Ochsenberg Draufgeblickt (24) Einst Bunker, heute Stromlieferant

Blick auf ein Waldstück bei Ochsenberg: Wo die Bundeswehr einst Munition in Bunkern und Hallen lagerte, ist heute ein Solarpark mit 40 000 Modulen zu finden.
Blick auf ein Waldstück bei Ochsenberg: Wo die Bundeswehr einst Munition in Bunkern und Hallen lagerte, ist heute ein Solarpark mit 40 000 Modulen zu finden. © Foto: Fotos: Geyer-Luftbild
Ochsenberg / Laura Strahl 28.08.2018
Auf dem Gelände des Ex-Munitionsdepots bei Ochsenberg steht heute ein Solarpark. Für die Nutzung des Areals gab es aber auch einige andere Ideen.

Ein Munitionslager in Ochsenberg? Schon lange nicht mehr: 1998 stellte die Bundeswehr den Betrieb auf dem rund zwei Kilometer vom Ort entfernten Gelände ein. Gleich zweimal wurden die knapp 40 Bunker und elf Lagerhallen seither zum Streitfall.

Immer ging es um die Frage: Soll das 47 Hektar große Areal wieder aufgeforstet werden oder lohnt sich eine andere Nutzung? Die Landesforstverwaltung, von der der Bund die Fläche seit 1966 gepachtet hatte, wollte freilich Bäume wachsen sehen und alle vorhandenen Gebäude entfernen lassen. Einem Königsbronner Unternehmer und Gemeinderat aber schwebte anderes vor. Er kam 1999 auf die Idee, das frühere Munitionsdepot als Gewerbegebiet zu nutzen. Voith, Zeiss und die Hochschule Aalen zeigten Interesse. Die Landesforstverwaltung aber wollte an ihrem Rückbaukonzept festhalten – es wurde hart verhandelt. Tatsächlich durchgesetzt haben sich am Ende örtliche Landwirte. Sie bekamen Anfang 2000 den Zuschlag und durften in den darauf folgenden Jahren einen Teil der Hallen im vorderen Bereich des Grundstücks als Lager- und Unterstellmöglichkeit nutzen.

Zähes Ringen mit den Förstern

2009/10 stand dann erstmals eine ganz neue Idee im Raum: ein Solarpark für 20 Millionen Euro. Die Umsetzung dieses Vorhabens gestaltete sich dann allerdings schwieriger als gedacht. Wegen eines altbekannten Problems: Die Landesforstverwaltung bestand erneut darauf, das Gelände aufzuforsten. Und obwohl die Gemeinde Interesse an den Solarparkplänen zeigte, schafften die Forstleute kurz darauf Fakten und starteten mit dem Abbruch der Bauten. Was folgte, war ein zähes Ringen zwischen Gemeinde und Forstverwaltung. Auch der Kreistag beschäftigte sich schließlich mit dem Thema – das nach mehreren Jahren schließlich in einem Kompromiss endete. Die ENBW durfte ab Februar 2014 auf einer kleineren Fläche mit dem Bau der Solaranlage beginnen.

Und dann ging es plötzlich schnell: Innerhalb von wenigen Monaten wurden 40.000 Module mit 250 Watt installiert. Schon im Mai 2014 ging die Anlage (Nennleistung: zehn Megawatt) in Betrieb. Zu diesem Zeitpunkt war noch eine Bürger-Energiegenossenschaft geplant, es gab zwischen 30 und 40 Interessenten. Im November aber war diese Idee wegen neuer gesetzlicher Vorgaben dann aber schon wieder vom Tisch.

Heute ist der Solarpark, der Strom für rund 3000 Haushalte produziert, in Besitz der Stadt Marbach sowie der Stadtwerke in Esslingen und Weinheim. Sie halten je ein Drittel der Anteile.

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