Herbrechtingen Ein Tag im Zeichen der Bergwacht

Genau wie 2017 veranstaltet die Bergwacht Herbrechtingen auch heuer wieder den „Tag der Bergwacht“ an der Bindsteinhütte im Eselsburger Tal, bei dem Interessierte die Rettungsorganisation kennenlernen und hautnah erleben können.
Genau wie 2017 veranstaltet die Bergwacht Herbrechtingen auch heuer wieder den „Tag der Bergwacht“ an der Bindsteinhütte im Eselsburger Tal, bei dem Interessierte die Rettungsorganisation kennenlernen und hautnah erleben können. © Foto: Bergwacht
Herbrechtingen / Elena Kretschmer 07.06.2018
An der Bindsteinhütte im Eselsburger Tal stellen die Herbrechtinger Ehrenamtlichen sich und ihre Arbeit vor. Denn bei der Rettungsorganisation geht es um mehr als nur das Klettern.

Seit 1971 gibt es die Bergwacht in Herbrechtingen. „Aber die Wenigsten wissen, was wir eigentlich machen. Es geht nicht nur ums Klettern“, sagt Armin Fritsche, der bei der Rettungsorganisation für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Um den Menschen näher zu bringen, was die Bergwacht alles leistet, wird seit 2016 ein Tag der Bergwacht ausgerichtet. Diesmal am kommenden Sonntag, 10. Juni.

Fritsche spricht von einem „Erlebnistag“ bei dem man die Bergwacht unverbindlich kennenlernen kann. An der Bindsteinhütte im Eselsburger Tal stehen die Einsatzfahrzeuge, im Geräteschuppen gibt es eine kleine Bilderausstellung, draußen eine Slackline und am Bindstein kann man klettern.

Dort, wie auch im Bergwacht-Alltag helfen alle zusammen. „Das Miteinander bei uns ist einfach toll“, schwärmt Fritsche. Der 56-Jährige ist seit 1979 bei der Bergwacht und leitet seit 1983 die Jugendgruppe. Außerdem kümmert er sich um die Geräte, die Fahrzeuge und die Homepage. All dies ehrenamtlich und aus voller Überzeugung.

Da anfangen, wo andere aufhören

So tun es auch die anderen Mitglieder. Rund 45 sind es an der Zahl. 20 von ihnen sind im aktiven Dienst in Herbrechtingen tätig und arbeiten eng mit der Heidenheimer Bergwacht zusammen. „Wir sind eine Rettungsorganisation und gehören zum DRK“, erklärt Fritsche. Insgesamt gibt es 19 Bergwacht-Ortsebenen in Baden-Württemberg, die „da anfangen, wo andere aufhören“, wie ein Slogan besagt. Fritsche unterstreicht dies: „Wir leisten da Dienst, wo die ,normalen Rettungsdienste€ nicht mehr weiterkommen, zum Beispiel im unwegsamen Gelände.“

Um bei einem der rund zehn Einsätze pro Jahr dabei sein zu können, bedarf es einer speziellen Ausbildung: „Ein Erste-Hilfe-Kurs ist Grundvoraussetzung und auch der Notfallmaßnahmenkurs.“ Bei den Gruppenabenden vermitteln die Ausbildungsleiter anschließend die Theorie, die man für die Grundlagenprüfung benötigt: alpine Gefahren, Orientierung im Gelände, Naturschutz und Notfallmedizin. Für die praktische Prüfung, die aus Sommer- und Winterdienstprüfung sowie Naturschutz besteht, bedarf es noch eines Zulassungslehrgangs. „Da wird festgestellt, ob man überhaupt schon bereit ist, die Prüfung abzulegen“, so Fritsche. Ist alles geschafft, gibt es eine Urkunde und einen Dienstausweis.

Etwa jedes Vierteljahr gibt es bei der Herbrechtinger Bergwacht dann eine Übung. „Da wird ein Einsatzszenario vorgegeben, es werden Rettungsaktionen durchgesprochen, die Seile aufgebaut mit Verankerung und so weiter und die Notfallversorgung geübt.“

Allzeit bereit

Alle Aktiven sind 24 Stunden einsatzbereit. Gemeinsam mit Heidenheim haben die Herbrechtinger eine Notfall-App, in der man sich an- und abmelden kann. „So kann jeder sehen, wer verfügbar ist“, erläutert der Gerstetter. „Wenn die Leitstelle uns alarmiert, bekommen wir eine Nachricht per SMS und wir sprechen uns im Chat ab, wer ausrückt. Wir müssen mindestens zu viert sein.“ Die Mitglieder fahren von Steinheim, Anhausen, Gerstetten, Heuchlingen und wo sie überall herkommen an die Hohe Wart, wo die Bergwacht Herbrechtingen seit 1996 stationiert ist. Dort schnappen sich ihr Fahrzeug und die Funkgeräte und fahren zum Einsatzort.

Je nach Unfall machen sich die Retter mit ihrer Spezialtrage, Seilen, dem Defibrillator, Steigeisen, einem Bergesack oder andere Gerätschaften auf den oftmals nicht einfachen Weg zum Verunglückten – vom Verletzten Waldarbeiter bis zum Gleitschirmflieger im Baum ist alles dabei. „Meistens müssen wir bei Sucheinsätzen helfen. Bestes Beispiel: Der Fall Bögerl.“ Für Fritsche sind vor allem Totenbergungen nicht ohne: „Wir hatten schon mal den Fall, dass ein Leichensack gerissen ist. Das mit anzusehen, ist nicht schön.“ Aber hinterher setze man sich grundsätzlich noch einmal zu einer Nachbesprechung zusammen.

Bisher noch keine Einsätze

Heuer sah es mit Alarmierungen bisher mau aus. „Das ist gar nicht so gut für uns, weil wir nur Zuschüsse vom Landesverband bekommen, wenn wir auch wirklich einen Einsatz nachweisen können“, so Fritsche. Ansonsten finanziere sich die Bergwacht Herbrechtingen über ihre Hütte im Eselsburger Tal, wo am Sonntag eben der Erlebnistag stattfindet.

Wer Interesse hat, bei der Bergwacht mitzuwirken, kann jederzeit „reinschnuppern und zu einem Gruppenabend kommen“, so Fritsche. Nähere Informationen gibt es unter www.bergwacht-herbrechtingen.de

Gruppenabende bei der Bergwacht

Das ganze Jahr über gibt es bei der Bergwacht sogenannte Gruppenabende. In Herbrechtingen finden diese immer freitags statt. Jeder Abend steht unter einem bestimmten Motto bzw. hat ein bestimmtes Thema.

Ab 20 Uhr geht es also zunächst eine bis eineinhalb Stunden um die Ausbildung, beispielsweise um Lawinenkunde, Baumrettung, Skipflege, Naturschutz und vieles mehr. Diese Abende dienen also in erster Linie der Ausbildung, aber auch um die Gemeinschaft, denn hinterher sitzt man noch zusammen und tauscht sich aus.

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