Eselsburg / Elena Kretschmer  Uhr
Das diesjährige Programm soll für die Besucher ein Urlaub vom Alltag werden. Konzerte, Workshops und Galas unter dem Sternenhimmel des Zirkuszeltes im Eselsburger Tal tragen ab 17. Mai dazu bei.

„Viele Künstler sind bei ihrem ersten Auftritt im Himmelszelt total überrascht, dass es hier – so abgelegen – eine so tolle Veranstaltungsreihe gibt“, freut sich Jörg Kresse, leitender Referent des evangelischen Jugendwerks im Bezirk Heidenheim. Gemeinsam mit Wolfgang Geiger, dem Vorsitzenden des Vereins Projekt Himmelszelt, sowie vier weiteren Verantwortlichen hat er das diesjährige Programm zusammengestellt. Dabei wird die Vielfalt großgeschrieben.

„Wir wollen jungen Leuten einen Raum geben, um sich zu entfalten, sei es durch Musik, Kleinkunst oder wie auch immer“, erklärt Geiger und betont mehrmals, dass die ursprünglich recht christliche Ausrichtung schon lange Geschichte sei. „Vor 22 Jahren war der Gedanke, Glauben nicht nur von der Kanzel herunter zu predigen, sondern ihn den Menschen auf ganz andere Weise zugänglich zu machen.“

Sechs junge Organisatoren kümmern sich heuer um die Kinder, die im Eselsburger Tal ein wenig Zirkusluft schnuppern wollen – so wie sie es einst selber taten.

Zwei Jahre später kaufte man dann einem Zirkus das gelb-rote Zelt mit dem Sternenhimmel ab, das Platz für 300 Personen bietet. Heute ist es eine ganze Zeltstadt, die aufgebaut wird. „Wir haben noch ein Bistrozelt, Zelte für die Workshops, als Umkleiden, als Eingangsbereich, sodass eben alles im Trockenen stattfinden kann. Und alle Zelte sind beheizt“, erläutert Geiger. „Wir wünschen uns ein breites Publikum und viele Teilnehmer, weil es einfach was ganz anderes ist, selber zu singen, als Artist aufzutreten oder zu organisieren, als nur zuzusehen“, ergänzt Kresse.

Um die Vielfalt gewährleisten zu können, wird bereits im Oktober mit der Planung begonnen. „Dann werden Ideen gesammelt und Anfragen durchgesehen“, so der 49-jährige Jugendreferent weiter. Wer am Ende auftreten dürfe, hänge immer davon ab, wie abgestimmt wird – „es soll eine bunte Mischung sein“.

Am 17. Mai geht es los

Heuer startet die Reihe am Freitag, 17. Mai, mit Micha Kunze und Killian Mohns, die Poetry und Klänge im Himmelszelt präsentieren. Einen Tag später steht zunächst die Schnippeldisko, ein gemeinsames Kochen und Essen gegen Lebensmittelverschwendung auf dem Programm und anschließend der Multikulti-Abend mit offener Bühne. Dieser entstand 2015 im Rahmen eines Sprachförderprogramms mit Flüchtlingen. Am Sonntag geht es weiter mit dem Familien-Mutmach-Tag, bei dem es darum geht, sich als Team verschiedenen Herausforderungen zu stellen und an diesen zu wachsen.

Am darauffolgenden Wochenende geht es am Freitag, 24. Mai, weiter mit dem Entertainer David Blair aus Kanada, der 2017 Teilnehmer bei der Fernsehsendung The Voice of Germany war. Der Sonntag steht ganz im Zeichen der Luftartistik. „Das ist eine Gruppe, die sich aus dem Kinderzirkus entwickelt hat und mittlerweile eine AG am Buigen-Gymnasium ist, in der 20 Mädels zweimal die Woche trainieren“, erklärt Geiger stolz.

Mit einem Gottesdienst im Himmelszelt, Führungen durch den neuen Hofladen und einem Kinderprogramm wurde am Pfingstmontag gefeiert.

Ein Percussion-Spektakel ist am Mittwoch, 29. Mai, mit dem Duo Double Drums geboten. Kresse nennt die beiden Münchner Trommelkünstler in einem Atemzug mit der Blue Man Group. Am Freitag startet dann ein Gospel-Workshop mit Sängerin Corry Rabus, der am Sonntag in ein Abschlusskonzert mündet.

Die Veranstaltung, bei der die Jugendlichen laut Kresse gar nicht wissen wollen, welche Bands spielen, sondern nur, wann es stattfindet, ist das Tent Ivent. Dabei handelt es sich um einen Konzertabend, laut Kresse eine Art „Mini-Festival“, das Jugendliche selbst planen und organisieren. Zu sehen sind am 7. Juni die O’Bros, ein Münchner Rapperduo, das erst vor Kurzem den größten Bandcontest Deutschlands gewonnen hat. Außerdem stehen „Barfuß“ aus Freudenstadt und „Local Lobpreis“ aus Heidenheim auf der Bühne.

Das letzte Wochenende ist thematisch wieder mehr auf den Zirkus ausgerichtet. So treten die Kinder des Zirkusworkshops zum krönenden Abschluss am Freitag, 14. Juni, bei ihrer Gala auf, bei der sie zeigen, was sie die Woche über gelernt haben. Am Samstag gibt es einen Zirkus-Workshoptag für alle ab 13 Jahren, also auch Erwachsene. Am Sonntag folgt schließlich das große Himmelszelt-Finale mit einem Familiengottesdienst.

Für die Menschen

Natürlich ist eine Veranstaltung wie diese auch mit einem enormen Aufwand verbunden. „Das ist immer ein Riesenact. Zelte aufbauen, Bühne, Licht, Ton und so weiter. Deshalb haben wir vor zwei Jahren auch mal ein Jahr Pause gemacht, weil wir nicht mehr wussten, wie wir es stemmen sollen“, so Geiger. Zum Glück hätten sich dann sehr engagierte junge Menschen gefunden, die sich für das Fortbestehen starkmachten. „Für uns ist das ein Draufzahlgeschäft, das rechnet sich eigentlich nicht. Aber wir machen es nicht des Geldes wegen, sondern für die Menschen.“ Geld komme nur dann rein, wenn die Zelte in den übrigen Monaten vermietet werden.

Bildergalerie Die Macher des Himmelszelt

Was im Himmelszelt noch geboten ist

Die Vielfalt des Himmelszeltes wird an vielen Stellen deutlich. „Wir haben im Himmelszelt schon Hochzeiten, Geburtstage, Taufen und alle möglichen Feste gefeiert, hatten die Landfrauen zu Gast und so weiter“, sagt Wolfgang Geiger freudig.

Und neben den im Text erwähnten Veranstaltungen gibt es am Dienstag, 28. Mai, einen regionalen Gebetsabend. Außerdem richtet die Mühlrad-Gemeinschaft am Pfingstmontag, 10. Juni, den Mühlrad-Freundestag aus, der mit einem Zeltgottesdienst beginnt. Nähere Informationen rund um das Himmelszelt gibt es unter www.himmelszelt.de ek