Bissingen Kinder- und Dorffest in Bissingen: Ein Ort trotzt dem Wetter

Bissingen / Daniel Buck 24.07.2018
In einer großen Gemeinschaftsleistung verlagern die Bissinger nach den Schlechtwetter-Meldungen den Festplatz und ziehen mit der Ersatzlösung das große Los.

Reihum waren übers Wochenende Feste wegen der unsicheren Wetterlage abgesagt worden. In Bissingen nicht. Allerdings mussten sich die Veranstalter einiges einfallen lassen, um das Dorf- und Kinderfest „trocken“ über die Bühne zu bringen. Schließlich waren schwere Gewitter und heftige Regenfälle in Aussicht gestellt. Kurzerhand wurde eine „Schlechtwetter-Kommission“ ins Leben gerufen. „Es war nie die Idee das Dorffest abzusagen“, meint Markus Weidle von der Dorfgemeinschaft Bissingen. „Es ging immer nur darum, wie können wir die Veranstaltung möglichst wetterfest machen.“

Nach zäher Diskussion und der Begutachtung möglicher Veranstaltungsorte entschied man sich am Donnerstagabend dafür, das Fest auf den Platz um die Mehrzweckhalle zu verlegen. Der entscheidende Grund dafür, war laut Weidle das Kinderfest, das seit letztem Jahr gemeinsam mit dem Dorffest stattfindet: „Uns war es sehr wichtig, dass die Aufführungen und die Spielstraße im Trockenen stattfinden können.“ „Das Kinderfest wäre auf dem Dorfplatz ins Wasser gefallen!“, ergänzt Matthias Eßlinger von der Bissinger Dorfgemeinschaft.

Verkürzter Festzug

Auch wenn eine so kurzfristige Verlegung des Festplatzes einer Herkulesaufgabe glich, war am Samstagmittag alles vorbereitet für das Dorf- und Kinderfest. Pünktlich zum Beginn des Festumzugs kam freilich auch der Regen. Dies bewegte die Grundschule und den Kindergarten dazu, nicht beim Festumzug mitzulaufen. Auf neuer Route kam der verkürzte Festzug erst mit gehöriger Verspätung in Bewegung.

Die Vereine zeigten bei der Gestaltung der Wagen wieder viel Kreativität. Der Obst- und Gartenbauverein nahm die Erhöhung der Bauplatzpreise in Bissingen zum Anlass, Bissingen als Goldesel für die Stadt Herbrechtingen darzustellen. Noch immer stößt den Bissingern die Erhöhung der Bauplatzpreise sauer auf. Deutlich fröhlicher waren die B'Singers, die für die Zuschauer ein Liedchen trällerten. Die Jugendfeuerwehr nahm traditionell mit einer historischen Wasserspritze am Umzug teil. Ein Modell des geplanten „Haus der Vereine“ montierte der SV Bissingen auf seinen Festwagen. Das Wortspiel „Rennsport als Breitensport“, zierte den Wagen des Rennsportvereins Bissingen. Ein übergewichtiger Motorradfahrer machte die doppelte Bedeutung des Begriffs offenkundig.

Eröffnet wurden Dorf- und Kinderfest durch Bürgermeister Bernd Sipple in der Turnhalle. Auch die Aufführungen des Kindergartens und der Grundschule fanden in der trockenen Halle statt. Für die jüngeren Gäste gab es am Samstag noch einen Luftballonwettbewerb und eine Spielstraße. Am Sonntag konnten die Kinder im Feuerwehrauto mitfahren.

Partystimmung am Samstag

Zur Erleichterung der Veranstalter blieb es am weiteren Festwochenende überwiegend regenfrei. Dies sorgte für eine gute Stimmung unter den Gästen, die sich auf die Bissinger Trachtennacht gefreut hatten. Bevor Brenztalpower für Partystimmung sorgte, heizten die SVB Girls den Gästen ein, die sich trotz der Wetterprognosen nach Bissingen getraut hatten. Während die meisten Besucher der Trachtennacht wahrscheinlich noch schliefen, begann der Festsonntag mit einem ökumenischen Gottesdienst unter der Mitwirkung des Posaunenchors und der B'Singers. Es schien als hätte sich der Wettergott von dem Kraftakt der Veranstalter beeindrucken lassen. Denn am Sonntag ließ er sogar einzelne Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke blinzeln. Trotz des turbulenten Wochenendes gab es viele, die auch am Sonntag das Fest bis spät in die Nacht in der Weinlaube ausklingen ließen.

„Das Fest hätte unter den Umständen nicht besser ablaufen können“, resümierte ein sichtlich zufriedener Markus Weidle. „Dass wir von Donnerstag auf Freitag ein Fest in dieser Größenordnung einfach mal auf den Kopf gestellt haben, zeigt, dass diese Dorfgemeinschaft funktioniert.“

Und nächstes Jahr?

Zu klären ist noch, wo das Dorffest im kommenden Jahr stattfinden soll. Die meisten Bissinger fanden großen Gefallen an dem neuen Standort. Bereits am Wochenende wurde eifrig diskutiert, ob man überhaupt zum Dorfplatz als Austragungsort zurückkehren sollte. Die Veranstalter ließen sich hierbei allerdings noch nicht in die Karten blicken.

Matthias Eßlinger von der Dorfgemeinschaft freute sich aber darüber, dass über das Thema so angeregt gesprochen wurde: „Bei der WM gibt es 80 Millionen Bundestrainer und hier gibt es 650 Dorffest-Entscheider!“ Eßlinger gefällt es grundsätzlich, dass die Bissinger so emotional engagiert sich der Frage annehmen: „Unabhängig vom Ausgang der Entscheidung, finde ich das eine super Sache.“

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