Herbrechtingen Pistorius-Schule platzt aus allen Nähten

Oktober 2003: Die Bauarbeiten an der Pistoriusschule laufen auf Hochtouren. Für 120 Kinder ist die Schule gedacht. Mittlerweile sind über 190 eingeschult. Die Schule platzt aus allen Nähten. Im Zuge der regionalen Schulentwicklung soll es einen Neubau geben.
Oktober 2003: Die Bauarbeiten an der Pistoriusschule laufen auf Hochtouren. Für 120 Kinder ist die Schule gedacht. Mittlerweile sind über 190 eingeschult. Die Schule platzt aus allen Nähten. Im Zuge der regionalen Schulentwicklung soll es einen Neubau geben. © Foto: Archiv
Herbrechtingen / Günter Trittner 16.05.2018
Wegen Platznot muss das Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum auslagern. Derzeit besuchen 193 Schüler die Einrichtung für Kinder mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen, die nur für 120 gedacht ist.

Die Förderschule in Bolheim und die Arthur-Hartmann-Sprachheilschule in Heidenheim ziehen unter das Dach der Pistoriusschule. Dieses Ziel eines großen Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ), das der Schulentwicklungsplan des Landkreises vorsieht, könnte bereits ab kommendem Schuljahr Wirklichkeit werden.

An allen drei Schulen haben Eltern und Lehrer bereits geschlossen ihre Zustimmung signalisiert. Die Stadt Herbrechtingen hat aktuell auf dem Weg eines nichtöffentlich vom Gemeinderat beschlossenen Antrags die Landkreisverwaltung gebeten, die Trägerschaft über die Förderschule in Bolheim (SBBZ Lernen) zu übernehmen. Pistoriusschule und Arthur-Hartmann-Schule sind seit Beginn Einrichtungen des Landkreises.

Effiziente Schulstandorte sichern

Das Vorhaben, aus den drei Einheiten ein großes SBBZ zu bilden, folgt den Vorgaben des Kultusministeriums zur regionalen Schulentwicklung. Darin ist als ein Ziel definiert, „im Interesse aller Beteiligten langfristig leistungsstarke und effiziente Schulstandorte zu sichern, gerade auch in ländlichen Gebieten.“

Seit vielen Monaten arbeitet in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt Göppingen eine Lenkungsgruppe auf das SBBZ hin. Die Stadt Herbrechtingen ist an dieser Gruppe mit Vertretern der Verwaltung und des Gemeinderats beteiligt.

Mehr Platz für alle

Viele Gründe sprechen für ein großes SBBZ. Sowohl bei der Arthur-Hartmann-Schule in Heidenheim wie bei der Förderschule in Bolheim ist seit vielen Monaten die Stelle der Schulleitung nicht mehr besetzt. In Bolheim kommt hinzu, dass die Förderschule bei den Schülerzahlen nachlässt und ihre selbstständige Existenz auf Dauer gefährdet erscheint. Wird doch in absehbarer Zeit eine Rechtsverordnung des Landes erwartet, in der eine Mindestschülerzahl definiert wird. Durch die Einbindung des SBBZ Lernen in die Pistoriusschule kann der Standort erhalten bleiben. Gleichzeitig zeichnet sich bei der im selben Haus untergebrachten Buchfeld-Grundschule ab, dass sie zweizügig wird und mehr Platz benötigt.

Der entscheidende Anlass zum Handeln liegt aber in der Pistoriusschule selbst. Die Schule für Kinder mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen nimmt Kinder aus dem gesamten Landkreis auf. Vor fast 20 Jahren galt bei der Planung des Schulneubaus im Bibris eine Schülerzahl von 120 als Richtschnur. So viele Kinder wurden im ersten Schuljahr 2004/05 auch eingeschult. Derzeit besuchen aber 193 Kinder in den Klassen 1 bis 9 diese Einrichtung – und dies mit seit Jahren steigender Tendenz. Erwartet werden für den Herbst vier Eingangsklassen.

