der übrig bleibt, soll als Hochwasserschutzmaßnehme anerkannt und mit bis zu 70 Prozent bezuschusst werden.

Der Betrag, den Bäuerle für die Ausweitung des Kanalnetzes ungefähr veranschlagt hat, liegt bei etwa 6,2 Millionen Euro reiner Baukosten. Darin nicht enthalten ist allerdings beispielsweise die Verlegung von Leitungen oder Kabeln.

Auf Steinheim könnten zweistellige Millionenbeträge für einen besseren Hochwasserschutz zukommen. Außerdem ist nun klar: Die Kanäle wurden nach dem Mai 2016 doch nicht gespült.

Klein, aber konkret

Neben den großen angelegten Schutzmaßnahmen, die am Dienstagabend besprochen wurden, ist die Gemeinde auch bereits im Kleinen tätig geworden:

Für den Bereich zwischen Höllental und Königsbronner Feld werden derzeit Möglichkeiten geprüft, wie das Hangwasser künftig abgeleitet werden kann. Ein Planungsbüro ist damit bereits beauftragt worden.

Einen Vorschlag aus der Flussgebietsuntersuchung, der das Höllental betrifft, hat die Gemeinde aufgegriffen und angepasst: Anstatt eines vier Meter hohen Damms zum Tal hin will man sich auf den unteren Bereich zur Bebauung hin konzentrieren. Laut Weise fließe bei Regen zu häufig das Wasser in den bereich des Weißdornwegs. Das Grundstück bei der dortigen Wendeplatte gehört der Gemeinde. Hier soll ein kleinerer Wall aufgeschüttet werden, um das Wasser künftig zurückzuhalten und umzuleiten.

Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung einstimmig damit, eine Planungsfirma für die Ausarbeitung zu beauftragen.