Herbrechtingen Herbrechtinger für German Design Award 2019 nominiert

Richard Weber hat einen Golfring kreiert. Dafür wurde er für den German Design Award nominiert.
Richard Weber hat einen Golfring kreiert. Dafür wurde er für den German Design Award nominiert. © Foto: Markus Brandhuber
Herbrechtingen / Günter Trittner 08.05.2018
Richard Klaus Weber ist mit seinem Golfring für den German Design Award 2019 nominiert worden. Die Manufaktur für die Schmuckstücke mit der ungewöhnlichen Gestaltung steht in Anhausen.

Was macht den Golfball zu einem Schmuckstück? Seine Grübchen. Und wer macht den Golfball zu einem Schmuckstück? Richard Klaus Weber. Entsprechend hat der Heidenheimer sein vor zwei Jahren gegründetes Unternehmen Stylish Dimples genannt.

Für würdig befunden

In Anhausen an der Mahlbergstraße hat der 60-Jährige seine Manufaktur eingerichtet. Hier fertigt er in Einzelstücken seinen Golfring, dessen Design-Idee so ungewöhnlich und ins Auge stechend ist, dass er für den German Design Award 2019 nominiert worden ist. „Damit hab ich nicht gerechnet“, sagt Weber. Umso mehr hat es ihn gefreut, vom Deutschen Rat für Formgebung für würdig befunden worden zu sein, zur Gruppe der möglichen Preisträger zu zählen. „Ihre Gestaltungskompetenz ist uns besonders aufgefallen“, heißt es in der Mitteilung dieses Gremiums.

Hartes Stück Entwicklungsarbeit

Seit fünf Jahren fertigt Weber Ringe. Seit zwei Jahren wandelt er Golfbälle dazu um. Weber schneidet einen schmalen Streifen der Außenhaut des Golfballs aus, verringert seine Stärke auf 1,5 Millimeter und fasst diesen in einem kompakten Ring aus Edelstahl. Was einfach klingt, war ein hartes Stück Entwicklungsarbeit und hat nicht nur Weber, sondern auch zwei befreundete Ingenieure beschäftigt. Diese haben für die Herstellung eigens mechanische Werkzeuge entwickelt. Sieben Arbeitsschritte sind es insgesamt, mehr möchte Weber nicht sagen. Denn mit dem Golfring ist Weber allein auf dem Markt.

Nochnals Unternehmer geworden

„Das macht kein normaler Mensch“, schmunzelt Weber über sich und sein Wagnis, im gesetzten Alter noch als Unternehmer selbstständig zu werden und dafür auch eigenes Geld in die Waagschale zu legen. Nach seiner Lehre zum Uhrmacher in Heidenheim war Weber 40 Jahre international und in verschiedenen Funktionen in der Juwelierbranche tätig. Mit 52 hat er in Hildesheim nochmals die Schulbank gedrückt und ein Zertifikat als IHK-Betriebswirt erworben.

Personalisierung möglich

Eigentlich dienen die Grübchen (Dimples) beim Golfball dazu, dessen Flugeigenschaften zu verbessern. Beim Golfring definieren sie dessen Erscheinungsbild. Weber macht darüber hinaus eine individuelle Personalisierung möglich. Er schneidet den Streifen so aus, dass das Emblem des Balls mit auf den Ring kommt. Das kann das Logo des Herstellers sein, das des Golfclubs sein oder jedes beliebige Wappen oder Emblem, das für diesen Fall auf den Ball gedruckt wird. Ringstärken bis neun Millimeter hat Weber schon gefertigt, damit die Grafik auf dem Ring ihre ganze Ausstrahlung behält. Auch Veredelungen sind möglich. Den gewölbten Edelstahlrand kann Weber auch mit Edelsteinen besetzen. „Auch Platin ist als Material denkbar.“

Weber hat Freude gefunden am Ringbauen. „Was ich vor 40 Jahren an Technik und Materialwissen gelernt habe, auf das kann ich jetzt alles wieder zurückgreifen.“

Kunden in vielen Ländern

Golfringe gefallen nicht nur Golfspielern, wenngleich diese als Kunden naheliegen. Weber verkauft inzwischen Ringe in die Schweiz, nach Österreich, in die Niederlande und seit vergangenem Jahr nach England. „Am liebsten in die ganze Welt“, drückt Weber seine Hoffnung aus, dass sein junges Unternehmen Stylish Dimples weiter wächst. „Es ist ja erst der Anfang.“ Oder um beim Golf zu bleiben: Der Ball ist im Spiel.

Erweiterungen denkbar

Der „Einzelgänger“ Weber, der in Heidenheim in seiner Jugend das Fechten gelernt hat, ist sich bewusst, dass sein Unternehmen nur in kleinen Schritten wachsen kann. Dessen Namen hat er sich jedenfalls schon mal schützen lassen. Und es fehlt auch nicht an weiteren Ringideen. Für den Golfball gibt es als Erweiterung den Birdie Chance. Bei diesem Ring kann man das Inlay wechseln.

Design Award: Ein Preis, der etwas kostet

Die Gründung des Rats für Formgebung im Jahr 1953 war eine Reaktion auf die heftige Kritik an der Präsentation deutscher Produkte auf der New Yorker Exportmesse im Jahr 1949. Von der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag war die Initiative dazu ausgegangen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte auch die WMF in Geislingen. Der Rat für Formgebung hat die Rechtsform einer gemeinnützigen Stiftung, ist politisch unabhängig und arbeitet als Interessenvertretung für designorientierte Unternehmen. Die Stiftung hat mehr als 280 Mitglieder aus den Bereichen Wirtschaft, Design, Verbände und Institutionen. Heute gehört die Institution zu den weltweit führenden Kompetenzzentren für Kommunikation und Wissenstransfer im Bereich Design.

Der German Design Award wird von der Stiftung seit 2012 verliehen. Er zeichnet innovative Produkte und Projekte, ihre Hersteller und Gestalter der deutschen und internationalen Designbranche aus. Am Wettbewerb können ausschließlich Beiträge teilnehmen, die dazu nominiert wurden. Bewertungskriterien zur Nominierung sind beispielsweise: Gesamtkonzept, Nachhaltigkeit, Ästhetik, Langlebigkeit. Anders als bei Preisverleihungen üblich, bekommen Nominierte und Gewinner kein Preisgeld, sondern müssen sogar eine Teilnehmergebühr zahlen.

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