Nach einem Grundstück wird geschaut

Der Plan für das große SBBZ sieht im Weiteren vor, dass die Pistoriusschule ihre gesamte Grundstufe nach Heidenheim umzieht. Im Umfeld der Arthur-Hartmann-Schule wird bereits nach einem Grundstück geschaut. Direkte Nachbarn sind hier die städtische Rauhbuch-Grundschule, welche die Heidenheimer Stadtverwaltung erweitern möchte, und die evangelische Grundschule, so dass zusammen ein großes Grundstufenzentrum entstehen könnte.

Auf der anderen Straßenseite liegt in Sichtweite mit der von der Nikolauspflege betriebenen Königin-Olga-Schule für blinde, sehbehinderte und mehrfachbehinderte Kinder noch ein weiteres SBBZ mit dem Schwerpunkt Sehen.

Selbst wenn in Heidenheim ein Baubeginn im Jahr 2019 anvisiert wird, braucht die Pistoriusschule eine Übergangslösung. Diese könnte sich mit der Lindenbergschule in Bolheim bieten. Für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren möchte sich die Pistoriusschule dort einmieten. Bürgermeister Dr. Bernd Sipple, bestätigt die laufenden Verhandlungen mit dem Landkreis. Es seien aber noch einige Fragen zu lösen, die damit zusammenhängen, dass die Stadt ihrerseits im Untergeschoss einen Kindergarten plant. Es dürfe nicht sein, dass die Schüler über den Kindergarten ins Haus gehen, zitiert Sipple rechtliche Vorgaben. Zudem habe auch in dieser Sache der Gemeinderat das letzte Wort.

Ausweichquartier ohne Lift

Der Pistoriusschule wäre gedient, wenn diese bereits im kommenden Schuljahr die vier großen Klassenräume im Obergeschoss nützen könnte. Da es in der Schule keinen Lift gibt, werden nur ältere Schüler, welche sicher Treppen steigen können, nach Bolheim wechseln.

Mit der räumlichen Entlastung würde bei der Pistorisusschule in Herbrechtingen der pädagogische Spielraum wachsen. So könnte sich für Schüler des Bolheimer SBBZ Lernen die Chance öffnen, von der Kooperation der Pistoriusschule mit der Bibrisschule zu profitieren, die gemeinsame Außenklassen betreiben. Für die Bolheimer Schule wäre das so eine Art Wiedersehen. Denn bis zur großen Schulrochade im Jahr 2010 war die Förderschule, damals noch Wilhelm-Hofmann-Schule, Teil des Bibris-Schulzentrums gewesen. Das sogenannte Herbrechtinger Kooperationsmodell mit den wechselseitigen Außenklassen gibt es seit 2004.

Zahlen zur Schule

Als ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) hat die Pistorius-Schule die Bildungsschwerpunkte geistige und motorische Entwicklung. Sie ist somit eine Schule für Menschen mit körperlichen und / oder geistigen Beeinträchtigungen. Träger der Schule ist der Landkreis Heidenheim.

Das Einzugsgebiet umfasst den kompletten Landkreis. Die Klassen 1 bis 9 werden am Standort Herbrechtingen unterrichtet, die Klassen 10 bis 12 (Berufsschulstufe) in der Außenstelle in Heidenheim. Im Schuljahr 2014/2015 haben 167 Schüler die Schule besucht, zum Schuljahr 2015/2016 waren es 185 Schüler, im laufenden Schuljahr 2017/2018 sind es 193 Schüler. Der Unterricht erfolgt in möglichst kleinen Klassen von sechs bis zehn Schülern.

Seit dem Schuljahr 2014/2015 verfügt die Pistoriusschule in Kooperation mit der Technischen Schule Heidenheim und der Sonderberufsfachschule EVA Heidenheim über eine Berufsvorbereitende Einrichtung (BVE).