Herbrechtingen Bis heute praktisch und flexibel: Die Buchfeldhalle wird 30

Die Buchfeldhalle wird heuer 30 Jahre alt. Der Ort ist stolz auf sie, auch wenn sie einige Macken hat
Die Buchfeldhalle wird heuer 30 Jahre alt. Der Ort ist stolz auf sie, auch wenn sie einige Macken hat © Foto: Markus Brandhuber, Sabrina Balzer
Herbrechtingen / Günter Trittner 09.02.2018
Vor 30 Jahren wurde die am Ort sehnlichst erwünschte Halle in Betrieb genommen. Und dieser ist nach wie vor stolz darauf.

Als am 27. Mai 1988 die Buchfeldhalle in Bolheim eingeweiht wurde, war das für die Bürger und vor allem für die Sporttreibenden im damals 1100 Mitglieder zählenden SV Bolheim und die Schüler ein ganz großer Tag. Seit Anfang der 80er Jahre bereits galt die Kapazität der Turnhalle in der Ortsmitte als erschöpft.

Seit 1982 wurde in Bolheim intensiv beraten, wie weiter zu verfahren sei. Ein Dorfhallenförderverein wurde eigens ins Leben gerufen. Eine Erweiterung der Turnhalle war nach mehreren Berechnungen wegen der damit verbundenen hohen Kosten verworfen worden.

Am 13. Juni 1985 beschloss der Herbrechtinger Gemeinderat mit Bürgermeister Peter Kiefner schließlich einen Neubau.

Ein Jahrhundertwerk

Für vier Millionen Mark erhielten die Bolheimer eine 47 Meter lange, 22 Meter breite und sieben Meter hohe Halle mit einen vielfältig nutzbaren Sportfeld, seitlicher Tribüne, einem Foyer und einer Teeküche. Von einem „Jahrhundertwerk“ war bei der Einweihung sogar die Rede, das sich freilich binnen weniger Jahre auch als Sorgenkind erweisen sollte.

Bereits während des Baus war die Dachkonstruktion aus 95 Kubikmeter Holz umstritten gewesen. Ende 1999 zeigten sich dann Schäden an der Abdichtung, die behoben werden mussten. Angeblich sollen diese Kinder mitverursacht haben, welche aufs Dach geklettert waren, um durch die Oberlichter zu schauen.

Risse im Holz des Dachs

Alarmiert von der Katastrophe in Bad Reichenhall, wo am 2. Januar 2006 das schneebeladene Dach der Eislaufhalle eingebrochen war und deswegen 15 Menschen starben, wurde in Herbrechtingen mit den anderen Hallen auch die Buchfeldhalle rasch einer kritischen Prüfung unterzogen. Dabei zeigte sich: Es gab Risse im Holz des Daches. Mit Metallklammern und Harz wurde wieder für Stabilität gesorgt.

Ein Jahr später musste über zwei Wochen nochmals nachgebessert werden. Es wurden weitere Befestigungen eingebaut.

Man heizt zum Fenster hinaus

In dieser Zeit fiel auch auf, wie luftig die Halle gebaut worden war. Die verwendete Glasfaserwolle dämmte nicht mehr. Die Heizkosten gingen nach oben. Stadtrat Peter Aufleger rutschte es während einer Sitzung des Gemeinderat heraus: „Es ist vermutlich das schlechteste Bauwerk, das wir haben.“ Das Dach wurde trotzdem nicht gedämmt. Dafür installierte man 2010 eine Videoüberwachung mit acht Kameras.

Vor wenigen Jahren machte die Halle von ihrer technischen Seite her nochmals Schlagzeilen. Die Heizung, welche seit 1984 die Buchfeldschule wärmt, sollte ersetzt werden. Ein im Kreis ansässiges Unternehmen wollte auf eigene eigene Kosten ein Blockheizkraftwerk einrichten. Doch der Gemeinderat lehnte im März 2010 das Energie-Contracting ab. Er wollte mehr Alternativen haben. Seither ist nichts mehr mit der Heizung passiert. „Wir behelfen uns jährlich mit Reparaturen“, sagt Dieter Frank, der Leiter des Fachbereichs Bau im Rathaus. 684?000 Kilowattstunden Gas verbrauchen Schule und Halle im Jahr. Soviel wie 81 energetisch auf dem Stand der Zeit befindliche Häuser.

Training und Wettkämpfe

Was aber der Stimmung derer nicht trübt, welche die Halle seit Jahren mit Freude nutzen. „Wir haben eine tolle Sporthalle“ sagt Schulleiterin Ariane Fröhle für ihre Kinder der Grundschule und die im selben Haus lernenden Schüler des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums. Und beim Sportverein Bolheim sieht man es nicht anders.

„Wir sind sehr zufrieden“, sagt Vorsitzender Uwe Keßler in Namen der Abteilungen, die hier trainieren und Wettkämpfe austragen. Und das sind die Turner, die Handballer, im Winter die Tennisspieler, die Wintersportler mit der Skigymnastik und die Fußballer, welche hier ihre Hallenturniere haben. „Vor allem aber sind wir als doch eher kleine Ortschaft stolz, eine solche Halle zu besitzen“, fügt Keßler an. Von Gastmannschaften höre man oft, dass sie froh wären, wenn ihnen auch solch eine Halle zur Verfügung stände.

Turner als Kunst am Bau

Gedacht war die Buchfeldhalle zu Beginn auch als gesellschaftlicher Treffpunkt. Deshalb das Foyer, deshalb die Teeküche. Kurz nach der Eröffnung hat der Gesangverein Bolheim sein 150-jähriges Bestehen hier gefeiert und die Raiffeisenbank Bolheim ihr 100-Jahre-Jubiläum. Der eingesetzte Sportboden, mit den Markierungen für Faustball, Handball, Basketball, Volleyball und Tennis führt aber zu Einschränkungen. Die alte Turnhalle ist flexibler, wenn es um Feste und Feiern geht.

Im Foyer der Buchfeldhalle hängt eine 100 auf 70 Zentimeter große Zeichnung von Hartmut Rüger. Dieser hatte der Förderverein unter dem Vorsitz von Max Brandner in Auftrag gegeben und bei der Einweihung überreicht. Der im Jahr 2002 verstorbene renommierte Künstler wählte einen Turner als Motiv. Diese Zeichnung ist die einzige „Kunst am Bau“ geblieben.