Gastro Ein Wetter, das die Umsätze vermiest

Kreis Heidenheim / Catrin Weykopf 29.05.2013
Zuerst ein langer Winter, jetzt ein kalter Frühling. Das Wetter schlägt nicht nur vielen Menschen aufs Gemüt, sondern macht sich auch wirtschaftlich bemerkbar. Besonders betroffen sind Gastronomen. Doch längst nicht nur sie leiden.
Eugen Oelkuch findet klare Worte für das, was dieses Frühjahr mit seinem Umsatz passiert: „Weg ist weg“, sagt er. Oelkuch betreibt seit 35 Jahren die Minigolfanlage am Itzelberger See und an so einen schlechten Frühling wie diesen kann er sich nicht erinnern. Zwar versucht er, bei aller Trübe gelassen zu bleiben. Doch die Fakten sind nur schwer zu leugnen: „Wir haben 120 Tage im Jahr geöffnet. Wenn davon 25 schon im Frühjahr fehlen, dann ist das nicht mehr aufzuholen“, erklärt er.
 
So wie Oelkuch geht es derzeit vielen Gastronomen im Kreis. Evelyn Scherff, die Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), sagt: „Das Wetter trifft viele von uns mit voller Wucht.“ Denn die Kälte führe nicht nur dazu, dass die Biergärten geschlossen bleiben, sondern auch dazu, dass insgesamt weniger Kundschaft komme. „Wer es sich leisten kann, fährt über die langen Wochenenden und während der Schulferien noch schnell ins Warme“, hat sie beobachtet. „Und genug Touristen, die das ausgleichen, kommen zurzeit auch nicht.“

Tourismus: Besonders Radfahrer-Gruppen fehlen
 
Dass die Zahlen der Besucher derzeit alles andere als vielversprechend sind, merkt auch Monika Suckut von der Stabsstelle Tourismus des Landratsamts. „Besonders Radfahrer-Gruppen, die traditionell über die vielen Feiertage im Mai kommen, fehlen dieses Jahr“, sagt sie. Allen, die bereits angereist sind und ihre Touren abblasen müssen, empfiehlt sie, entweder die Charlottenhöhle, eines der Bäder oder ein Museum zu besuchen. „Und Wandern“, sagt sie „das geht trotzdem – da kann man sich immerhin mit Hilfe richtiger Kleidung anpassen. Auch bei Regen.“
 
Doch wer derzeit in die Mode-Geschäfte geht, der findet an den Ständern genau diese wetterfeste Kleidung gerade nicht. Denn was dort überwiegend hängt, mutet eher nach Strandparty oder zumindest Gartenfest an, denn als Schutz vor anhaltendem Nieselregen. Kein Wunder also, dass auch der Handel unzufrieden ist. „Bei dem Wetter hat ja keiner Lust 'rauszugehen und einzukaufen“, klagt der Vorsitzende des Heidenheimer Handelsvereins, Charles Simon. „Und selbst die Geschäfte in den Schloss Arkaden haben Probleme, die Sommerware zu verkaufen,“ sagt er.

Pilz im Getreide, Vitaminmangel im Gras
 
Seine Probleme mit dem Regen hat auch der Heldenfinger Landwirt Christian Ziegler, wenn auch seine Schwierigkeiten anderer Natur sind. Ziegler ist Kreisvorsitzender des Bauernverbands und er sagt: „Schon im Winter gab es kaum Tage, an denen wir unsere Arbeit draußen verrichten konnten.“ Nun, im Frühling, sehe es nicht viel besser aus. Das Gras auf den Wiesen müsse längst gemäht werden. Doch bei der anhaltenden Nässe sei das nicht möglich. Auf den Feldern mit Wintergerste und Weizen verursache die Feuchtigkeit in Verbindung mit der Kälte zudem erste Anzeichen von Pilzbefall. „Was wir bräuchten, wären wenigstens fünf Tage beständiges, trockenes Wetter“, wünscht er sich. Die fehlende Sonne, die besonders im Gras bereits zu Vitaminmangel geführt habe, könne dies jedoch auch nicht mehr wett machen.
 
Doch: Ziegler versucht sich zu trösten – und zwar mit einer Bauernregel, die besagt: „Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauer Scheun' und Fass.“ Und auch Minigolfanlagen-Betreiber Eugen Oelkuch ermuntert sich, optimistisch zu bleiben. „Was soll's“, sagt er. „Man kann es ja eh nicht ändern.“
 
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