Herbrechtingen / Günter Trittner  Uhr
Die Firma vergrößert ihren Standort im Vohenstein um eine große Produktionshalle. Es soll effizienter gearbeitet werden. Die Mitarbeiter erwarten helle Arbeitsplätze.

Thomas Beckh ist nicht nur darin ein schwäbischer Unternehmer, dass er sich in Zurückhaltung übt. Als „völlig unspektakulär“ bezeichnet er des Neubauvorhaben im Vohenstein, wo die von ihm geführte Max Schlatterer GmbH & Co. KG bereits seit 1996 einen zweiten Standort hat neben dem Stammsitz an der Alten Ulmer Straße.

Seit einigen Tagen bereits wird der Baugrund für eine 8000 Quadratmeter große Halle vorbereitet, die in ihrem Ausmaß das bestehende Gebäude noch etwas übertreffen wird. Auf die eingeschossige Produktion wird zur Straßenseite hin ein kleiner zweistöckiger Verwaltungstrakt aufgesetzt. In den Neubau wird zu Teilen die Fertigung von Antriebs- und Transportbändern von der Ulmer Straße umziehen.

Mehr Effizienz

Bei Schlatterer verspricht man sich davon kürzere Wege und damit eine höhere Effizienz in der Produktion, eine verbesserte Wertschöpfung und für die Mitarbeiter angenehmere Arbeitsbedingungen. Große Oberlichter im Dach werden für viel Tageslicht in der Produktion sorgen. „Industriearchitektur für Menschen“, sagt man bei Schlatterer.

Was den Energieverbrauch betrifft, möchte man die gesetzlichen Vorgaben übertreffen. „Es geht auch um eine nachhaltige und ressourcenschonende Produktion“, sagt Thomas Beckh.

Seit 71 Jahren fertigt das Unternehmen unter dem Markennamen Esband Endlosbänder. In Nischenbereichen ist man groß geworden und in weiten Teilen der Welt unterwegs. In über 100 Ländern finden sich Kunden des Unternehmens. Die bei Esband in einem Jahr gewobenen Bänder reichten einmal um die Welt – „mit einer kleinen Schleife dran“, wie es Stefan Renner aus der Geschäftsleitung formuliert. Auch wenn Thomas Beckh eine Weltmarktführerschaft bestreitet – was die Qualität der eigenen Produkte anbetrifft, möchte man bei Esband durchaus Standards für den Weltmarkt setzen.

Nach und nach haben sich in dem Industriegebiet an der B 19 immer mehr Unternehmen angesiedelt. Noch heute wächst es stetig, zwei Firmen haben derzeit Erweiterungspläne.

Thomas Beckh ist auch darin in schwäbischer Unternehmer, dass er Innovation als Kraftquelle eines Unternehmens begreift. So endlos das Band, so endlos scheinen auch die Varianten, die Esband anbieten kann. „Wir haben keine Standardprodukte“, sagt Beckh, „wir entwickeln zusammen mit dem Kunden das Produkt, das er braucht.“ Diese Kunden können aus vielen Branchen kommen, in denen ein Band für den Transport, für Antrieb oder für einen Prozess sorgen soll: aus der Lebensmittelindustrie, aus der Verpackungs- und für Esband spezifisch aus der Tabakbranche.

Gefordert weiß man sich in Herbrechtingen, wo die Gurtweberei seit Jahrzehnten einen Schwerpunkt hat, auch beim Innovationstempo. „Was heute als Hightech gilt, ist in zehn Jahren veraltet“, weiß Stefan Renner.

Umzug 2020

Ende Juni soll der Spatenstich für den Neubau erfolgen, Ende 2020 soll der Umzug von statten gehen. Ein Teil der Fertigung von Antriebs- und Transportbändern wird noch an der Ulmer Straße bleiben. „Zu teuer“, beantwortet Beckh die Frage, warum die Ulmer Straße nicht vollständig aufgegeben wird. Allerdings, auf dem Grundstück des Neubaus hin zur benachbarten Paul Hartmann AG gibt es noch Reserven für weitere Bauabschnitte. Auch darin scheint Thomas Beckh ein typischer schwäbischer Unternehmer: überstürzt wird nichts.

Unternehmen seit 1948 in Familienbesitz

Mit 750 Mitarbeitern ist die Firma Max Schlatterer der zweitgrößte Arbeitgeber in Herbrechtingen. 1948 wurde das Unternehmen gegründet, das seither von der Eigentümerfamilie geführt wird.

Unter der Marke Esband wird ein nach Unternehmensangaben revolutionäres Endlosband vertrieben, das ohne die typische Schwachstelle, die Verbindung, auskommt. Die absolute Homogenität bewirke ausgezeichnete Laufeigenschaften und hohe Standzeiten.

Esbänder erfüllen vielfältige Aufgaben. Bei Schlatterer bietet man Lösungen für die Bereiche Lebensmittel, Verpackung und Papier. Typische Einsatzorte für die letzte Sparte sind Druckmaschinen, Kopierer und Scanner, Geldausgabe- und Fahrkartenautomaten. Im Bereich Verpackung werden Vakuumriemen in Form-, Abfüll- und Verschlussmaschinen, sogenannten Schlauchbeutelmaschinen, eingesetzt. Im Bereich Lebensmittel sorgen Separatorenbänder für Trennungsprozesse bei Fleisch.