Heuchlingen / Karin Lorenz Gegen eine Holzplantage bei Heuchlingen hatte sich der Gerstetter Gemeinderat Ende vergangenen Jahres ausgesprochen. Die Ablehnung stellte sich allerdings als rechtswidrig heraus und musste korrigiert werden. Nun hofft man auf ein Nein vom Landratsamt zur Plantage.

Auf einer Kurzumtriebsplantage wird Holz als nachwachsender Rohstoff innerhalb kurzer Zeit gewonnen, drei bis zehn Jahre wachsen die Pflanzen dort zumeist. Das geschlagene Holz wird dann üblicherweise zu Hackschnitzeln und Holzpellets verarbeitet. Ein Antrag auf Aufforstgenehmigung für eine solche Kurzumtriebsplantage war auf einem Flurgrundstück in der Nähe des Bolzplatzes im Bereich „Hinter den Gärten“ in Heuchlingen gestellt worden.

Im November hatte man im Gemeinderat über den Antrag abgestimmt. Mehrheitlich war man dabei der Meinung, dass eine solche Kurzumtriebsplantage an dieser Stelle nicht erwünscht ist. Befürchtet wurde eine Verschlechterung des Landschaftsbilds. Die neuen Pflanzen könnten den Obstbaumgürtel am Ortsrand von Heuchlingen optisch stören, so die Begründung. Auf dem betreffenden Grundstück selbst stehen allerdings keine Obstbäume – es handelt sich um ein reines Wiesengrundstück, etwas mehr als halb so groß wie der benachbarte Bolzplatz.

Von Seiten des Landwirtschaftsamts wurde dem Gemeinderat nun nahe gelegt, die ablehnende Entscheidung zu revidieren – die Ablehnung sei rechtswidrig, da die Gemeinde lediglich städtebauliche Gründe zur Versagung vorbringen dürfe. Um mögliche Schadensersatzforderungen auszuschließen, empfahl das Landratsamt, den Beschluss von November zu korrigieren. Dieser Empfehlung folgte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, obwohl man der Plantage weiterhin mehrheitlich ablehnend gegenübersteht. Vom Landratsamt erhielt man jedoch die Zusicherung, dass die vorgebrachten Bedenken hinsichtlich des Landschaftsbilds durch ebenfalls geäußerte Einsprüche des Fachbereichs Naturschutz beim Landratsamt behandelt werden.

Im Gemeinderat hofft man deshalb nun, dass die Aufforstungsgenehmigung seitens des Landratsamts verweigert wird. „Nachhaltigkeit ja,“ kommentierte Bürgermeister Roland Polaschek, „aber es ist nicht an jeder Stelle richtig.“ Einzig Werner Häcker (FWV) sprach sich für die Kurzumtriebsplantage aus und plädierte dafür, die Paulownia-Pflanzen, die der Antragsteller anpflanzen möchte, nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung der Landschaft zu sehen.

Die Paulownia ist ein anspruchsloser sommergrüner, laubabwerfender Baum, der bis zu 15 Meter groß werden kann und von Schädlingen gemieden wird. Die ursprünglich aus Asien stammende Pflanze ist vor allem in China wegen ihres hochwertigen Holzes und ihrer schönen Blüten beliebt und gilt als Symbol des Glücks. Aufgrund der großen Stabilität und Leichtigkeit wird ihr Holz als das „Aluminium unter den Holzarten“ geschätzt, wie in diverser Fachliteratur zu erfahren ist.

In Deutschland allerdings ist die Paulownia überwiegend für die Biomasseproduktion gefragt, denn die Baumsorte weist ein enormes Stammwachstum von bis zu drei Metern pro Jahr auf. Nach der Ernte treibt die Paulownia wieder neu aus, muss also nicht erneut angepflanzt werden. Benannt ist die Pflanze in Europa nach der Kronprinzessin und späteren niederländischen Königin Anna Pawlowna, der Tochter des russischen Zaren Paul I. In den Alpen ist sie unter dem Namen „Kaiserbaum“ bekannt, weil sie angeblich der Lieblingsbaum von Kaiser Franz Joseph war.