Bolheim Flaschenpost vereint vier Menschen nach Jahrzehnten

Bolheim / Elena Kretschmer 24.07.2018
Durch eine Notiz aus dem Jahr 1967, die der Hausmeister gefunden hatte, kamen an der Buchfeldschule zwei am Bau beteiligte Schreiner und zwei Enkelinnen ihres damaligen Chefs zusammen.

Sandra Heers war gerade einmal zwei Jahre alt, als Heinz Fiedler sie zum letzten Mal sah. Doch als beide vergangene Woche in der Aula der Bolheimer Buchfeld-Grundschule nach 36 Jahren wieder aufeinander trafen, erkannte der 75-Jährige die Enkelin seines ehemaligen Chefs sofort: „Ist das schön. Ich weiß noch genau, wie dich dein Papa immer durch die Schreinerei getragen hat.“ Die Freude stand beiden ins Gesicht geschrieben.

Sie waren aber nicht die Einzigen, die sich dort eingefunden hatten. Denn Schulleiterin Ariane Fröhle empfing all diejenigen, die sich auf den HZ-Artikel vom 15. Juni über den Flaschenpost-Fund gemeldet hatten. Gefolgt waren der Einladung neben Hausmeister und Flaschenpost-Entdecker Bernd Lukschanderl auch Berthold Kärcher und Daniela Benz.

Der 70-jährige Kärcher ist ebenso wie Fiedler einer der Schreinergesellen, die beim Bau der Schule mitgewirkt haben. Benz ist, wie Heers auch, die Enkelin des Schreinermeisters und Flaschenpost-Verfassers Alfred Benz und gleichzeitig die heute 35-jährige Tochter des auf der Nachricht aufgeführten Gesellen Manfred Benz.

Von nichts gewusst

„Wir haben überhaupt nicht gewusst, dass Alfred den Zettel geschrieben und versteckt hat. Ich habe erst durch den Zeitungsbericht davon erfahren“, freut sich Fiedler. Er hält eine alte Ledertasche in den Händen und deutet stolz darauf: „Das war meine erste Mappe, als ich in die Lehre gekommen bin. Hier sind mein Abschlusszeugnis, mein Lehrvertrag von damals und meine Berichtshefte drin.“ Schulleiterin Fröhle entgegnet lächelnd: „Das schauen wir uns nachher noch genauer an. Jetzt würde ich Sie alle gern zu einem kleinen Rundgang einladen.“

Am Fundort der Flaschenpost erklärt Lukschanderl: „Hier stand mal eine Vitrine. Die mussten wir aus Brandschutzgründen entfernen und unten drunter haben wir die Flasche gefunden.“ Als es weitergeht in den Technikraum, schwelgen Benz und Heers eine Weile in Erinnerungen. Beide sind hier zur Schule gegangen, als diese noch eine Hauptschule war, und haben ihren Abschluss gemacht. „Ich weiß noch ganz genau, wie wir hier immer saßen“ oder „So viel hat sich eigentlich gar nicht verändert“, hörte man sie sagen. Auch auf dem weiteren Weg durch den Garten, einige Klassenzimmer, die Küche und den Hort, fragt die große Cousine die jüngere immer wieder: „War das damals schon so?“

Gern als Schreiner gearbeitet

Im Klassenzimmer 10 betrachten alle die Holzverkleidung der Decke. Fiedler erinnert sich: „Das hat alles der Zimmermann gemacht, wir waren für die Türen zuständig und alle möglichen ergänzenden Arbeiten.“ Der heute 75-Jährige war damals im siebten Jahr Geselle: „Alle Aufträge, die kamen, waren interessant. Der hier natürlich auch. Ich habe gern hier gearbeitet.“

Zurück an der Fundstelle packt Fiedler schließlich sein Mitbringsel aus. Beim Anblick der alten Dokumente geraten alle ins Schwärmen. „Ich habe auch noch von allen die Meisterbriefe zuhause, ganz toll gerahmt“, so Heers. „Und ich hab noch ganz viele Fotos von der Schreinerei“, ergänzt Benz. Der Betrieb des Opas wurde vor rund 15 Jahren verkauft. „Aber immer, wenn ich vorbeifahre, sehe ich sie noch genau vor mir“, sagt die 38-jährige Heers. Fiedler wirft ein: „Ach, dein Papa war immer so stolz auf sein Mädele.“ Ein Satz, der Heers zu Tränen rührt. Denn ihr Vater lebt nicht mehr.

Ein gelungenes Treffen

Doch am Ende des Treffens sind alle glücklich. „Besonders gefreut hat mich, Heinz nach so langer Zeit wieder zu sehen“, sagt Kärcher, „Wir sind damals schon immer gut ausgekommen.“ Dem stimmt auch Fiedler zu. Und Heers ergänzt: „Da kommt so vieles aus der Schulzeit wieder hoch, Gutes und Schlechtes, aber das ist echt witzig.“ Und auch Benz ist angetan: „Es ist beeindruckend, wie viel man tatsächlich wiedererkennt.“

Die Geschichte der Schule

Im Jahr 1826 wird die Lindenbergschule gebaut. 1904 erfolgt der erste Anbau an der Lindenbergschule und 1950 findest das Richtfest für den Schulhauserweiterungsbau eben dieser Schule statt.

1968 wird die Buchfeldschule eingeweiht. Im Jahr zuvor versteckte Schreinermeister Alfred Benz die Flaschenpost im Unterbau einer Vitrine im Schulhaus. 2009 wird die Hauptschule an die Bibrisschule nach Herbrechtingen ausgelagert. Außerdem zieht die Förderschule, heute SBBZ (Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum) in die Buchfeldschule ein.

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