Heidenheim Erhöhte Radon-Werte im Kreis Heidenheim werfen Fragen auf

Heidenheim / Thomas Zeller 06.06.2018
Bei zwei Studien sind in der Region Heidenheim hohe Konzentrationen des radioaktiven Edelgases gemessen worden, in der Gemeinde Steinheim und in einer Schule in Heidenheim.

Seit Anfang des Jahres gibt es ein neues Strahlenschutzgesetz. Es tritt bis Jahresende in Kraft. Teil des Gesetzes ist der Schutz vor Radon. Dieses natürlich auftretende radioaktive Gas kann in der Raumluft gesundheitsgefährdende Konzentrationen erreichen.

Genauer gesagt gilt das Edelgas sogar als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland. Etwa 260 Menschen sterben nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz jedes Jahr in Baden-Württemberg, weil sie Radon ausgesetzt waren. Damit sei das Edelgas tödlicher als die Folgen von Asbest- oder Dieselbelastungen.

(Anmerkung zur Karte: Um die Werte angezeigt zu bekommen, mit der Maus auf das jeweilige Gebiet klicken, auf dem Handy antippen)

Um sich auf das neue Strahlenschutzgesetz vorzubereiten, hat das Land mehrere Untersuchungen und Recherchen zur Radonbelastung beauftragt. Bei einer Recherche des Radon-Labors in Karlsruhe für das Umweltministerium fällt vor allem die Gemeinde Steinheim am Albuch auf. Sie wird in dem Abschlussbericht sogar besonders erwähnt, weil hier ein Radonwert von 1149 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) gemessen wurde. Der Referenzwert, den das neue Gesetz ab 2019 vorgibt, liegt übrigens bei 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft.

Nicht informiert

Der Steinheimer Bürgermeister Olaf Bernauer zeigte sich über die Untersuchungsergebnisse überrascht. Die Gemeinde sei bisher darüber noch nicht informiert worden. „Wir werden aber weitere Maßnahmen prüfen.“ Dabei lohnt ein Blick in die Methodik der Radon-Recherche. In der Gemeinde wurden elf Messungen in fünf Gebäuden durchgeführt. In die Auswertung seien dann aber aus Gründen der bundesweiten Vergleichbarkeit der Daten nur die Messungen in einem Gebäude einbezogen worden, sagt der Leiter des Karlsruher Radon-Labors Ingo Fesenbeck. Für die Gemeinde gebe es keinen Grund zur Panik, weitere Messungen könnten durchaus belegen, dass die Radon-Belastung im Schnitt deutlich niedriger sei.

Etwas anders sieht die Lage in Heidenheim aus. Bei den Messungen liegt die Stadt zwar unter dem Referenzwert des neuen Strahlenschutzgesetzes. Im Vergleich zu anderen Gemeinden im Kreis findet sich hier aber dennoch vergleichsweise viel Edelgas. Zwischen 101 und 300 Bq/m³ soll die Belastung laut den Untersuchungen liegen. Zudem seien hier Messreihen in zehn Gebäuden als statistische Grundlage herangezogen worden, so Fesenbeck. Mediziner gehen davon aus, dass sich das Lungenkrebsrisiko proportional zur steigenden Radon-Konzentration erhöht. Ein Beispiel: Ein Mensch, der dauerhaft einer Radon-Konzentration von 100 Bq/m³ ausgesetzt ist, hat im Vergleich zu einer Person, die nie Radon ausgesetzt ist, ein um rund zehn Prozent höheres Lungenkrebsrisiko.

Dennoch bleibt die Stadt Heidenheim bei dem Thema zunächst gelassen. „Wir haben hier noch nie nach Radon gesucht und auch das von uns regelmäßig mit Gutachten beauftragte Ingenieurbüro hält das nicht für erforderlich, weil Heidenheim durch unseren Jurakalk-Untergrund kein Risikogebiet ist“, sagt Pressesprecher Wolfgang Heinecker.

Zu hohe Werte in einer Schule

Beunruhigend sind in diesem Kontext aber die Ergebnisse einer weiteren Untersuchung des Karlsruher Institutes für Technologie. Bei „Radon in Schulen“ wurde die Belastung in Schulgebäuden gemessen. Dabei fiel eine Schule in Heidenheim besonders auf, weil hier der Referenzwert des neuen Strahlenschutzgesetzes überschritten wurde. Aus Datenschutzgründen verweist Studienleiter Ingo Fesenbeck auf die Schulträger, die über die Ergebnisse informiert worden seien. Sowohl die Stadtverwaltung Heidenheim, das Landratsamt und die Leitung der freien Evangelischen Schule teilen jedoch mit, dass Schulen in ihrer Trägerschaft sich nicht an der Studie beteiligt hätten. Die weiteren privaten Schulträger in der Stadt reagierten nicht auf wiederholte HZ-Anfragen.

Insgesamt stehen die Zeichen aber auf mehr Transparenz. Zum einen arbeitet das Bundesamt für Strahlenschutz an einer neuen bundesweiten Radonkarte für Deutschland. Dafür werden zurzeit Tausende Messungen durchgeführt, darunter einige auch im Landkreis. Zum anderen wird Baden-Württemberg nach Aussagen von Umweltstaatssekretär Andre Baumann ab dem kommenden Jahr Gebiete mit erhöhter Radonbelastung ausweisen. In diesen sind öffentliche und private Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, regelmäßig Messungen durchzuführen und die Ergebnisse den Behörden zu melden.

Interview mit Umweltstaatssekretär Andre Baumann:

Messmethoden im Überblick

Um die Radon-Belastung in einem Gebäude zu messen, können Eigentümer auf drei verschiedene Wege setzen.

Der Einsatz von Fachleuten, besonders ausgebildeten Sachverständigen, ist sicherlich die bequemste aber auch teuerste Variante.

Die Nutzung von passiven Messgeräten ist im Vergleich zwar günstiger, dafür aber etwas aufwändiger. Dabei werden so genannte Radon-Detektoren eingesetzt, die man für einen Zeitraum von drei bis zwölf Monaten an einer bestimmten Position im Gebäude aufstellt.

Die Geräte können bei Spezialanbietern im Internet gemietet und müssen nach der Messung zur Auswertung zurückgeschickt werden. Die Kosten beginnen ab etwa 40 Euro.

Aktive Messgeräte sind noch relativ neu am Markt. Sie sind für Heimanwender gedacht und zeigen die Radonkonzentration direkt an. Sie sind ab 200 Euro erhältlich. tz

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